Bürgerparkverein will ab Sommerferien Bootsfahrten anbieten

Fixe Lösung für die Marie

Nach der Insolvenz der Bremer Bootsbau Vegesack soll die „Marie II“ (Bild) jetzt auf der Winkler-Werft fertiggestellt werden. Schon zu den Sommerferien wird sie auf den Gewässern des Bremer Bürgerparks erwartet.

Bremen - Eines der ehrgeizigsten Projekte in Bremens Grüner Lunge soll nun doch noch in diesem Jahr an den Start gehen. Der Bürgerpark-Verein will schon zum Sommer Bootsrundfahrten nach historischem Vorbild auf den Gewässern des Parks anbieten.

„Anfang Mai laufen die Arbeiten an Bootshaus und den vier Stegen weiter, im Juli soll dann die Jungfernfahrt erfolgen,“ erklärt der neue Parkdirektor Tim Großmann auf Nachfrage. Das frische Tempo macht Sinn. Einzelanfragen häuften sich in den zurückliegenden Wochen, immer mehr Gruppen wollen sich darüber hinaus auf die romantische Art und Weise durchs Grün schaukeln lassen.

Während zunächst die Entschlammung der Gewässer ganz nach Plan lief, seinerzeit noch unter dem langjährigen Direktor Werner Damke, entwickelte sich ausgerechnet das wichtigste Detail der neuen Pläne zum Geduldsspiel, der Neubau des Bootes. Vor drei Jahren war der Auftrag an die Bremer Bootsbau Vegesack vergeben worden, an eine „Beschäftigungswerft“, die mit staatlicher Hilfe angehenden Schiffsbauern den Weg in den Beruf ebnen wollte. Wirtschaftssenator Nagel hatte seinerzeit noch die Investitionskosten in Höhe von 90.000 Euro freigegeben. Doch die Vegesacker Werft meldete nach mehreren wirtschaftlichen Schieflagen in den vergangenen Jahren endgültig vor gut sechs Monaten Insolvenz an.

Erst nach längerer Suche konnte mit der Winkler-Bootsbau an der Lesum-Mündung eine neue Werft gefunden werden. Der gut zwölf Meter lange und schon fast fertige Bootsrumpf ist inzwischen umgezogen. Zum nächsten Geduldsspiel entwickelte sich jedoch die Nachfinanzierung. Erst als in den zurückliegenden Wochen mehrere Spenden für das Bootsprojekt eingegangen waren, so Parkdirektor Großmann, habe er neue Hoffnung auf eine schnelle Fertigstellung gehegt. Und auch die Bürgerpark-Tombola, die noch bis zum kommenden Sonntag läuft, habe nach schleppendem Start deutlich an Fahrt gewonnen. Er rechne, erklärte Großmann, mit ersten Rundfahrten auf den fast vier Kilometer langen Bürgerpark-Gewässern zum Beginn der Sommerferien. Eine Ansicht, die sich mit den Vorstellungen in der Lesumbroker Werft deckt. „Bis Mitte Juli sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.“

Der Neubau orientiert sich nicht nur an seinem historischen Vorbild, er heißt auch so. Die „Marie“ tuckerte von 1913 bis in den zweiten Weltkrieg zwischen Emmasee und Meiereisee. Bis zu 50 Passagiere an Bord des bei der Lürssenwerft gebauten Bootes genossen in den Sommermonaten laue Luft und abwechslungsreiches Grün. Die „Marie II“ bietet jetzt aus Sicherheitsgründen lediglich noch 30 Personen Platz, dafür werden die kommenden Sonntagsgäste aber höchstens noch das Rauschen des Wassers hören. „Wir bauen einen Elektromotor ein,“ sagt Bootsbaumeister Karl-Ernst Causin. Eine Batterie von 860 Kilogramm Gewicht soll dem Boot tägliche Fahrtzeiten von zehn bis zwölf Stunden ermöglichen. Vollbeladen dürften bis zu 5,6 Tonnen auf den Seen und Wasserläufen des Bürgerparks unterwegs sein.

Zusätzliches Personal will der Bürgerpark-Verein nicht für den Rundfahrt-Betrieb einstellen. „Wir vertrauen auf die Kapitäne der Torfkähne,“ sagt Großmann, „wir haben mit der bras e.V. eine Kooperation vereinbart.“

Eine ganz konkrete Personalkomponente entwickelte sich aber trotzdem am Rande des „Marie“-Baus. Bootsbauer Causin war 20 Jahre bei der BBV Vegesack beschäftigt und hat den Neubau eingeleitet. Er war nach der Insolvenz nur einen Monat arbeitslos, ehe er bei der Winkler-Werft eine neue Anstellung fand – und jetzt die „Marie II“ vollendet.

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