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Fliegende Betonteile

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In Bürgerpark und Stadtwald richtete der Orkan verheerende Schäden an. Der Park verlor 1 000 Bäume. Hier ein Bild von Aufräumarbeiten in der Ruhe nach dem Sturm. · Repro: Kuzaj
In Bürgerpark und Stadtwald richtete der Orkan verheerende Schäden an. Der Park verlor 1 000 Bäume. Hier ein Bild von Aufräumarbeiten in der Ruhe nach dem Sturm. · Repro: Kuzaj © ksy

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Auf dem Hof der Schule an der Gottfried-Menken-Straße in der Neustadt lagen Flachdachteile. Sie waren von einem Haus in der Nachbarschaft herübergeweht. Eltern wurden über das Radio aufgerufen, ihre Kinder abzuholen. In der Schule war es an diesem Tag viel zu gefährlich.

Auf dem Heimweg aber auch. Es galt, sich möglichst dicht an den Fassaden entlangzuhangeln, um nicht von umherfliegenden Steinen und Dachziegeln getroffen zu werden. Die pure Kraft des Windes drückte Passanten bisweilen in eine Richtung, in die sie auf keinen Fall gehen wollten.

Vor 40 Jahren, am 13. November 1972, fegte der Orkan „Quimburga“ über Bremen hinweg – es war einer der schwersten Stürme überhaupt, die jemals über Norddeutschland tobten. Mit verheerenden Folgen, besonders für Bremen. Sechs Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt. Der Orkan richtete Schäden in Millionenhöhe an. Er hat Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, Fensterscheiben eingedrückt – unter anderem am Übersee-Museum. Pfähle, etwa von Verkehrsschildern, knickten im Sturm so leicht um wie die sprichwörtlichen Streichhölzer. Ausnahmezustand. Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen sind im Dauereinsatz.

An jenem 13. November 1972 wird in Bremen Katastrophenalarm ausgelöst – zum ersten Mal seit der Sturmflutkatastrophe des Jahres 1962. „Quimburga“ hatte Norddeutschland unvorbereitet getroffen.

Längerfristige Unwetterwarnungen waren damals noch nicht möglich. Erst am Morgen des 13. November wurde deutlich, was da tatsächlich kommen würde. Um 7.10 Uhr gab das Bremer Wetteramt eine Unwetterwarnung heraus. Der Senat wurde informiert. Um 9.30 Uhr haben Meteorologen am Flughafen eine Bö gemessen, die mit einer Geschwindigkeit von 145 Kilometern pro Stunde durch die Stadt jagte.

Etwa zur gleichen Zeit löst sich am Hauptbahnhof ein Aufbau vom Dach des Columbushotels. Zentnerschwere Betonteile werden in die Tiefe geschleudert. Sie stürzen auf einen Bus der Linie 26. Trümmer und Brocken treffen Menschen, die an einer Haltestelle stehen. Eine 22-jährige Frau aus Mahndorf ist sofort tot. Wenig später stirbt eine Studentin (20) aus der Neustadt an ihren Verletzungen.

In Bremen-Nord kommt ein Autofahrer (46) ums Leben, als dessen Wagen von einer Buche zerstört wird. Am Schwarzen Meer (Peterswerder) stirbt am Nachmittag ein Rentner (68), der beim Beseitigen von Sturmschäden einen Herzinfarkt erleidet und vom Dach seines Hauses stürzt. Eine 22-Jährige aus Bremen-Nord stirbt in der Nacht an Verletzungen, die sie durch einen herunterfallenden Ziegelstein erlitten hatte. In Bremerhaven kommt ein Werftarbeiter ums Leben, der an Bord eines Schiffs aus sechs Metern Höhe durch eine offenstehende Luke fällt. Sein Schiff hatte Schlagseite, das Licht war ausgefallen.

Im Neuen Hafen der Seestadt stürzte durch „Quimburga“ ein Portalkran um, riss die Wand eines Lagergebäudes ein und knallte auf die Kaje. Auch in den Häfen in der Stadt Bremens kam es zu schweren Schäden. So riss sich ein Schwimmkran der Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG) los. Er trieb weseraufwärts und prallte schließlich gegen eine Eisenbahnbrücke. Beim Bremer Vulkan wurde ein Bockkran beschädigt.

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