„Sonnentracht“ produziert Premium-Honig und entwickelt Bio-Kost

Fliegende Wanderarbeiter

Abfüllung in kleinen Mengen: Karin Lang kontrolliert die Verarbeitung von „Bioland“-Honig. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das Unternehmen „Sonnentracht“ ist ein Bremer Mittelständler mit Millionen von umherfliegenden Mitarbeitern. Die meisten davon sind Bienen in der „Sonnentracht-Imkerei“. Sie sind mittlerweile von ihrem Winterstandort in den Kasseler Bergen zur Arbeit nach Halle gereist.

2001 gegründet, ist die Firma „Sonnentracht“ eine Schwesterfirma der weitaus älteren und ebenfalls in Bremen ansässigen Gesellschaft „Walter Lang“. Genauso wie die Schwesterfirma füllt „Sonnentracht“ Honig aus aller Welt für verschiedene Labels ab, allerdings in einem kleineren Maßstab. Sie produziert mit ihrer „Wander-Imkerei“ aber auch deutschen Premiumhonig für ihre Schwesterfirma, erhältlich unter dem Label „Walter Lang schwärmt für Honig“ und erkennbar an dem Bioland-Siegel und dem Herkunftsland Deutschland. Auch entwickelt das Unternehmen unter dem Label „Agava“ immer wieder neue, exotische Bio-Lebensmittel. Bei „Sonnentracht“ arbeiten nicht nur Bienen, sondern auch 58 Menschen.

Insgesamt 750 Bienenvölker leben in der Wander-Imkerei. Im Winter umfasst ein Bienenvolk 20 000 bis 25 000 Tiere, im Sommer werden es teilweise über 50 000. Auf einer Palette leben vier Bienenvölker in separaten Kisten nebeneinander.

„Die Bienen werden gewandert“, sagt Karin Lang von der Geschäftsleitung. „Dafür haben wir einen Laster und einen Gabelstapler.“ Um Rapsfelder zu erobern, werden die kleinen Arbeitstiere nach Halle transportiert. In der Märkischen Schweiz treffen sie auf Bioland-Akazien. Um Lindenhonig herzustellen, geht die passive Wanderung in den Speckgürtel von Berlin. Die Fahrten sind nachts.

Die 750 Völker von „Sonnentracht“ liefern pro Jahr 50 bis 80 Tonnen Honig, ein reines Naturprodukt. Er kommt so ins Glas, wie die Bienen ihn hergestellt haben. Wetterabhängig gibt es fünf bis acht Sorten im Jahr. Dabei sind immer Raps, Akazie, Linde, Heide und Weißtanne.

Besonders markant ist der Weißtannenhonig. Er ist relativ flüssig und kann darum auch Tee und Kaffee süßen. Sein Geschmack ist relativ intensiv, aber nicht übermäßig süß. Man spürt eine leicht harzige Note. „Es ist ein geradezu würziger Honig, ganz anders als süße Raps- oder Kirschhonige und milde Akazienhonige, mit eher zurückgenommener Geschmacksintensität“, heißt es. Die Honigsorten liegen preislich zwischen 4,99 Euro und zwölf Euro für ein 275-Gramm-Glas und sind deutschlandweit in Bioläden erhältlich. Ein Internet-Shop und eine Verkaufsstelle auf dem Firmengelände in Woltmershausen sind geplant.

Während der Mensch am Bienenprodukt Honig eigentlich nicht viel machen kann, entwickelt Karin Lang bei „Sonnentracht“ weitere Lebensmittel, erhältlich unter dem Label „Agava“. Die Lebensmitteltechnikerin und gelernte Köchin hat schon ein beachtliches Sortiment an Bio-Lebensmitteln erfunden. „Es gibt immer wieder neue Rohstoffe und man fängt an auszuprobieren. Der Bio-Markt sucht einfach immer nach neuen Alternativen“, sagt sie.

Schlüsselrollen haben dabei die Agave, Kokos und Reis. Aus der Agave wird ein süßer Nektar gewonnen. Daraus lässt sich auch „Agavensüße“, ähnlich dem Traubenzucker, herstellen. Agavensaft ist zum Beispiel ein Bestandteil des Brotaufstrichs „Kokos-Agave Vanille“. Sein Geschmack ist angenehm süß und fruchtig. Alle drei Hauptkomponenten werden deutlich, heißt es.

Ebenfalls ein wichtiger Rohstoff ist Reis. Der „Reis-Sirup“ entwickelt eine tiefe, sanfte Süße. Aufgrund seiner wenig zupackenden Geschmackscharakteristik ist er ein gutes Süßungsmittel für Tee und Kaffee. Das Heißgetränk wird insgesamt etwas süßer, seine eigene Note wird aber kaum verändert. Das Reisprodukt ist fructose- und glutenfrei.

Eine gesundheitsschonende Süße bietet der „Kokosblütenzucker“. Sein Geschmack erinnert etwas an Karamell. Seine Kalorienzahl ist nicht geringer als bei normalem Zucker. Er treibt aber den Blutzuckerspiegel nicht so weit nach oben. Es entsteht kein Heißhunger.

www.biohonig.eu

www.sonnentracht.bio

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