Neustart nach dem Shutdown

Sommerurlaub ab Flughafen Bremen: Im Juli sind Flüge nach Mallorca, Kos und Bulgarien wieder möglich

Gähnende Leere in der Eingangshalle des Bremer Flughafens. Bis zum nächsten Flug sind es in diesem Augenblick noch fast sechs Stunden. Der Airport-Betrieb kommt ganz langsam wieder in Schwung. 
Foto: KOWALEWSKI
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Gähnende Leere in der Eingangshalle des Bremer Flughafens. Bis zum nächsten Flug sind es in diesem Augenblick noch fast sechs Stunden. Der Airport-Betrieb kommt ganz langsam wieder in Schwung.

Bremen – 10.30 Uhr am Vormittag am Bremer Flughafen. Die Halle ist leer. „Ein Geisterflughafen“, sagt der Mann am Informationsschalter. Es ist auch ungewohnt still. Ein ganz leises Grundgeräusch von irgendwelcher Technik, wie man es in den meisten großen Sälen hört, ist wahrzunehmen. Das geht normalerweise im Trubel des Ein- und Auscheckens unter. Alle paar Minuten kommt eine Durchsage und erinnert an die Einhaltung des Sicherheitsabstands.

„Bitte beachten Sie die Hust- und Niesetikette“, sagt die Frauenstimme danach. Auch gesessen wird im Mindestabstand. Ein großer Teil der Wartesitze wurde mit gekreuztem Signalband und Hinweisschildern abgesperrt. So liegt immer mindestens ein abgesperrter Sitz zwischen zwei freien. Auch jeder zweite Check-in ist gesperrt, um den Sicherheitsabstand zur Seite zu gewährleisten. Auf dem Boden der nicht gesperrten Check-ins zeigen Markierungen den Sicherheitsabstand an. Doch auch hier ist gerade kein Mensch.

Denn die nächste Maschine geht erst in knapp sechs Stunden – ein Flug nach Stuttgart um 16.25 Uhr. Um 18.25 Uhr folgt ein Flug nach Frankfurt und um 20.30 Uhr ein weiterer nach München. Um 9 Uhr ist bereits eine Maschine nach München abgeflogen. Es geht wieder los am Bremer Flughafen, aber eben ganz, ganz langsam.

Neustart des Bremer Flughafens: Personaleinsatz wird an das Flugaufkommen angepasst

Fast alle Schalter der Reiseunternehmen sind noch unbesetzt. Ein Schild weist auf eine Servicenummer hin. Ein anderer Schalter ist erst zwei Stunden vor Abflug besetzt. Eine Frau bereitet den Airport-Shop des Martinshofs im Flughafen für die Öffnung von 11 bis 14 Uhr vor. Manchmal kaufe das Flughafenpersonal was, sagt die Frau. Auch Begleitpersonen eines Fluggastes hätten schon was gekauft. Einige Geschäfte im Flughafen sind noch geschlossen. Das „Café Rosso“ hat geöffnet, allerdings nicht – wie vor Corona – von 6 bis 21 Uhr, sondern nur von 9 bis 16 Uhr. „Ein paar Leute kommen“, sagt der Mann hinterm Tresen. Auch hier sind es vor allem die Mitarbeiter des Flughafens. Doch das sind nicht viele, denn die 450 Bediensteten auf dem Flughafen sind in Kurzarbeit, individuell unterschiedlich, mal 100, mal 50 oder auch 25 Prozent.

Der Personaleinsatz wird an das Flugaufkommen angepasst, sagt Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann. So mache das auch die Flughafenfeuerwehr. Dafür gebe es dort spezielle „Rescue-Firefighting“-Kategorien, die den Bedarf exakt vorschreiben. „Wir sind und waren die ganze Zeit startbereit“, so Hartmann weiter. Während des flexiblen Betriebes reichten 24 Stunden für die Vorbereitung eines größeren Fluges. So war es auch bei einer großen Boeing 777 mit Atemschutzmasken aus China. Am 2. Mai landete erstmals eine solche Maschine in Bremen.

Der „Beluga“-Frachter von Airbus ist auch im Shutdown geflogen. Es kamen Ambulanzflüge mit Corona-Patienten aus dem Ausland. Auch die Lufthansa-Flugschule machte weiter Ausbildungsflüge. Und natürlich stand und steht der hier stationierte Rettungshubschrauber bereit. Der Sommer ist für den Flughafen keineswegs gelaufen.

Neustart des Bremer Flughafens: 33 Millionen Euro Umsatz geht wegen Corona-Pandemie verloren

Dennoch – statt 33 Zielen werden im gekürzten Sommerflugplan voraussichtlich nur 23 angeflogen und die übliche Anzahl von Verbindungen wird auch bei diesen Zielen nicht erreicht werden. Die ruhigen Tage des Shutdowns haben verheerende Folgen. „Uns gehen durch die Corona-Pandemie geschätzt 33 Millionen Euro an Umsatz verloren. Die Kosten laufen aber weiter“, sagt Hartmann. Es gebe „konstruktive Gespräche“ mit der Stadt Bremen. Der Flughafen wurde in ein Hilfsprogramm aufgenommen.

Kein leichter Stand für den Airport, der schon vor Corona gebeutelt war – von der Pleite der Fluggesellschaft Germania, vom Abzug der Ryanair-Basis. Bei Ryanair-Flügen muss entweder der Start- oder der Zielflughafen eine Basis sein, erklärt Hartmann. So seien damals einige Verbindungen verloren gegangen.

Derweil holt Pilot Kai Günthardt (52) aus Zürich ein paar Erkundigungen am Info-Schalter ein. Er will am nächsten Tag einen kleinen Personenflug machen über Frankfurt-Egelsbach nach Zürich, zu viert in einer Turboprop-Maschine, wie er erzählt. Er kann der Situation auch etwas Gutes abgewinnen. „Es ist relaxed“, sagt er. Es gebe weniger Verkehr, der Treibstoff komme schnell.

Neustart des Bremer Flughafens: Ab Juli Flüge nach Mallorca, Bulgarien und Kreta wieder möglich

Nach dem Shutdown im März nahm am 18. Mai die Lufthansa am Bremer Flughafen wieder den Betrieb auf, zunächst mit Flügen nach München. Zurzeit fliegt Eurowings fünfmal pro Woche nach Stuttgart. Dreimal pro Woche fliegt Wizz Air nach Wien. Täglich bietet die Lufthansa einen Flug nach Frankfurt an, ab 1. Juli wird die Zahl der Verbindungen auf dieser Strecke verdoppelt. Ab Juli wird auch die irische Fluggesellschaft Ryanair wieder Flüge ab Bremen anbieten. Die Ziele: Alicante, Málaga, Mallorca, London-Stansted, Porto und Thessaloniki, jeweils zwei bis dreimal pro Woche. Ab 6. Juli fliegt Voyage Air, ein Newcomer am Bremer Flughafen, nach Varna in Bulgarien. Im Juli nimmt auch die Stralsunder Sundair ihren Flugbetrieb wieder auf. Unter anderem sind Flüge nach Kos, Rhodos, Kreta, Mallorca und Fuerteventura geplant.

Von Martin Kowalewski

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