Ein alter Reifen als Spielzeug

Fotoausstellung „African Kids“ im Haus der Wissenschaft

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Malte Steinbrink (l.) hat ein Motiv tauglich für den Township-Reisekatalog gefunden: eine Wäscheleine. Ebenfalls drauf: eine Mutter und ein helfendes Kind. Anna Harenberg hört dem Referenten bei „Wissen um 11“ interessiert zu.

Bremen - „Masiphumele“ ist ein durchaus optimistischer Name. Er bedeutet „Wir werden es schaffen“. Ein stolzer Name für eine der ärmsten Townships bei Kapstadt/Südafrika. Wellblechhütten und Müll sind hier Alltagskulisse. Dennoch sehen die spielenden Kinder fröhlich aus auf den Bildern der Fotoausstellung. 

Die Ausstellung, mit dem Titel „African Kids - eine südafrikanische Township-Tour“ des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB), wurde am Sonnabend im Rahmen der Reihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft eröffnet. Zu diesem Anlass hielt Sozialgeograph Malte Steinbrink von der Universität Osnabrück einen Vortrag über Township-Touren für Touristen.

Der Blick in das Innere der Wellblechhütte wirkt gemütlich: ein kleines Wohnzimmer, rötliche Farbtöne, eine Mutter mit zwei Kindern. Auf einem anderen Bild nutzen drei kleine Kinder einen Einkaufswagen als Fahrzeug zum Spielen. Armut ist der bleibende Eindruck. Das Klassenzimmer wirkt vertraut und der Kinderarzt freundlich. Etwas Hoffnung in der Öde.

Touristen erwarten Armut

Referent Malte Steinbrink findet schnell die Motive, für die sich Township-Touristen interessieren. Zweimal im Bild: Wäscheleinen. Auf einer hängt ein Teddy-Bär neben der Wäsche. Auf der anderen hilft ein kleines Kind seiner Mutter beim Waschen. „Man sieht dann etwas Vertrautes“, sagt Steinbrink. Direkt nebenan hängt ein weiteres Motiv tauglich für den Township-Reisekatalog: Ein Kind spielt im Müll. „Ein weiteres Stereotyp ist das Reifenrennen“, sagt Steinbrink. Das Bild zeigt Kinder bei einem Rennen. Sie rollen alte Fahrzeugreifen eine Straße hinunter. Ihre Gesichter strahlen.

Steinbrink fand heraus: Die Touristen erwarten Armut, Schmutz und negative Eindrücke. Die reale Erfahrung sei besser. Touristen loben die Freundlichkeit der Afrikaner, kaufen Souvenirs, schlafen aber im städtischen Hotel. Der Geograph spricht von „Global Slumming“. Die Touristen besuchen das ferne Dorf in der globalisierten Welt. Dabei sei Slumming, der Besuch armer Gegenden, nichts Neues. Bereits im 19. Jahrhundert gingen wohlhabende Londoner ins arme East End. Dies galt als unhygienisch, aber auch als Ort der freien Ausschweifung. Ein Gegensatz zum prüden viktorianischen Zeitalter. Der Trend schwappte in die USA. Dort besuchte man fremde Ethnien und deren Kultur.

Ausstellung umfasst 69 Bildtafeln

Die Ausstellung wurde 2012 anlässlich des Erscheinens des gleichnamigen Buches von Lutz van Dyke von der Stadtbibliothek Oldenburg konzipiert. Sie umfasst 69 Bildtafeln inklusive Beschriftungen. „Zu der Ausstellung haben wir noch Unterrichtsmaterialien für Schulen“, sagt Anna Harenberg, pädagogische Mitarbeiterin beim VNB.

„African Kids“ ist noch bis zum 27. Januar im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr, Sonnabend, 10 bis 14 Uhr. - mko

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