„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: „Spitzen Gebel“

Die Form gibt den Namen

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Freimarktsherzen im Fenster – im „Spitzen Gebel“ geht man mit der Zeit. Das Haus stammt in seinen Ursprüngen aus dem 14. Jahrhundert. ·

Bremen - Von Thomas KuzajAls die Bremer anno 1404 den steinernen Roland auf dem Marktplatz errichteten, da stand dieses Haus schon. Gebaut worden ist es vor 1400, sagen die Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege. Das gotische Stadthaus gilt als das letzte erhaltene Bauwerk seiner Art in Bremen.

Eine Tafel an der Fassade weist darauf hin. Die Form des Hauses gibt ihm den Namen: „Spitzen Gebel“ – oder auch, etwas manierierter in hochdeutschem Ton: „Zum spitzen Giebel“.

In der Straße mit dem Namen „Hinter dem Schütting“, die – eben – hinter dem Sitz der Handelskammer verläuft, ist das Gebäude zu finden. Wer aus Richtung Wachtstraße kommt, läuft direkt auf das schmale Giebelhaus zu. Es fällt sofort auf, weil es so schmal ist. Spitze Ausrufe des Entzückens kommen unter Bremen-Besuchern durchaus vor: „Guck mal, wie süüüß!“

Unter Touristen bekannt ist der „Sluk ut de Lamp“, der im „Spitzen Gebel“ serviert wird und das heimliche Ziel so mancher Führung ist. Die Bremer Touristik-Zentrale erwähnt das Elixier sogar auf ihrer Internetseite.

Das Stadthaus diente Wohn- und Gewerbezwecken, steht im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Unter anderem war es Weinhaus und Schlachterei. Als Bürohaus diente es den „Vereinigten Klavierträgern”, die es 1913 von dem Bierhändler Adolf Ulbrich gekauft hatten. Ältere Bremer kannten es deshalb auch unter dem Namen „Klavierträgerhaus“.

In seiner langen Geschichte wurde das Haus mehrmals umgebaut. Utlucht (Fenstervorsprung in der Fassade, ein auf dem Boden aufsitzender Erker) und Ostportal werden auf 1590 datiert. Utluchten waren ein in Bremen sehr beliebtes Bauelement.

Um 1610 entstand das Portal. Es stammt also aus einer Zeit, in der das nur wenige Schritte entfernte Rathaus gerade seine reichgeschmückte Weserrenaissancefassade bekam.

Im Krieg stark

beschädigt

Im Zweiten Weltkrieg – genauer: 1944 – wurde das Haus „Spitzen Gebel“ stark beschädigt. Ein Aquarell aus dem Jahr 1945 zeigt eine Backsteinruine, lässt aber die charakteristische Giebelform noch erkennen.

Von 1948 bis 1950 ist das Haus wieder aufgebaut worden – unter der Leitung und nach Plänen der beiden Bremer Architekten Herbert Anker und Bernhard Wessel. Ins Innere kam ein Restaurant. Seit 1973 steht das Haus unter Denkmalschutz.

Anker (1908 bis 1987) war auch am Wiederaufbau der „Rathsapotheke“ (Marktplatz) und des Park Hotels (Bürgerpark) beteiligt. Wessel (1904 bis 1976) zählt zu den Vätern des nach dem Krieg neu aufgebauten Stephaniviertels. Von ihm stammen auch die Hochschule für Nautik an der Werderstraße und das Rathaus von Emden. In Bremen beteiligte er sich zudem an der Sanierung des Schnoors ab 1959.

Vor dem Krieg hatte Wessel im Büro des Bremer Architekten Heinrich Rudolph Jacobs (1879 bis 1946) gearbeitet. Herbert Anker war dort ab 1938 Teilhaber gewesen. Nach Jacobs‘ Tod führte Anker das Büro bis 1971 weiter.

http://www.denkmalpflege.bremen.de

http://www.spitzen-gebel.de

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