Senatsmedaille für Bernd Neumann

Der Förderer

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Ausgezeichnet: Bernd Neumann (rechts, hier mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte).

Bremen – Eine hohe Auszeichnung: Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) verleiht dem früheren Kulturstaatsminister und langjährigen Bremer CDU-Chef Bernd Neumann am Dienstag, 5. November, die Bremische Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Senat am 7. Mai gefasst. Neumann wird natürlich nicht für seine Arbeit als CDU-Chef geehrt, sondern für sein „partei- und länderübergreifendes Wirken für Kultur und Medien in Deutschland in seiner Zeit als Staatsminister“, wie es vorab im Rathaus hieß.

Update, 5. November: Er war lange Jahre Vorsitzender der Bremer CDU. Und er war von 2005 bis 2013 Kulturstaatsminister, saß in einem Büro mit großzügigem Balkon im Bundeskanzleramt in Berlin – eine Etage über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Die Rede ist von Bernd Neumann. Für sein partei- und länderübergreifendes Wirken für Kultur und Medien in seiner Zeit als Staatsminister hat der 77-Jährige am Abend im Rathaus die Bremische Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft erhalten – aus den Händen von SPD-Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Neumann engagierte sich für Kultur, wie es viele nicht erwartet hatten (wir berichteten). Ohne ihn wäre die Kunsthallen-Erweiterung nicht möglich gewesen. Den Gedenkort Bunker „Valentin“ und das Auswandererhaus unterstützte er ebenfalls. Als Staatssekretär im Bundesforschungsministerium hatte Neumann bereits Meeresforschung und Raumfahrt gefördert, zwei wichtige Themen für Bremen. gn

Neumann, am 6. Januar 1942 im westpreußischen Elbing geboren, gilt nach wie vor als „engagierter Förderer des deutschen Films und der Kinowirtschaft“, hieß es weiter. Seit Februar 2014 ist er Präsident der Filmförderungsanstalt (FFA). Von 2005 bis 2013 war Neumann Kulturstaatsminister – es waren prägende Jahre.

Prägende Zeiten finden sich an verschiedenen Stellen in Neumanns Vita. Nach Vertreibung und Flucht war die Familie im Winter 1945 in der Lüneburger Heide angekommen. Neumanns Eltern fanden dann Arbeit in der Landwirtschaft. 1953 folgte der Umzug nach Bremen, Bernd Neumann wuchs nun in Bremen-Nord auf. In der Hansestadt machte er Abitur. Und hier wurde er Lehrer.

Und dann: Oppositionsführer, durchaus eine gute Aufgabe für einen scharfzüngigen Rhetoriker wie ihn. Dreimal trat Neumann, 1962 in die CDU eingetreten und seit 1971 für die Politik vom Schuldienst beurlaubt, gegen SPD-Bürgermeister Hans Koschnick (1929 bis 2016) an. Dreimal aber hieß der Wahlsieger Hans, nicht Bernd – 1975, 1979 und 1983.

Neumann fand einen anderen Weg, sein Machtbewusstsein prägend auszuleben. Er wurde 1979 CDU-Landesvorsitzender. Und blieb es bis 2008. Neumann war der am längsten amtierende Landeschef in der Geschichte der Union – bundesweit. Als Parteichef prägte er die (Macht-)Strukturen in der Bremer CDU. Kritiker hielten ihm später vor, dass dies der Partei auch geschadet habe. Tatsächlich verlor sich die Bremer CDU nach Neumanns Rückzug in lang andauernden internen Querelen.

Neumann selbst zeigte da längst auf einer anderen Bühne Präsenz. Karriere machte er als Politiker ohnehin mehr außerhalb Bremens: Nachdem er von 1971 bis 1987 in der Bürgerschaft gesessen hatte – ab 1973 als CDU-Fraktionschef –, war er von 1987 bis 2013 Bundestagsabgeordneter; am 22. November 2005 begann seine Zeit als Staatsminister, bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er nicht mehr.

Dass er ausgerechnet in der Welt er Kultur reüssieren würde, hatten viele ihm nicht zugetraut. Groß war das Entsetzen in den Feuilletons, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Neumann zum Kulturstaatsminister ernannt hatte. Ein Polit-Profi und Polemiker, kein Schöngeist in diesem Amt – ganz schlimm! Bald aber schlug die Stimmung um. Denn gerade als Polit-Profi verstand es Neumann, Gelder für die Kultur zu gewinnen. Das brachte ihm dann doch Applaus.

Applaus dürfte auch am Dienstag im Bremer Rathaus zu hören sein. Neumanns Ehrung ist auf die Minute genau durchgeplant worden. Die musikalische Gestaltung des Festaktes liegt in den Händen von Ulrich König, Arrangeur und Oboist der Deutschen Kammerphilharmonie. Nach der Ansprache und Würdigung Neumanns durch Bürgermeister Bovenschulte (zehn Minuten) folgt ein 20-minütiger Festvortrag von Professor Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Thema: „Die Bedeutung der Kultur als identitätsstiftender Faktor in unserer Gesellschaft“.

Acht Minuten Musik schließen sich an, bevor ein moderiertes Gespräch (17 Minuten) über Neumanns Engagement in Bremen beginnt. Am Tisch: OHB-Chef Marco Fuchs, Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz, Musikfest-Intendant Professor Thomas Albert. Verschiedene Bremer Projekte stehen beispielhaft für Neumanns „engagierte Arbeit in der Kulturpolitik“, hieß es im Rathaus – so der Erweiterungsbau der Kunsthalle. Auch mit dem Umbau des Bunkers „Valentin“ zur Gedenkstätte zum NS-Unrecht sei Neumanns Name eng verbunden. THOMAS KUZAJ

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