Flamenco zwischen Pathos und Hip-Hop

Tanz über Kopf

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Die Spanier von “Vivancos Dancing Kings” spielten mit der Schwerkraft.

Bremen - Von Ulla Heyne. Wummernde Beats, bombastischer Gesang vom Band – und sieben in lange weiße Roben gehüllte Männerkörper, die sich langsam vom violett illuminierten Stahlgerüst herablassen: Ein dramatischer Auftakt für die Tanz-Show „Vivancos Dancing Kings“, die jetzt im Musicaltheater Station machte.

Allein, der erste Eindruck täuschte: Die rund eineinhalbstündigen Darbietungen der Tanzkünste der spanischen Flamenco-Brüder kam in weiten Teilen viel zahmer daher, als Debüt und Kostüme (mal Röhrenjeans, mal Steampunk) vermuten ließen. Und das war vor allen dem Choreographen geschuldet. Denn die athletischen, tänzerisch gutausgebildeten Spanier, die neben ihren Körpern auch noch ein Instrument mehr als passabel beherrschen, hatten weit mehr Potenzial, als die Performance zwischen Riverdance und markigen Gesten zunächst ahnen ließ. Immer schön in Reih und Glied, nur selten durften die Akteure auch solistisch ihre tänzerische Ausdruckskraft zeigen, etwa wie in dem eindrucksvollen Kampf gegen die eigenen Dämonen.

Dazu eine durchweg an den Rand des guten Dezibel-Geschmacks gehende Musikbegleitung zwischen Brachialität und Schmalz, und immer wieder eine gehörige Portion Pathos – das wirkte in Tateinheit mit einer zuweilen uninspirierten Choreographie auf Dauer ermüdend. Zum Glück gab es auch die anderen Momente: Wenn einer der Tänzer allein, nur in das weiße Licht von sechs Spotstrahlern getaucht, abwechselnd schnipste, steppte und das E-Cello spielte, ein anderer auf dem Cajon steppte oder die Querflöte solistisch den Hummelflug gab, dann war das nicht nur wohltuend minimalistisch, sondern zeigte auch die großen Doppel-Begabungen einzelner Akteure.

Immer, wenn Geschichten erzählt wurden, statt „schneller, lauter, bunter“ Rekorde, gewann der Abend an Tiefe und vermochte zu berühren. Geneigte Zuschauer vermuteten nicht grundlos die Handschrift von „Cirque-du-Soleil“-Regisseur Daniele Finzi Pasca.

“Vivancos Dancing Kings” im Musical Theater Bremen

Aber auch die ästhetischen Aspirationen des zumeist weiblichen Publikums im zu gut zwei Dritteln gefüllten Musicalheater kamen nicht zu kurz: Wenn die inzwischen schweißüberströmten Männer mit nacktem Oberkörper im Stroboskoplicht Kung-Fu-Fighting zeigten, versetzt mit athletischen Hip-Hop-Einlagen, dann bedurfte es nicht des anschließenden Bades in der Menge, um Sympathien freizusetzen und das gewisse Knistern im Saal heraufzubeschwören. Und spätestens nach der mit stehenden Ovationen eingeforderten Zugabe, einer grandiosen Steppnummer über Kopf am Stahlgerüst und einer durchweg stimmigen Lichtshow war klar: Die Spanier können auch anders!

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