Fleiß und Ordnung

Serie „Verschwunden:“ Napoleons Bienen und Bremens Wappen

Karl von Tettenborn auf einer Lithografie von Josef Kriehuber (1835). FotoS: ARCHIV
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Karl von Tettenborn auf einer Lithografie von Josef Kriehuber (1835).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Drei Bienen über dem Bremer Schlüssel – ein ungewohnter Anblick, doch gleichwohl für ein paar Jahre Bremens Wappen: In der „Franzosenzeit“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Bremen (wie beispielsweise auch Hamburg und Lübeck) zu Napoleons Kaiserreich gehörte. Heute sind Napoleons Bienen Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Am 18. Dezember 1810 hatte sie begonnen, die „Franzosenzeit“ in Bremen. Zum 1. Januar 1811 gründeten die Franzosen dann das „Département des Bouches du Weser“, das Departement der Wesermündungen.

Bremen war die Hauptstadt dieser Verwaltungseinheit, die in vier Arrondissements unterteilt wurde und weit mehr als das Stadtgebiet umfasste – nämlich auch Oldenburg (mit Delmenhorst), Nienburg (mit Bassum, Hoya und Sulingen) und Lehe (mit Vegesack, Dorum und Osterholz). Eine frühe Version der Metropolregion, wenn man so will. . .

Eines der vier Arrondissements war Bremen selbst („Brême“), wozu die Franzosen der Einfachheit halber aber auch Achim und Verden, Lilienthal und Ottersberg, Syke und Rotenburg zählten.

An der Spitze des Departements stand ein Präfekt, bis fast zum Schluss war es der Reichsgraf Philipp Karl Graf von Arberg (1776 bis 1814), ein früher Kammerherr Napoleons. Der Präfekt residierte zunächst am Domshof und später dann im schönen Eschenhof an der Domsheide. Der Eschenhof stand da, wo später – nämlich: 1878 – die Kaiserliche Post errichtet wurde, in der heute ja die katholische St.-Johannis-Schule zu finden ist.

Drei Bienen schmückten Bremens Wappen zu Napoleons Zeiten.

Schild mit goldenem Kranz und drei goldene Bienen im roten Schildhaupt – so sahen sie aus, die Wappen, die Napoleon für die „Bonnes villes de l’Empire français“ („Gute Städte des französischen Kaiserreichs“) eingeführt hatte. Und so kamen sie über den Bremer Schlüssel der „Guten Stadt“ Bremen, die Bienen des französischen Herrschers. In vielen Wappen seines Machtbereichs hatte er zudem Lilien durch Bienen ersetzen lassen. In stilisierter Form sehen sie aus wie umgedrehte Lilienblüten. Ging es bei Napoleon zu wie im Bienenkorb? Nun, in der Heraldik (und nicht nur dort) symbolisieren Bienen Fleiß und Ordnung.

Apropos Ordnung. Die Franzosen änderten in Bremen einiges, das Steuersystem zum Beispiel. Die Handwerkszünfte wurden abgeschafft. Die Handelskammer durfte sich nur noch um Handel und Schifffahrt kümmern. Den Sitz der Kammer, das Haus Schütting, machten die Franzosen zum „Palais de Justice”.

Doch Napoleons Ära endete, die Befreiungskriege tobten. Die Bremer „Franzosenzeit“, sie dauerte bis zum 26. Oktober 1813.

Der badische Politiker Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn (1778 bis 1845) war am 15. Oktober als russischer Generalmajor (via Verden) in Bremen eingezogen. Hier nahm er die förmliche Kapitulation der französischen Besatzungsmacht entgegen. Nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig verließen die Franzosen die Stadt dann. Tettenborn kehrte Anfang November nach Bremen zurück. Ohne ein Mandat dafür zu besitzen, beteiligte er sich an der Einsetzung einer provisorischen Regierungskommission. Das „Département des Bouches du Weser“ – und mit ihm: die Bienen – war nun Geschichte.

Gleichwohl ist Bremen einiges geblieben aus dieser französisch geprägten Episode seiner Geschichte. Ältere Bremer sprechen noch heute vornehm vom „Trottoir“, wenn sie den Bürgersteig meinen. Und „Tschüs“ ist eine hanseatisch-bremisch vernuschelte Variante des französischen „Adieu“.

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