Gutes Geld, gutes Personal

Finanzressort: Verdi-Forderung würde jährlich 18 Millionen Euro kosten

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Verdi-Landesbezirkstarifkoordinator Oliver Bandosz und Kornelia Knieper, stellvertretende Verdi-Geschäftsführerin.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Es gibt wenig Anlass dazu, Zurückhaltung an den Tag zu legen“, sagt Verdi-Landesbezirkstarifkoordinator Oliver Bandosz. Und er sagt es natürlich nicht ohne Grund. Am Montag, 26. Februar, beginnt in Potsdam die erste Verhandlung der Tarif- und Besoldungsrunde im öffentlichen Dienst. Ein Termin, der auch in Bremen mit großem Interesse verfolgt wird – nicht zuletzt im Finanzressort, wo mögliche Mehrkosten erwartungsgemäß keine Euphorie auslösen.

„Für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst geht es darum, den Anschluss zur allgemeinen Tariflohnentwicklung zu halten, damit der öffentliche Sektor auch morgen ein attraktiver Arbeitgeber ist“, heißt es bei Verdi in Bremen. Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld – mindestens 200 Euro.

Bandosz: „Wir haben eine seit Jahren florierende Wirtschaft, wir sind voll im Aufschwung. Daran partizipieren die öffentlichen Haushalte über Steuern und Einnahmen. Geld scheint in ausreichender Form da zu sein.“

Es gelte ja eben auch, den öffentlichen Dienst als Arbeitgeber attraktiv zu halten. Die Bremer Gewerkschafter verweisen in diesem Zusammenhang auf den Fachkräftemangel. „Kitas, Krankenhäuser, Verwaltung, IT, Techniker, Ingenieure, Elektriker, Schlosser – es fällt dem öffentlichen Dienst vermehrt schwer, Personal zu finden und zu halten“, heißt es im Gewerkschaftshaus.

Von einer spürbar besseren Bezahlung verspricht man sich also eine Signalwirkung deutlich über das nackte Plus im Portemonnaie hinaus. „Nur, wer gute Arbeitsbedingungen, ausreichend Personal und deutlich bessere Entlohnung und Besoldung bietet, bekommt das Personal, das er braucht“, heißt es auf einem Flugblatt für eine Verdi-Aktion am Mittwoch, 28. Februar. Kein Streik, sagt die stellvertretende Verdi-Geschäftsführerin Kornelia Knieper, sondern eine „aktive Mittagspause“. Ab 12.05 Uhr laden die Gewerkschafter vor dem Rathaus zur „Casting-Show für den öffentlichen Dienst“, denn: „Für Bremen wird es immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu finden.“ Aktionen wie diese begleiten zunächst die Tarifrunde. Was dann noch kommt, bleibt abzuwarten – und hängt natürlich auch davon ab, was die Verhandlungen ergeben.

Im Finanzressort hat man unterdessen schon mal gerechnet. „Die Tarifforderung sechs Prozent oder mindestens 200 Euro würde Bremen rund 18 Millionen Euro pro Jahr kosten“, sagt Dagmar Bleiker, Sprecherin von Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne). „Bremens schwierige finanzielle Lage dürfte bekannt sein.“ Vor diesem Hintergrund sieht man es im Finanzressort so: „In den anstehenden Verhandlungen kommt es darauf an, einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der Beschäftigten und den Kommunen zu finden, von denen viele erhebliche finanzielle Probleme haben.“

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