Fisch, Getreide und Holz

„Verschwunden“: Die Wichelnburg und ihre Packhäuser im Stephani-Viertel

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Mit ihren Packhäusern hat die Wichelnburg lange Zeit das Weserufer im Stephani-Viertel geprägt. Gelagert wurden hier Fisch und Getreide, Holz und Tabak.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Erst eine Bastion, später ein Straßenname – über Jahrhunderte ist die Wichelnburg im Stephani-Viertel präsent gewesen. Das ist lange schon Geschichte. Und so ist die Wichelnburg heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Zurück ins Jahr 1524. Das Stephani-Viertel, benannt nach der Kirche, hatte wegen seiner ursprünglichen Lage außerhalb der Stadtbefestigung noch immer so etwas wie eine exponierte Stellung. Und das, obwohl es nun längst in die Stadtgrenzen einbezogen war. Um das Quartier noch besser zu schützen, wurde 1524 eine Bastion an der Weser errichtet – eben die Wichelnburg.

Ihren Namen bekam sie „von dem Flechtwerk der Anlage, das aus Weiden (Wicheln) bestand“, schreibt der Historiker Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) in seinem „Großen Bremen-Lexikon“. Die hölzerne Festung lag östlich des Stephanitorszwingers. Mitte des 17. Jahrhunderts verschwand die Bastion wieder. Eine Mauer schloss die Lücke.

Kleine Häuser, enge Gassen und Gänge

Die Straße hinter dieser Mauer bekam nun den Namen „Wichelnburg“. Das Quartier wuchs zu einem typischen Teil des damaligen Stephani-Viertels. Kleine Häuser, enge Gassen und Gänge – es sah hier ein bisschen wie im Schnoor aus. Das „Krumme Viertel“ mit seinen windschiefen Dächern gehörte ebenso dazu wie Packhäuser, das Armenhaus und eine ganze Reihe von Gaststätten.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts waren an der Wichelnburg vor allem die da schon teils jahrhundertealten Packhäuser übrig geblieben. Gelagert wurden hier einige typisch bremische Handelsgüter – Fisch und Getreide, Holz und Tabak.

Laubenartige Gänge ermöglichten zudem unvermittelt pittoreske Blicke auf die Weser. Am Ufer legten Fischer ihre Netze zum Trocknen aus. Malerisch? Nun, es war auch und vor allem eine Welt von Armut und harter Arbeit. Fischer und Schiffer hatten hier schon lange gelebt (und eben: gearbeitet).

Bei Luftangriffen im März 1945 zerstört

Teile der alten Bebauung mussten weichen, als ab Mitte der 30er Jahre die „Westbrücke“ errichtet wurde, die 1939 unter dem Namen „Adolf-Hitler-Brücke“ eingeweiht worden ist. Bei Luftangriffen wurde sie im März 1945 zerstört. Nach dem Krieg wurde sie durch die Stephanibrücke ersetzt, die man in den 60er Jahren, als der Verkehr stark angewachsen war, deutlich verbreiterte.

Manche der Kriegsbomben, die eigentlich die „Adolf-Hitler-Brücke“ treffen sollten, zerstörten das Stephani-Viertel – so auch die Wichelnburg. Archäologen legten 2016 im Stephani-Viertel Mauern zweier Packhäuser frei – eines davon aus dem 17. Jahrhundert. Zeugnisse der Zerstörungen, die die Bomben der Jahre 1944 und 1945 in dem Quartier anrichteten.

„Die auch ‚Tallboys‘ genannten Bomben richteten auch an Fundamenten weitreichende Schäden an und dienten dazu, Bunker und Brücken zu zerstören“, sagte damals der bei der Landesarchäologie für die Stadt zuständige Archäologe Dr. Dieter Bischop.

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