Das Focke-Museum präsentiert im Haus Riensberg „Gläser des Jugendstils“

Thronend und schmachtend

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Ins rechte Licht gerückt: „Gläser des Jugenstils“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Es ergeben sich spannende ästhetische Allianzen in den Vitrinen.“ Dr. Uta Bernsmeier, im Focke-Museum (Schwachhausen) Expertin für angewandte Kunst, gerät ins Schwärmen. Anlass dafür sind Jugendstilgläser aus Deutschland, Frankreich und Amerika, die jetzt im Haus Riensberg auf dem Areal des Museums zu sehen sind.

Haus Riensberg? Das Gebäude war im Januar 2014 geschlossen worden, nachdem Probleme mit UV-Schutz-Beschichtung und Sicherheit der etwa zehn Jahre alten Vitrinen aufgetreten waren. In diesem Jahr soll das Haus, in dem bürgerliche Wohnkultur und die europäische Glassammlung gezeigt werden, „sukzessive“ wieder geöffnet werden, plant Museumsdirektorin Dr. Frauke von der Haar. Den Anfang macht die Jugendstilglas-Schau in der Diele des Hauses Riensberg, mit sicheren Vitrinen aus dem Museumsbestand und einer LED-Beleuchtung, die die Objekte buchstäblich ins rechte Licht rückt. Und sie haben es verdient, diese Objekte.

Über viele Jahre hat das Ehepaar Lore und Jürgen Müller eine kleine und exquisite Sammlung von Gläsern des Jugenstils („Art Nouveau“) aus – eben – Deutschland, Frankreich und Amerika zusammengetragen. Zehn der Spitzenstücke aus ihrer Sammlung haben die beiden schließlich dem Focke-Museum übergeben – als Geschenk. Um die Gläser dauerhaft in einem würdigen Rahmen bewahrt zu wissen.

Uta Bernsmeier sieht in der Schenkung eine Bereicherung und Erweiterung der ohnehin schon überregional renommierten Glassammlung des Museums: „Welche außerordentliche Qualität diese Stücke haben!“

Das „Highlight“ sei dabei eine Vase mit Orchideendekor, die von dem französischen Kunsthandwerker Émile Gallé (1846 bis 1904) stammt. „Entstanden aus der Auseinandersetzung mit japanischer Kunst“, so Bernsmeier. Geprägt von einem großen „Verständnis für den Symbolgehalt natürlicher Prozesse“. Über die Orchideen hinaus im Mündungsrand verziert mit einem Vers des französischen Dichters René François Armand „Sully“ Prudhomme (1839 bis 1907; erster Nobelpreisträger für Literatur): „Zum Ball will ich gehen / In einer schönen Vase dort thronend und schmachtend / Dem Treiben zusehen...“ Bernsmeier über Gallés Vase: „Kunst für den bürgerlichen Salon.“ Entstanden 1889 – in einer Zeit, in der die angewandte Kunst auf sehr viel größeres Interesse gestoßen sei als etwa die bildende Kunst.

Zu den weiteren „Highlights“ der Müller-Sammlung zählen Arbeiten des amerikanischen Glaskünstlers Louis Comfort Tiffany (1848 bis 1933). Wie Gallé verstand er sich als eigenständiger Künstler; wie bei Gallé haben sich Generationen nachfolgender Künstler an ihm orientiert. Er selbst war zunächst von Gallé beeinflusst, sagt Uta Bernsmeier. „Aber er hat seinen eigenen Stil gefunden.“ Mit den irisierenden Oberflächen seiner Ziergläser machte Tiffany in Europa tüchtig Furore.

Erweitert wird die Ausstellung im Haus Riensberg um acht Glasarbeiten des Jugendstils und Art Déco, die das Museum – so eine Sprecherin – „dem mäzenatischen Engagement verschiedener Stiftungen zu verdanken“ hat. Auch dadurch ergeben sich die „ästhetischen Allianzen“.

An drei Sonntagen – 7. Februar, 13. März und 3. April – führt Uta Bernsmeier durch die Ausstellung „Gläser des Jugendstils“. Beginn ist jeweils um 10.15 Uhr.

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