„Hanseatische Himmelsstürmer“: Bremer Original Jan Eilers wird zur Legende

Flieger mit Leib und Seele

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Der Bremer Luftfahrtpionier Jan Eilers (Bildmitte) baute mit seiner Laister-Kauffmann „Robinson“ den ersten durch die Luftfahrtbehörde zugelassenen Motorsegler.

Bremen - Von Ulf Kaack. Auf unseren jüngsten Beitrag der Reihe „Hanseatische Himmelsstürmer“ gab es gleich eine ganze Reihe von Leserreaktionen. Grund dafür war die Fliegerlegende Jan Eilers, die darin Erwähnung fand. Darum widmen wir uns heute ganz diesem Bremer Original und Segelflugpionier.

„Bevor Jan mittags zur Landung auf dem Flughafen ansetzte, drehte er immer eine Runde über seinem Haus und wackelte mit den Tragflächen“, erzählt der Bremer Historiker Peter Kurze eine von zahlreichen Anekdoten über die Fliegerlegende. „Damit signalisierte er seiner Frau Henny, dass er in einer Stunde pünktlich zum Mittagessen erscheinen wird.“

Jan Eilers war Flieger mit Leib und Seele, ein Enthusiast hinter dem Steuerknüppel. In Oldenburg kam er am 20. September 1909 zur Welt, lebte seit 1934 in der Hansestadt. Erste Flugversuche unternahm der damalige Tischlerlehrling mit einem selbstgebauten Flieger der studentischen Segelfluggruppe auf dem Oldenburger Hunte-Deich. Sein erstes Segelflugabzeichen erwarb er 1929 auf der Wasserkuppe, wurde Segelfluglehrer und arbeitete im Luftsportverband des NS-Regimes als Werkstattleiter. Nach dem Krieg versuchte er sich zunächst mit dem Bau von Paddelbooten – doch die amerikanischen Besatzer holten ihn zurück zur Fliegerei. Er wurde Segelfluglehrer für die US-Offiziere.

Als der Segelflug ab 1951 wieder erlaubt wurde, war es Jan Eilers, der exakt zwei Stunden nach Aufhebung des Verbots in den Himmel über Bremen aufstieg. Auf der ostfriesischen Insel Juist gründete er 1952 die erste deutsche private Segelflugschule, bildete Hunderte von Schülern und angehende Lehrer aus – „ohne dabei eine Bruchlandung zu bauen“, wie er betonte.

In Fliegerkreisen berühmt ist Jan Eilers bis heute als Pionier des Motorsegelns. Für seine Ausbildungsflüge nutzte er ein amerikanisches Lastensegler-Trainingsflugzeug vom Typ Laister-Kauffmann, das der flugsportbegeisterte Airport-Administrator Frank Lane nach Bremen importiert hatte. Um für den Start unabhängig von einem Schleppflugzeug zu sein und in der Luft nach Aufwinden suchen zu können, montierte Eilers kurzerhand einen Motor in der Maschine. Am 26.  Februar 1956 absolvierte der modifizierte Flugveteran mit dem Namen „Robinson“ seinen Erstflug, schaffte sogar den Start aus eigener Kraft.

„Jan hatte den Motor aus seinem Auto ausgebaut, einem ,Leukoplastbomber‘ der Borgward-Tochter Lloyd“, erinnert sich der Diepholzer Fluglehrer Peter Merk. „Im Frühjahr soll er den Motor in seinem Flieger gehabt haben und war mit dem Fahrrad unterwegs. Am Ende der Saison kam das Motörchen zurück ins Auto. Später stellte Lloyd dann kostenlos einen 400 Kubik-Zweitaktmotor zur Verfügung, mit dem die Maschine sogar die Musterprüfung bestand.“

Nachdem er die ersten 30 Flugstunden ohne technische Probleme gemeistert hatte, unternahm Eilers mit der „Robinson“ Reisen zu den ostfriesischen Inseln und nach Süddeutschland. Der 14 PS starke Motor verbrauchte dabei drei Liter Benzin bei einer Reisegeschwindigkeit von 60 Kilomtern pro Stunde.

Jan Eilers war treibende Kraft bei der Wiedergründung des Bremer Vereins für Luftfahrt und viele Jahre dessen Vorsitzender. 1975 schulte er Segelflieger in Südafrika. Der vielfach ausgezeichnete Sportflieger, der in seinem Leben mehr als 100 000 Starts absolvierte, starb am 21. September  1995 im Alter von 86 Jahren.

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