Demografiewandel beeinflusst Arbeitswelt / Bessere Nutzung von Kompetenzen

Forscher fordern Umdenken

Das Foto zeigt den Transport von sogenannten Tripoden für Windkraftanlagen vor Bremerhaven. Die Forscher analysieren Arbeitsprozesse auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Im Fokus stehen dabei hafenbezogene Tätigkeiten mit einem Schwerpunkt auf der Offshore-Industrie. Das Ziel: Weiterbildungskonzepte und Empfehlungen für die Gestaltung von Arbeit. ·
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Das Foto zeigt den Transport von sogenannten Tripoden für Windkraftanlagen vor Bremerhaven. Die Forscher analysieren Arbeitsprozesse auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Im Fokus stehen dabei hafenbezogene Tätigkeiten mit einem Schwerpunkt auf der Offshore-Industrie. Das Ziel: Weiterbildungskonzepte und Empfehlungen für die Gestaltung von Arbeit. 

Bremen - Demografischer Wandel und Anforderungen der modernen Arbeitswelt stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Um sie „demografiefest“ zu machen, bedarf es mittelfristig neuer Lösungen, mit denen sich ein Forschungsprojekt unter der Leitung des Bremer Instituts für Produktion und Logistik (Biba) beschäftigt.

Zum Auftakt des Forschungsvorhabens „Arbeitsprozessorientierte Kompetenzentwicklung für den Hafen der Zukunft“ (Arkoh) kamen jetzt die Projektpartner aus Industrie und Forschung im Biba zusammen. Das Projekt legt seinen Schwerpunkt auf die maritime Wirtschaft, doch seine Ergebnisse lassen sich nach Angaben der Forscher auch auf andere Branchen übertragen. Neben dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Projektträger sind unter anderem auch das Institut Technik und Bildung (ITB) der Uni Bremen und die Bremer Handelskammer beteiligt.

Unternehmen agieren heute im Spannungsfeld zwischen Kostendruck und Erhaltung sowie Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und Kompetenzentwicklung ihrer Mitarbeiter. Dabei müssen sie zudem die demografische Entwicklung berücksichtigen. „Neuere Untersuchungen dazu bestätigen die notwendige Abkehr von der defizitären Sichtweise, wonach ältere Beschäftigte wegen eines erhöhten Krankheitsrisikos, physisch und psychisch an Beschäftigungsfähigkeit einbüßen“, sagt Biba-Wissenschaftler Heiko Duin. „Die Studien heben stattdessen das Erfahrungswissen und dessen Innovationspotenzial hervor.“ Unternehmen müssten umdenken. Es gelte, so der Projektleiter, die drei sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren betriebliche Altersstruktur, Kompetenzentwicklung und Gestaltung der Arbeitsorganisation in Einklang zu bringen.

„Aus den Wechselwirkungen von demografischem Wandel und moderner Arbeitswelt entstehen bereits jetzt anspruchsvolle Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft, die sich mittelfristig verschärfen werden“, sagt Dr. Daniela Ahrens vom ITB. „Diese tiefgreifenden Veränderungsprozesse müssen von den Unternehmen aktiv mitgestaltet werden.“

Ziel der Partner ist es, mit dem Fokus auf technische, betriebliche und demografische Entwicklungen Arbeitsprozesse zu analysieren und daraus entsprechende Weiterbildungskonzepte und Empfehlungen für die Gestaltung von Arbeit abzuleiten. Dabei setzen sie nicht auf herkömmliche Qualifizierungsmethoden wie zum Beispiel Seminare und Schulungen, sondern auf das Lernen mithilfe von Spielen („Serious

Gaming“). Sie können nach Angaben der Forscher effektiv und kostengünstig eingesetzt werden. Anhand realer Situationen lernen die Beschäftigten während der Arbeit, Situationen einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Spielerisch bauen sie Wissen auf und aus. Das entwickelte Konzept wird im betrieblichen Umfeld erprobt und ausgewertet. Es soll Beschäftigte vom Einstieg ins Erwerbsleben bis zum Erreichen des Rentenalters leistungsfähig erhalten, so die Hoffnung der Forscher. „Auf diese Weise können Unternehmen ‚demografiefest' werden sowie ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit ausbauen“, sind sich die Projektpartner sicher. Besonders kleine und mittlere Betriebe, deren finanzielles und zeitliches Budget für Weiterbildung und Personalentwicklung oft knapp bemessen ist, können nach Angaben der Wissenschaftler profitieren.

Das Projekt untersucht die künftige Entwicklung in der Fertigung und Installation von Offshore-Komponenten und anderer hafenbezogener Tätigkeiten. Daniela Ahrens: „Es gibt nicht den einen richtigen Weg hinsichtlich der Gestaltung demografiegerechter Arbeit.“ Es seien immer auch regionale sowie betriebs- und branchenspezifische Aspekte zu berücksichtigen, also individuelle Lösungen gefragt. · vr

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