„Flying Bach“ kombiniert Breakdance und Klassik – und erzeugt ein geteiltes Echo

Ein Auftritt mit Abstrichen

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„Flying Bach“ – ein Auftritt mit Abstrichen.

Bremen - Von Steffen Koller. Breakdance und Klavierklänge – das geht nicht? Doch das geht, aber mit Abstrichen. Der Auftritt von „Red Bull Flying Bach“ am Freitag- und Sonnabendabend in der Bremer Glocke machte deutlich, dass die Kombination körperlicher Ausdrucksformen der New Yorker Hip-Hop-Szene und Instrumentalwerken von Johann Sebastian Bach ihre Grenzen hat, die auch in einer gute Stunde nicht überwunden werden konnten.

„Da fehlt doch was, oder nicht?“, werden sich wohl viele Zuschauer zu Beginn der Show gefragt haben. Aber sie wussten, worauf sie sich einlassen. Der Titel der Performance lässt da ja auch keinen Zweifel – und Opernregisseur Christoph Hagel hat es genau so gewollt. 2010 entstand die Idee, die viermaligen Breakdance-Weltmeister „Flying Steps“ nicht zu den üblichen Hip-Hop-Klängen tanzen zu lassen, sondern zum Werk „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach. Breakdance trifft Bach, New York trifft Eisenach, dem Geburtsort von Bach.

Nun gastierte die Gruppe in Bremen und hinterließ ein eher geteiltes Echo. Keine Frage, die „Jungs“, die sich – im Fachjargon – auf das „Popping“ und „Locking“ spezialisiert haben, wissen, was sie tun. Ihre Bewegungen sind exakt, auf den Punkt. Und manch einem dreht sich beim bloßen Anblick der schnellen Drehungen und Verrenkungen der Magen um. Das ist schon beeindruckend und besonders für die Frauen auch ein Augenschmaus. Man müsste sich schon stundenlang im Fitnessstudio aufhalten, um so durchtrainierte Körper zu bewundern. Und auch die Männer bekommen einiges zu sehen. Die hübsche Schwedin Anna Holmström schwebt als Ballerina anmutig über die Bühne, tänzelt scheinbar schwerelos über das Parkett.

Flying Steps breakdancen zu Bach in der Bremer Glocke

Doch Breakdance ist Hip-Hop und Hip-Hop ist Breakdance, was sich auch für einen Großteil der Zuschauer nicht wegdiskutieren ließ. In Phasen, in denen Holmström filigran über die Bretter schwebt, wirken die Klavier- und Cembaloklänge authentisch, doch wollen die Männer ihre Angebetete tänzerisch bezirzen, dann geht die Authentizität verloren, die Kombination wirkt künstlich. Daran kann auch eine durchaus gelungene Lichtshow nur wenig ändern. Und ein Blick in die Menge verrät, dass genau an den Stellen, in denen die donnernden Beats, die es ja durchaus gibt, ertönen, Füße anfangen zu wippen, Gespräche mit einem Schlag beendet sind und das Handy ganz schnell in der Hosentasche verschwindet.

Gut, dass sich „Flying Bach“ mit einem großen Knall, wummernden Bässen und Breakdance in Reinkultur verabschiedet. Ansonsten hätte die Show statt feurig wohl ausschließlich einen wohltemperierten Eindruck hinterlassen.

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