Airport offen für Technik

Flugtaxi: Von Bremen bis nach Hamburg oder Hannover durch die Luft schweben

  • Elisabeth Gnuschke
    vonElisabeth Gnuschke
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Auf dem Bremer Airport in ein Taxi steigen und bis nach Hamburg schweben. Kein Stau, kein Parkplatzproblem. Zukunftsmusik? Noch, aber diese Art des Reisens liegt nicht mehr in weiter Ferne. Die Rede ist von Flugtaxis, sogenannte Volocopter.

  • Von Bremen nach Hamburg per Flugtaxi.
  • Airport Bremen interessiert an neuer Technologie.
  • Passagierflüge im Flugtaxi sollen ab 2022 möglich sein.

In Köln/Bonn sieht man die Möglichkeit, dass die Flugtaxis mit wenigen Passagieren an Bord überschaubare Strecken wie nach Düsseldorf, ins Ruhrgebiet oder in die Benelux-Staaten übernehmen – in Bremen wären das dann beispielsweise Hamburg oder Hannover. Ein Szenario der Studie ist, dass einige Passagiere nach der Landung am Flughafen aus einer großen Maschine in ein Flugtaxi umsteigen statt in Bahn, Bus oder Auto. Das entlaste die Verkehrsnetze, heißt es.

Gerade erst hat der Airport Köln/Bonn (zwölf Millionen Passagiere im Jahr in Vor-Corona-Zeiten) das Zukunftsszenario in einer Machbarkeitsstudie untersucht. Heraus kam: Die Voraussetzungen für einen Flugtaxi-Startplatz sind gegeben. Der dortige Flughafen-Chef Johan Vanneste glaubt nach dpa-Angaben an die neue Technologie und ist an möglichen Probeflügen interessiert.

Ein „Volocopter“ in der Luft. Das Unternehmen rechnet mit kommerziellen Flügen ab dem Jahr 2022. Dann könnten die Flugtaxis, die mit Elektromotor betrieben werden, womöglich auch in Bremen abheben. Der Airport Bremen beschäftigt sich bereits mit dem Thema.

Airport Bremen: Zugelassene Flugtaxis dürfen starten

Welche Haltung vertritt der Bremer Airport am Neuenlander Feld zu den Flugtaxis? „Grundsätzlich ist der Bremer Airport immer an neuen Technologien und Ideen interessiert“, betonte Sprecherin Andrea Hartmann. Für das Starten und Landen von zugelassenen Flugtaxis in Bremen sieht sie keine großen Probleme. Am Airport dürften alle zugelassenen Fluggeräte im Rahmen der technischen Parameter operieren. Der Airport, so Hartmann, beschäftige sich bereits seit zwei Jahren mit dem Thema. „Im Augenblick werden weltweit unterschiedliche Konzepte zum Flugtaxi vorangetrieben. Der Airport Bremen verfolgt die Entwicklung sehr intensiv. Abhängig davon, welches Konzept und damit welche Betriebsform sich in der Zukunft durchsetzt, wird der Airport sich mit der rechtzeitigen Integration beschäftigen“, sagte Andrea Hartmann. Die Thematik sei auch für Bremen interessant, da Flugtaxis den Verkehr beispielsweise in Städten und auch auf Autobahnen entlasten könnten.

Airport Bremen „Volocopter“ mit Testflug

Noch starten die Flugtaxis nicht öffentlich durch, aber weltweit arbeiten mehrere Firmen an der Technologie, so auch der deutsche Hersteller „Volocopter“ um die beiden Köpfe Florian Reuter, Wirtschaftsingenieur, und Dr. Arnaud Coville (Entwickler, Robotik-Experte). „Volocopter“ hat bereits im Oktober 2019 erfolgreich einen bemannten Testflug in Singapur hinter sich gebracht.

Für ihren „Volocity“ werben die Macher auf der Homepage so: „Urbanes Fliegen – leise, sicher und komfortabel.“ Sie bieten auch gleich einen „Voloport“, eine komplette mobile Ladeinfrastruktur, mit an, denn das E-Flugtaxi muss schließlich irgendwo aufgeladen werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass kommerzielle Passagierflüge im Flugtaxi ab 2022 möglich werden – buchbar über eine App.

Landen auf dem Bremer Airport bald elektrische betriebene Flugtaxis? Der Flughafen ist bereit dafür.

Bevor Flugtaxis über Bremen und anderswo schweben, sind allerdings noch einige Fragen rechtlicher und technischer Art zu klären. Und was würde ein Taxiflug kosten? Auch das ist noch offen. Ganz billig dürfte das Ticket nicht werden.

Airport Bremen: Drastische Einbrüche durch Corona

Im Januar und Februar mit einem Passagier-Plus ins neue Jahr gestartet, kam es für den Bremer Airport in der Corona-Pandemie ganz dicke. Im Juni verzeichnete der Airport einen Passagierrückgang von 95 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat: 9202 Fluggäste statt 209.022 (Juni 2019). Erstes Halbjahr 2020: 382.806 Passagiere, Halbjahr 2019: 1.052.014. Von Ende März bis Mitte Mai ruhte der Flugbetrieb praktisch bis auf Ambulanz- und Frachtflüge. Nun werden im Sommerflugplan 24 der ursprünglich 31 geplanten Ziele angeflogen, allerdings (bis auf Sundair) mit erheblich reduzierter Frequenz. Gerade hat Turkish Airlines wegen der Corona-Reisewarnung ab August sämtliche Flüge nach Istanbul gestrichen. Die meisten der 450 Airport-Mitarbeiter sind weiter in Kurzarbeit. Der Airport rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzverlust in Höhe von rund 33 Millionen Euro.

Von Elisabeth Gnuschke

Rubriklistenbild: © DPA/Schmidt

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