Mit Fliegenklatsche und Maurereimer

Musik am Arbeitsplatz beim Martinshof

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„Und alle!“: Es dauerte nur wenige Augenblicke und viele der Martinshof-Mitarbeiter strömten an den Einkaufswagen voller „Instrumente“. Mit dabei die Musiker Marko Gartelmann (2.v.l.) und Matthias Entrup (3.v.r.).

Bremen - Von Steffen Koller. Mit Warnbake und Fliegenklatsche: Ein Konzert der ganz besonderen Art haben die Mitarbeiter der Stiftung Martinshof erlebt. Zusammen mit Schlagzeugern der Bremer Philharmoniker machten die Menschen mit Behinderung, die sonst in einem Nebengebäude am Standort in der Neustadt Tee verpacken, ihren Arbeitsplatz zum Proberaum.

Die Stimmung war dabei so gut, dass schon über ein Konzert nachgedacht wurde. „Haut mich nicht in die Pfanne. Tanzt auf den Tischen“, ruft Wilfried Hautop, Vorsitzender der Stiftung Martinshof, den Beschäftigen in der Teeabfüllung zu. Zu diesem Zeitpunkt sitzen die rund 20 Männer und Frauen noch aufgereiht an ihren Tischen. 

Erwartungsvoll schauen sie zu den Männern, die eher aussehen, als seien sie von der Müllabfuhr – neonorangefarbene Overalls am Leib, knallige Helme zieren ihre Köpfe. Was in der dann folgenden Stunde passiert, haut so gut wie jeden Anwesenden um. Es wird ein Konzert der etwas anderen Art. Es wird schräg, laut – und unterhaltsam. Später wird Matthias Entrup, einer der beiden professionellen Schlagzeuger, sagen, er hätte nie gedacht, dass das „so abgeht“.

Instrumente aus dem Baumarkt

Mit im Gepäck haben die beiden Musiker unter anderem einen prallgefüllten Einkaufswagen. Hier nur ein kleiner Ausschnitt der mitgebrachten „Instrumente“: Maurereimer, Fliegenklatschen, Buntstifte, PVC-Rohre in unterschiedlichen Längen, Kübel, Megaphon und ein Klemmbrett mit Noten. 

Was sich liest wie der Werbeprospekt eines gutsortierten Baumarktes, ist für Entrup und seinen Musikerkollegen Marko Gartelmann, „die Möglichkeit, seinen Arbeitsplatz auf eine ganz andere Art kennenzulernen“. Waschbecken und Treppengeländer werden ebenso zum Teil eines Schlagzeugs wie Kleiderständer und Pappkartons. 

Auf Zuruf hauen einige Beschäftigte mit Wucht auf Kartons, manche tasten sich langsam ran, tippen mit den Holzstöcken nur leicht an die Armaturen der Werkstattmaschinen. „Und alle“, fordert Gartelmann die Truppe auf. Und es ergibt sich daraus ein hörbarer Takt. Mit Trillerpfeife im Mund dirigiert Rhythmuspädagoge Entrup sein „Ensemble“ – manch einer macht den Eindruck, als tanze er wirklich auf den Tischen.

„Etwas Stimmung in die Bude bringen“

Auf die Idee, den Konzertsaal an den Arbeitsplatz zu holen, kam Hautop. Er wisse, dass die Arbeit „oft monoton“ sein könne – und wollte mal „etwas Stimmung in die Bude bringen“. Und so sprach er die Musiker an, entstanden ist dabei der Workshop „Stomp im Martinshof“, so der offizielle Titel. 

Ganz unsachlich, dafür voller Emotionen beschreiben die Beschäftigen später ihre Eindrücke. „Ich liebe Trommeln“, heißt es von einer jungen Frau. „Total spannend und cool“, findet es eine andere. Und Entrup sagt: „Ich glaube, das passt. Wir brauchen nur noch einen Termin, dann kann unser Konzert starten.“

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