Film vergleicht Hansestadt 1971 und 2015

Flüge durch die Geschichte Bremens

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Teerhof 1971: nur eine Parkfläche.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Zweimal die Bremer Innenstadt aus der Luftperspektive. 1971: Der Hubschrauber fliegt nahe am Dom vorbei. Eine Straßenbahn fährt durch, auch Autos kurven in Richtung Wachtstraße. Ein paar Leute trinken Kaffee auf dem Marktplatz. Geranien stehen in diversen Waschbetonkübeln auf dem Platz. 2015 laufen sehr viel mehr Menschen auf dem Marktplatz herum. Die Cafés haben Zeltvordächer. Schöner war es früher nicht unbedingt. Das ist ein Eindruck, den der Film „Flug 71/15 mit dem Hubschrauber über Bremen“ hinterlässt, eine Produktion des Landesfilmarchivs Bremen.

1971 fliegt ein Hubschrauber über Bremen, um die bauliche Struktur der Hansestadt aufzunehmen. Die Aufnahmen werden für einen Lehrfilm im Geographieunterricht an Schulen gebraucht. Daniel Tilgner, Leiter des Landesfilmarchivs, hat den Flug 2015 wiederholt und aus beiden Quellen einen neuen Film geschnitten, ein anschauliches Dokument über den Wandel der Stadt. „Die zwei unterschiedlichen Zeiten sind ambivalent“, sagt Tilgner. Bremen ist 2015 auch Tourismus-Standort. Verweilqualität zählt. Doch auch dieser Film ist schon etwas in die Jahre gekommen. Das Rathaus hat noch sein altes Dach, die Landesbank ist eine Baustelle.

Teerhof 2015: auch ein Wohngebiet.

1971 genießen Menschen ihre Freizeit am Weserstrand in Vegesack. „Die Weser war damals eine Kloake“, sagt Tilgner. „Heute ist sie sauber, aber der Strom fließt fürs Baden zu schnell.“ Den Strand gibt es nicht mehr. 1971 ist Bremen noch Geberland im Länderfinanzausgleich. Die Werften laufen noch. „Ein Anblick voll Nostalgie, die AG ,Weser‘. Davor liegen zwei Hansa-Frachter“, sagt Tilgner. Die AG ,Weser‘ baut Schiffe mit einer Länge von mehr als 350 Metern.

1971 lässt die Stadt Wohnraum auf Masse bauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Bremen 100 000 Flüchtlinge aufgenommen. Mehr als 600  000 Menschen lebten in der Hansestadt. „Die Planer sagten, 1980 sind es vielleicht 650 000, 1990 möglicherweise 800 000“, sagt Tilgner. Das Stadtbild hat aber auch noch mehr freie Flächen.

Ein Vorzeigeprojekt ist die Neue Vahr: eine Großsiedlung für 30 000 Menschen, aufgeteilt in fünf Nachbarschaften mit je einer Schule und einer Kirche.

Die Stadt soll 1971 autofreundlich sein. Damals in der Diskussion: eine Straße durch den Bürgerpark als Verbindungselement zwischen Utbremer Ring und Schwachhauser Ring. Die hätte eine Menge Verkehr abgeführt, aber den Erholungswert ziemlich ruiniert. Sogar Teil des Bebauungsplans war die Mozarttrasse im Viertel, eine 120 Meter breite Trasse mit Anschluss an den Rembertikreisel. Das wurde nie Realität. Hinter alledem steckte das Konzept eines Ringverkehrs in der Innenstadt und über die Weser hinweg. Auf dem Teerhof sind noch viele Parkplätze. 2015 ist er stärker bebaut, aber auch hübscher anzuschauen.

Und 1971 leistet sich Bremen eine Uni. 2015 ist die Uni groß und umgeben vom Technologiepark, der heute Sitz von 500 Firmen ist. „Der Technologiepark hat nach dem ersten Spatenstich 1985 anfangs nicht funktioniert. Erst viele Jahre später kam die Sache in Schwung“, sagt Tilgner.

Weitere Infos:

www.lis.bremen.de/info/landesfilmarchiv

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