Merkel zeichnet Projekt für junge Menschen aus Problemvierteln aus

„Hood Training“: Fitness statt Gewalt in Tenever

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Sporttraining zum Stressabbau: Das „Hood Training“ ist ein Projekt für Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten, wie beispielsweise Tenever. Am Mittwoch ist das Projekt in Berlin von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet worden. 

Bremen - Von Elena Metz. „Fünf Liegestützen“, ruft Trainer Sergej Rossel den um ihn versammelten Kindern und Jugendlichen zu. Die Jungen und Mädchen stöhnen ein wenig und begeben sich dann in Position auf dem grünen Sportboden im Freien. Rings um den Platz ragen Wohnblöcke in den Himmel.

Dreimal die Woche kommen die Sechs- bis 17-Jährigen hier im Bremer Problemstadtteil Tenever zusammen, um beim „Hood Training“ Fitness und Ausdauer zu trainieren. Am Mittwoch zeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Projekt aus.

„Hood“ kommt vom englischen Wort „Neighbourhood“ für Nachbarschaft. „Bei uns ist es wichtig, die Basis zu stärken“, sagt Trainer Rossel. Dazu gehört für ihn eine Grundfitness, die er mit Klimmzügen, Liegestützen und anderen Übungen bei den Kindern stärken will. „110 Nationen wohnen hier. Beim Sport kommen alle super miteinander klar“, sagt er. Der 27-Jährige ist fester Trainer im Sportprojekt. Eigentlich hat er Wirtschaftswissenschaften studiert und auch in diesem Bereich gearbeitet. Das sei aber nicht sein Ding gewesen, wie er sagt. Beim „Hood Training“ ist das anders. „Jedes Mal, wenn ich hier bin, freue ich mich auf die Kinder“, sagt Rossel. Natürlich gibt es auch auffällige Kinder und Problemfälle. Das liege aber nicht an den Kindern, sondern an der Erziehung oder daran, dass sie keine Eltern haben.

Erfolgreiches Projekt seit 2010

Seit 2010 bietet die Initiative das kostenlose Training für junge Menschen aus Brennpunktvierteln an – und das erfolgreich. Am Mittwoch ist „Hood-Training“-Gründer Daniel Magel nach Berlin zum Kanzleramt gefahren. Im „Startsocial“-Wettbewerb mit rund 400 Bewerbern hat es sein Projekt unter die sieben herausragendsten sozialen Initiativen bundesweit geschafft, die von Merkel geehrt wurden. „Wir sind richtig glücklich über den Preis“, sagt Magel. Als Zwölfjähriger kam er aus Kasachstan nach Deutschland. Er konnte kein Deutsch und wurde als Jugendlicher strafrechtlich auffällig, wie er selbst sagt.

Jetzt ist der 34 Jahre alte studierte Sonderpädagoge ein Vorbild für andere Kinder aus ärmlichen oder benachteiligten Verhältnissen. Im Knast trainiert er auch jugendliche Straftäter. „Das ist ganz wichtig für die Jugendlichen, dass sie nach der Haft wissen, wo sie hingehen können“, sagt Meike Rasch, Vorsitzender des Vereins „Aktion Hilfe für Kinder“, der „Hood Training“ unterstützt.

Der 17-jährige Alexander hat von dem „guten Training“, wie er sagt, gehört und ist seit drei Monaten regelmäßig auf dem Platz. Auch der 14-jährige Elias wohnt in der Umgebung des Sportparks in Tenever und zeigt an den Stangen, wie er sich fithält. „Ich mache das Training, damit ich gut aussehe“, sagt er. Zusammen mit anderen in der Gruppe und einem Trainer macht das mehr Spaß.

Bisher gibt es neben Magel zwei feste Trainer und viele Ehrenamtliche.

dpa

www.hoodtraining.de

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