Studentinnen konzipieren Ausstellung

Übersee-Museum zeigt „Leben am Polarkreis“: Fischhaut für den Anorak

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„Leben am Polarkreis“ – diese Robbenart ist dort zu Haus. Es handelt sich um die Klappmützenrobbe, benannt nach einer mützenähnlichen Erhebung auf Stirn und Nase des Männchens.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Kajak und Anorak – zwei Begriffe aus der Sprache der Inuit, die auch bei uns geläufig sind. Was nur unterstreicht, welch weite Kreise der Erfindungsreichtum der Menschen im Eis gezogen hat – während er ihnen selbst das Überleben unter Extrembedingungen ermöglicht hat. „Leben am Polarkreis“ ist jetzt Titel und Thema einer Ausstellung, die das Überseemuseum bis zum 22. April in seinem Kabinett im zweiten Stock zeigt.

Basis der Schau ist eine der frühesten Sammlungen des Hauses, die aus dem ausklingenden 19. Jahrhundert stammt – und Objekte wie eine Schneebrille aus Holz und Sehnen enthält. Die Brille aus Alaska ist praktisch Vorbild für die Schnee- und Sonnenbrillen unserer Zeit. Die Ausstellung schlägt einen Bogen von den historischen Exponaten zu den – stark veränderten – Lebensbedingungen der Eskimos und Inuit in Alaska, Kanada und Grönland heute.

Die Ausstellung ist zugleich ein besonderes Projekt. Fünf Studentinnen – Ellen Haak, Tessa Hamann, Alessa Lubig, Pia Mayer und Anne Seiler – haben sich über drei Semester intensiv mit der Polar-Sammlung des Übersee-Museums, der Konzeption der Ausstellung und der Entwicklung eines Begleitprogramms beschäftigt. All das im Masterstudiengang Kunst- und Kulturvermittlung an der Uni – und unter der Leitung von Professorin Wiebke Ahrndt, der Direktorin des Hauses.

Tiere wie Robbe und Polarfuchs und Exponate wie ein Walross-Diorama bevölkern die Schau nun. Aspekte wie Schnitzkunst, Schamanismus und Jagd werden behandelt. Es geht um innovative Produkte vom Polarkreis und um den Alltag der Gegenwart – dargestellt mit der Inszenierung eines Wohnzimmers.

Fünf Masterstudentinnen haben die Ausstellung „Leben am Polarkreis“ konzipiert und umgesetzt.

Die Abhängigkeit des Menschen vom Tier wird wieder und wieder vor Augen geführt. „Das Wissen um die Wanderrouten der Tiere, Jagd und Rohstoffverwertung ermöglichte die Besiedlung“, sagt Tessa Hamann. „Die enge Bindung von Mensch und Tier spiegelt sich auch in der Kunst wider.“ Das reicht von der aus Walrosselfenbein geschnitzten Tierfigur bis hin zum Einsatz von Fischhaut für wasserfeste Anoraks. Überhaupt Fischhaut – die wurde für Handschuhe ebenso verarbeitet wie für Taschen mit Nähutensilien.

Die Traditionen prägen die Kultur am Polarkreis nach wie vor, aber nicht allein. Der Klimawandel bedroht und vernichtet Lebensräume (von Mensch und Tier), seit Jahrzehnten geht das Meereis zurück. Und eine „massive Beeinflussung“ (Hamann) aus dem Westen habe nicht nur Positives gebracht, sondern auch: „Drogen, Alkohol, Glücksspielsucht.“

Die Ausstellung thematisiert all dies, bietet aber auch noch ganz andere Dinge aus dem „Leben am Polarkreis“. Kochrezepte zum Beispiel. Für Walfleischgerichte und Fischfrikadellen.

Bleibt die Frage nach dem Begriff „Eskimo“. Durch die – falsche – Übersetzung „Rohfleischesser“ war er in Verruf geraten, galt als abwertend. Heute hingegen wird das Wort mit „Schneeschuh-Knüpfer“ übersetzt. Bewohner Alaskas und Sibiriens nennen sich selbst Eskimos. Indigene Gruppen in Grönland und Kanada hingegen bezeichnen sich als Inuit (übersetzt: „Mensch“).

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