Wohnungen verzweifelt gesucht / Staatsrat appelliert an Eigentümer

„An Flüchtlinge vermieten“

Bremen - Die Zahl der Flüchtlinge, die in Bremen Zuflucht suchen, nimmt zu. In den Monaten Juli und August ist die Zahl der Asylanträge weiter erheblich gestiegen. Und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sieht kein Ende der Entwicklung. „Bei der Unterbringung der Flüchtlinge stoßen wir derzeit an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagte gestern Sozial-Staatsrat Horst Frehe.

Er appelliert deshalb an private Vermieter, Wohnungsbaugesellschaften und andere, Wohnungen an alleinstehende Flüchtlinge und Familien zu vermieten. „Wir suchen Wohnraum in allen Bremer Stadtteilen“, so Frehe. Auch Häuser für eine zentrale Anmietung würden gebraucht. Grund sind seinen Angaben zufolge die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Syrien sowie die immer noch angespannte Sicherheitslage in Afghanistan, Irak und Iran. So steige die Zahl der Asylantragsteller in der Bundesrepublik weiter an. In diesem Jahr werde mit einem bundesweiten Zugang von mehr als 50 000 Menschen gerechnet.

Das Land Bremen nimmt davon nach Vereinbarungen mit dem Bund knapp ein Prozent auf, also mehr als 500. Jeder fünfte von ihnen bezieht eine Unterkunft in Bremerhaven. Allein im Jahr 2012 sind bis Ende August rund 320 neu eingetroffene Flüchtlinge in den Übergangswohnheimen des Landes angekommen. Gleichzeitig zogen in der Stadt Bremen fast 200 Flüchtlinge in selbst angemieteten Wohnraum oder in Häuser der Stadt um. Derzeit beziehen in Bremen rund 3 170 Menschen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

„Wir haben in Bremen schon vor dem Einsetzen des aktuellen Flüchtlingsstroms wichtige Weichen zugunsten einer besseren Integration gestellt“, sagte Frehe. So wurde die Mindest-Wohnzeit in den Übergangswohnheimen von 36 auf zwölf Monate verkürzt. Außerdem können Asylbewerber jetzt Wohnberechtigungsscheine beantragen, die ihnen das Anmieten von Sozialwohnungen ermöglichen, was bislang nicht möglich war. Und schließlich übernimmt die Stadt nicht nur die Miete, sondern auch die Mietkaution, solange beide sich in einem angemessenen Rahmen bewegen. „Es ist eine positive Entwicklung, dass Asylbewerber nicht mehr so lange in Übergangswohnheimen leben müssen“, sagte Frehe. „Das reicht jedoch angesichts der aktuellen Entwicklung nicht aus.“ Die drei stadtbremischen Übergangswohnheime mit 470 Plätzen sind inzwischen vollständig ausgelastet, Bremerhaven hält rund 180 Plätze vor. „Reserven haben wir in der Stadt Bremen so gut wie nicht mehr“, sagte der Staatsrat. Einzelne Wohnungsbaugesellschaften hätten inzwischen Wohnungen gemeldet.

Kontakt unter Telefon 0421/361-5364. · gn

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