Forscherteam entwickelt Multikopter für den Einsatz in Unglücksgebieten

Helfer im Katastrophenfall

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Biologe William Thielicke navigiert seinen Multikopter mit Hilfe einer Videobrille.

Bremen - Von Viviane Reineking. Der Aufklärungseinsatz ist eine Simulation, doch genauso könnte er ablaufen: Ein Unglück ist passiert, doch was die Helfer in dem Katastrophengebiet erwartet, ist ungewiss. Die Lage wird deshalb erst einmal aus der Luft erkundet. Dieser Herausforderung hat sich ein Team um den Bremer Wissenschaftler William Thielicke mit seinen Multikoptern gestellt.

Das Unglücksszenario war Teil der jährlichen Internationalen Konferenz der Kleinstfluggeräte, die jetzt an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden stattfand. Forscher haben sich in Theorie und Praxis ausgetauscht, um Entwicklungen bei den Kleinstfluggeräten voranzutreiben, so Thielicke. In dem Wettbewerb versuchten 15 Mannschaften aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, Polen, dem Iran und China, sich mit den kleinen, fliegenden Helfern möglichst schnell einen Überblick über das Katastrophengebiet zu verschaffen.

Neben dem Biologen William Thielicke von der Hochschule Bremen gehören Prof. Klaus-Peter Neitzke von der Fachhochschule Nordhausen und Dr. Hans-Peter Thamm von der Freien Universität Berlin zum Team „Dipole“. Sie belegten mit ihren Minifliegern den zweiten Platz. Die Aufgabe war anspruchsvoll: So galt es nicht nur, eine Karte des Unglücksgebietes zu erstellen, sondern Häuser von innen und außen mit den Fluggeräten zu erkunden.

Das Team um den Bremer Forscher trat mit seinen Multikoptern an – Fluggeräte mit vier bis sechs Propeller. Sie wiegen nur rund 200 Gramm und können bis zu 90 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Damit waren die von Neitzke und Thielicke entwickelten Multikopter die leichtesten und kleinsten des Wettbewerbs.

Um die Zeitvorgabe von 30 Minuten einhalten zu können, operierten die drei Teammitglieder zeitgleich: Während Thamm mit einem größeren Fluggerät und einer nach unten gerichteten Kamera automatisch das Areal abflog und so eine hochauflösende Karte des Dorfes erstellte, inspizierten Neitzke und Thielicke per Funkkamera und Videobrille das Unglücksgebiet und flogen mit ihren kleinen Geräten in die Häuser hinein.

„Besonders problematisch war der starke Wind, der wegen der geöffneten Fenster auch in den Häusern deutlich zu spüren war und das präzise Steuern schwierig machte“, so Thielicke.

Am Ende mussten sich die Entwickler nur dem 18-köpfigen Team der Nationalen Universität von Singapur geschlagen geben. Es reiste sogar mit zehn Multikoptern an. Die drittplatzierte französische Mannschaft sichtete das Unglücksgebiet mit gleich mehreren Flugzeugen und Multikoptern.

„Bislang werden die Fluggeräte nur vom Militär für derartige Aufgaben eingesetzt“, sagt Thielicke. „Es wird aber nicht mehr lange dauern, bis sie auch für den zivilen Gebrauch erschwinglich sind.“ Ein Sponsor ist dem wissenschaftlichen Mitarbeiter und Doktorand zufolge die niederländische Polizei, die sehr daran interessiert sei, möglichst kleine, sichere und einfach zu bedienende Kleinstfluggeräte zu fördern und einzusetzen.

Im nächsten Jahr findet die „International Micro Air Vehicle and Flight Conference“ (Imav) in Aachen statt. Dann soll mit den Kleinstfluggeräten auch ein Feuer aufgespürt und gelöscht werden. Thielicke und seine Kollegen machen sich bereits jetzt schon Gedanken darüber, wie sich die künftigen Herausforderungen am besten meistern lassen.

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