Vom Reformprojekt zur international geprägten Institution

50 Jahre Bremer Uni

Ein vier Meter breites Schild mit QR-Code, hinter dem sich Informationen zur Gründung der Bremer Uni verbergen, bildet im Campuspark den Auftakt einer stadtweiten Ausstellung mit dem Titel „Warum? Darum“.
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Ein vier Meter breites Schild mit QR-Code, hinter dem sich Informationen zur Gründung der Bremer Uni verbergen, bildet im Campuspark den Auftakt einer stadtweiten Ausstellung mit dem Titel „Warum? Darum“.

50 Jahre Bremer Uni – 50 Jahre voller Wandlungen und Veränderungen. Und voller Diskussionen. In den Anfangszeiten war das Bremer Reformprojekt stark umstritten.

Bremen – Bald sind es 100 Semester. . . die Bremer Universität wird 50 Jahre alt. Am 15. Oktober 1971 war der Studienbetrieb aufgenommen worden. Vor und nach diesem Datum wurde sehr viel über Bremens Uni diskutiert und gestritten. Anfangs geriet sie als „rote Kaderschmiede“ in Verruf. Jahrzehnte später gewann sie durch den zeitweiligen Status als „Exzellenz-Universität“ Fördergelder und Ansehen. Langweilig war es auf dem Campus nie.

„Aus einem mutigen Reformprojekt, das im ersten Semester mit 459 Studenten begann, wurde in nur fünf Jahrzehnten eine europäische Forschungsuniversität“, so formuliert es eine Uni-Sprecherin. Heute studieren, forschen und arbeiten etwa 23 000 Menschen aus mehr als 120 Ländern an der Bremer Uni, die ihr 50-jähriges Bestehen auch zur Selbstdarstellung nutzt.

Denn sie sieht sich als „bedeutend“ für – in dieser Reihenfolge – „den Wirtschaftsstandort, die Stadtgesellschaft und natürlich den Wissenschaftsstandort Bremen“. Was die Uni für Bremen und die Gesellschaft bedeute, das soll nun „mit einem vielfältigen und coronakonformen Programm sichtbar und erlebbar“ werden. Zu sehen sind inzwischen beispielsweise die ersten Orte einer stadtweiten Ausstellung mit dem Titel „Warum? Darum“.

Bremer Uni-Ausstellung mit 50 Stationen

Bis August werden nach und nach 50 Stationen im Stadtbild auftauchen, die ersten davon am Campuspark, die zweite bei der Bremer Shakespeare-Company in der Neustadt. Im Oktober fasst eine Ausstellung in der Unteren Rathaushalle alle Stationen zusammen.

Oliver Behnecke, Projektleiter für das Programm „50 Jahre Universität Bremen“: „Wir wollen zeigen, wie sehr die Universität mit dem Bremer Alltag und der Gesellschaft verbunden ist – und warum alle von dieser engen Partnerschaft profitieren.“ Vom 7. bis zum 11. Juni präsentieren sich Fachbereiche, Institute und Einrichtungen bei einer digitalen „Open-Campus“-Woche mit Podcasts, Live-Auftritten und Videoproduktionen.

Bremens Uni war unter anderem mit Blick auf einen wachsenden Lehrerbedarf in Deutschland gegründet worden; noch heute beenden dort jährlich 300 junge Lehrer ihr Studium. 1959 hatte der Wissenschaftsrat Bremen als Standort einer neuen Universität vorgeschlagen. 1960 wurde eine Senatskommission eingesetzt, 1961 dann ein Gründungsausschuss. 1964 beschloss die Bürgerschaft die Gründung. Vorausgegangen waren lange Diskussionen über die Finanzierung. Ein von der Ministerpräsidentenkonferenz unterzeichnetes Abkommen sicherte sie schließlich – 600 Millionen Mark, bremische Beteiligung: 25 Prozent, das war der Deal. Baubeginn: 1968.

„Bremer Modell“ sorgt anfangs für viel Streit

Mit der Uni entstand das vielbeachtete und noch viel mehr diskutierte „Bremer Modell“, das mit einigen traditionellen Vorstellungen von Universität und Lehrbetrieb brach. Die Studentenbewegung und die sozialliberale Koalition stießen gesellschaftliche Reformen an – in genau diesen Zeitgeist fiel die (in Bremen von Bürgermeister Hans Koschnick und Bildungssenator Moritz Thape, beide SPD, gleichsam kuratierte) Gründung der Bremer Uni. Fächerübergreifendes, forschendes Lernen und Praxisorientierung, „Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“ und Öffnung für bildungsferne Schichten – Aspekte wie diese wurden hier groß geschrieben.

Marschboden musste in Horn-Lehe ausgetauscht werden, um die Uni zu errichten.

Keine zehn Jahre später hätte der Traum schon wieder vorbei sein können. Die Finanzierung der Bundesländer lief aus. Erneut war Thape gefordert, mittlerweile als Finanzsenator. Er fand eine Lösung.

In den 80ern kommen neue Fachbereiche hinzu

Die Uni selbst spricht heute von einer „Phase der Konsolidierung und des Wachstums“. 1982 wurde ein Kooperationsvertrag mit dem damals frisch gegründeten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven geschlossen. Die Bremer Uni legte damit den Grundstein für den seither durch weitere Kooperationen und Neugründungen beständig ausgebauten Zweig der Meeres- und Klimaforschung.

Nicht mehr die Lehrerausbildung allein stand fortan im Fokus. Neue Fachbereiche wie etwa Produktionstechnik (1983) und Geowissenschaften (1986) vergrößerten die Bandbreite. 1986 wurde die Uni in die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen. Ab 1988 entstand am Campus der Technologiepark – mit dem 146 Meter hohen Fallturm als weithin sichtbarem Symbol.

Die Freiheit der bremischen Wissenschaft muss indes stets aufs Neue verteidigt werden, wie erst jüngst die Diskussion um Kürzungen der Eckwerte des Wissenschaftsressorts gezeigt hat.

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