Leben ohne Sonnenlicht?

Aufs Gestein kommt's an

+
Ein Meereswissenschaftler bereitet einen Scan vor.

Bremen - Von Irena Güttel. Wie kann Leben ohne Sonnenlicht entstehen? Diesem Geheimnis sind Forscher tief unter Wasser auf der Spur. Gesteinsproben aus dem Atlantischen Ozean sollen neue Erkenntnisse bringen.

Überall auf den Tischen liegen in langen Reihe Steine. Manche glänzen tiefschwarz, andere sind schwarz-weiß marmoriert oder von stumpfem Grau. Wissenschaftler betrachten hauchdünne Gesteinsproben unter einem Mikroskop. Daneben geben Kollegen Daten in Computer ein. Für sie sind die Steine eine kleine Sensation: Diese stammen aus einem riesigen Berg im Atlantischen Ozean und sind mit anderen Gesteinsarten unter Wasser nicht vergleichbar. In Bremen wollen die Experten ihnen jetzt ihre Geheimnisse entlocken.

„Die Ergebnisse werden viele neue Erkenntnisse liefern“, ist sich die Schweizer Meeresgeologin Gretchen Früh-Green sicher. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Mikrobiologin Beth Orcutt hat sie die sechswöchige Expedition zum „Atlantis Massif“ geleitet, einem mehr als 4000 Meter hohen Berg am Mittelatlantischen Rücken. Das Besondere an ihm: Er besteht aus Gestein des Erdmantels, das durch das Auseinanderdriften der nordamerikanischen und eurasischen Platte aus sechs Kilometern Tiefe nach oben befördert wurde. Interessant für die Forscher ist es vor allem, weil das Gestein mit dem Meerwasser reagiert. Dabei entstehen Methan, Wasserstoff und Wärme - und damit eine Quelle für Leben fernab vom Sonnenlicht.

Welche Mikroorganismenexistieren in dem Mantelgestein? Unterscheiden sich diese von anderen Kleinstlebewesen unter oder über Wasser? Diese Fragen sollen unter anderem die Gesteinsproben beantworten, die die Wissenschaftler mit zwei Spezialbohrern in rund 800 bis 1600 Metern Meerestiefe aus dem Berg gezogen haben. An Bord des Forschungsschiffes konnte sich ein Experte einzelne Proben bereits unter einem Mikroskop anschauen. Dabei habe er zahlreiche Mikroorganismen entdeckt, sagt Orcutt. „Wir wissen aber noch nicht, welche es sind und wie groß ihre Vielfalt ist.“

Die Ausbeute der Expedition - mehrere bis zu 16 Meter lange Bohrkerne - wertenrund 30 internationale Wissenschaftler seit fast zwei Wochen in den Laboren vom Bremer Marine Zentrum für Umweltwissenschaften aus. In hauchdünne Scheiben geschnitten betrachten sie Proben aus unterschiedlichen Gesteinsschichten unter dem Mikroskop. Die Berliner Petrologin Esther Schwarzenbach deutet auf eine Aufnahme. „Das sieht aus wie Mini-Höhlen.“ Sie und ihre Kollegen suchen nach Gesteinsadern und Spuren, die das Meerwasser im Gestein hinterlassen hat. Auf der anderen Seite des Raumes bewerten Geochemiker das Aussehen des Gesteins, um darauf auf chemische Prozesseschließen zu können.

„Rost ist zum Beispiel ein sehr guter Hinweis auf die Existenz von Mikroorganismen“, erläutert Orcutt den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Fachgebieten. Ende der Woche werden die Expeditionsteilnehmer wieder an ihre Forschungseinrichtungen zurückkehren und die Proben dort noch detaillierter analysieren. Bis alle Ergebnisse vorliegen, wird es noch einige Zeit dauern. Nach Ansicht von Früh-Green werden diese Rückschlüsse ermöglichen, wie die Früherde entstanden ist und wie Leben ohne Photosynthese möglich sein kann - nicht nur auf der Erde, sondern auch auf anderen Planeten.

dpa

Prinzessin Caroline von Monaco feiert 60. Geburtstag

Prinzessin Caroline von Monaco feiert 60. Geburtstag

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Meistgelesene Artikel

Unbekannte überfallen Pizzaboten mit Schusswaffe

Unbekannte überfallen Pizzaboten mit Schusswaffe

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Unfall mit Schüler: Observationsbericht belastet 27-Jährigen

Unfall mit Schüler: Observationsbericht belastet 27-Jährigen

Kommentare