Forschungsstelle Osteuropa fördert Dialog

Politischer Protest im Fokus

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Heiko Pleines und Susanne Schattenberg leiten das Projekt zur Erforschung von großen Protestaktionen in Russland und der Ukraine.

Bremen - Unter welchen Bedingungen entwickeln sich Proteste zu einer Bewegung, die die politische Ordnung eines Landes in Frage stellt? In Russland und der Ukraine ist diese Frage zurzeit besonders relevant. Die Forschungsstelle Osteuropa an der Uni Bremen hat hierzu ein Projekt entwickelt, das jetzt von der Volkswagen-Stiftung drei Jahre lang mit knapp 235000 Euro gefördert wird.

Das Vorhaben bringt Historiker, Politikwissenschaftler und Soziologen aus Deutschland, Russland und der Ukraine zusammen. Dadurch unterstütze es auf der wissenschaftlichen Ebene den Dialog zwischen drei Nationen, bei denen zurzeit starke politische Spannungen herrschen, teilt die Universität mit.

Ziel des Projekts ist die Erforschung großer politischer Protestaktivitäten und ihrer Vorgeschichte. Dabei stehen bei den Wissenschaftlern drei Zeiträume besonders im Fokus: die Sowjetunion der Perestrojka und der vorangegangenen Jahrzehnte seit der Entstalinisierung der 50er Jahre, Russland unter Putin mit den großen politischen Protesten im Kontext der Wahlen 2011/2012 sowie die Ukraine mit Schwerpunkt auf der „Orangen-Revolution“ (2004) und dem „Euro Maidan“ (2013/2014).

Neben der Forschung ist auch die Datensammlung eine wichtige Aufgabe des Projekts. „Zu den Protestereignissen gibt es eine Vielzahl von Informationen, die möglichst umfassend zusammengeführt werden sollen“, so der Politikprofessor und Stellvertretende Direktor der Forschungsstelle, Heiko Pleines. Er leitet das Projekt gemeinsam mit Geschichtsprofessorin und Direktorin Susanne Schattenberg.

So werden im Projekt Materialien der Protestorganisatoren sowie Dokumente zu den Protesten – bis hin zu den Akten der Gerichtsprozesse gegen die Organisatoren – gesammelt. Geplant sei, Interviews mit Zeitzeugen zu führen, Medienberichte auszuwerten und für die neueren Proteste auch umfangreiche Videoaufzeichnungen zu archivieren, heißt es.

In einer Datenbank wollen die Forscher für Russland und die Ukraine für mehrere Jahre vor und nach den zentralen Protesten landesweit alle öffentlichen politischen Protestorganisationen dokumentieren. Durch die Datensammlung solle das Institut mit seinem Archiv – weltweit bereits bekannt als Anziehungspunkt für Wissenschaftler, die zu Dissens und Widerstand im Sozialismus forschen – auch eine zentrale Anlaufstelle für die Forschungen zur Opposition in der post-sowjetischen Region werden.

vr

www.forschungsstelle.uni-bremen.de

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