Erbitterter Streit um technisches Kulturdenkmal spitzt sich zu / Fristlose Kündigung aus München

Focke-Windkanal: Eigentümerin wirft Verein raus

Im Februar 2005 verstanden sie sich noch: Dr. Sigrid Hopf und Dr. Kai Steffen im damals frisch sanierten Focke-Windkanal. ·
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Im Februar 2005 verstanden sie sich noch: Dr. Sigrid Hopf und Dr. Kai Steffen im damals frisch sanierten Focke-Windkanal. ·

Bremen - Von Thomas KuzajSteht der Focke-Windkanal vor dem Absturz? Der Streit zwischen dem Bremer Verein „Focke-Windkanal“ und der Eigentümerin Dr. Sigrid Hopf aus München hat sich dramatisch zugespitzt. Die Vereinsmitglieder dürfen die Räume an der Emil-Waldmann-Straße (Nähe Hauptbahnhof) jetzt nicht mehr betreten.

„Uns wurde der Nutzungsvertrag aus dem Jahr 2003 von Frau Hopf fristlos gekündigt“, sagt Dr. Kai Steffen, dessen Name mit der Rettung und Sanierung des Ende der 90er Jahre wiederentdeckten Labors eng verbunden ist. 2005 war der Verein dafür mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Ins selbe Jahr fiel die Neu-Einweihung des technischen Kulturdenkmals. Damals freute sich Dr. Sigrid Hopf: „Das ist ein sehr erfreulicher Tag!“

Sigrid Hopf ist die Tochter des Bremer Luftfahrtpioniers Henrich Focke (1890 bis 1979). Focke gilt als Erfinder des Hubschraubers. Den Windkanal richtete er sich in einer späteren Lebens- und Arbeitsphase ein. Ab 1963 beschäftigte er sich dort mit Strömungsfragen und Tragflächenprofilen. Nach seinem Tod verfiel das Labor. Es wurde praktisch vergessen.

Die – durch Spenden, Sponsoren und auch durch öffentliche Gelder ermöglichte – Sanierung und die Vereinsaktivitäten brachten wieder richtig Leben hinein. Seit 2010 ist der Windkanal auch technisch wieder voll funktionstüchtig, heißt es beim Verein. Es gab Führungen, und die Zusammenarbeit mit Unternehmen sollte Geld in die Kasse bringen. Parallel entstand die Idee, eine Stiftung für das Technik-Denkmal zu gründen. Daraus entwickelte sich ein Konflikt.

München, so die Bremer Darstellung, wollte den Verein im Zusammenhang mit der Stiftungsgründung auflösen. Später spitzte sich der Streit weiter zu. Eine Windkraftfirma wollte das Labor langfristig für Strömungstests an Modellen nutzen. Die Einnahmen würden den Erhalt des Labors auf lange Zeit absichern – so die Bremer Sicht. Die Einnahmen sollten an die Stiftung gehen und auf diese Weise zum Erhalt beitragen – so die Münchener Sicht. Der Vertrag mit der Windkraftfirma kam nicht zustande. Und nun?

Steffens Sicht: „Ausgerechnet jetzt, nachdem der Windkanal komplett fertiggestellt wurde, sollen wir herausgeworfen werden. Wer jedoch einen Vertrag oder eine Abmachung vorzeitig auflösen möchte und sich dadurch einen großen Vorteil verschaffen könnte, sollte unserer Meinung nach anstelle einer fristlosen Kündigung oder gar eines Rechtsstreites wenigstens die Größe besitzen, einen Auflösungsvertrag vorzuschlagen oder auszuhandeln und dem Verein und seinen Mitgliedern den Aufwand zu ersetzten.“

Der Verein habe sich geweigert, den Weisungen der Eigentümerin nachzukommen, heißt es aus München, wo man offenbar zu der Ansicht gekommen ist, dass es nun genug sei. Es habe zum Teil ehrverletzende und zum Teil wahrheitswidrige Aussagen gegenüber Sponsoren und der Öffentlichkeit gegeben.

Professor Georg Skalecki, Bremens Landesdenkmalpfleger, setzt auf die Kraft der Kommunikation – darauf also, dass alle Beteiligten nochmal miteinander sprechen. „Niemand ist unersetzlich“, sagt er, und verweist zugleich auf das große Know-how des Vereins.

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