Eike Besudens Film

Dokumentation „Weserlust Hotel“ über „All Inclusive“ feiert Premiere

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Regisseur Eike Besuden (l.) und einer der Hauptdarsteller von „Weserlust Hotel“, Kevin Alamsyah alias „Ricky“, bei der Premiere im Kino Schauburg.

Bremen - Von Steffen Koller. Ein Film mit beeinträchtigten Menschen vor und hinter der Kamera, das war 2016 das große Ziel des Regisseurs Eike Besuden. Herausgekommen ist „All Inclusive“, ein von Kritikern in hohen Tönen gelobter Streifen.

Am Donnerstag feierte „Weserlust Hotel“ Premiere im Bremer Steintor-Kino Schauburg. Es ist die Dokumentation darüber, wie „All Inclusive“ entstanden ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: tiefgründig, authentisch, voller Humor und alles andere als plakativ.

Alles begann mit einer Idee. Eike Besudens großer Traum war es, eine TV-Serie zu schaffen, in der Menschen mit Behinderung sowohl die Hauptrollen spielen als auch die verschiedensten Arbeiten hinter der Linse machen. 

Die Fernsehsender überhäuften ihn mit Komplimenten, sagten, sein Drehbuch zeige „einen unverstellten Blick auf die Welt“, die Idee sei „liebevoll“ und trotz kleinen Budgets habe Besuden tolle Schauspieler aufgetrieben. Bis heute gibt es die Serie nicht, sie passe nicht ins Programm, so die Meinung der Verantwortlichen. Hätten die Programmplaner mal genauer hingeschaut. Denn nicht nur „All Inclusive“ – es sollte der Pilotfilm zur Serie werden – sondern auch die Dokumentation „Weserlust Hotel“ ist äußerst sehenswert.

Der 80-minütige Streifen begleitet einzelne Protagonisten während der Dreharbeiten in ganz privaten Momenten. Er zeigt, wie Sprech- und Musikproben ablaufen und wie sehr sich „gesunde“ und beeinträchtigte Menschen trotz vermeintlicher Unterschiede ergänzen können. 

Besuden, der vor dem Filmstart sagte, es sei ein „Höllenprojekt“ gewesen, beide Filme zu drehen, würde, wenn er sich entscheiden müsste, „Weserlust Hotel“ als das gelungenere Projekt beschreiben. Es sei schlicht „besser als das Hochglanz-Dingsda“, so Besuden augenzwinkernd. Knapp eineinhalb Stunden später ließ sich der Regisseur zusammen mit einigen Schauspielern des Films ordentlich feiern. Zu Recht.

Ein überaus ehrlicher Film

„Weserlust Hotel“ ist ein überaus ehrlicher Film, der tiefe Einblicke sowohl in die Arbeit eines Filmteams als auch in die Seele vieler Menschen mit Behinderung gewährt. Darsteller werden in den eigenen vier Wänden besucht, Filmteams zeigen die Arbeit in der Maske, im Tonstudio, bei Chorproben und der Auswahl von Requisiten. Missgeschicke, schlechtes Wetter, erste Gehversuche vor der Kamera – auch die kleineren und größeren Schwierigkeiten der Dreharbeiten beleuchtet der Film intensiv.

Und die Hauptpersonen kommen zu Wort: Laienschauspielerin Hannelore Sporleder sagt entwaffnend ehrlich: „Wir haben alle einen Stich.“ Und damit meint sie nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung. Melanie Socher fragt: „Wer ist heute noch normal? Sag’s mir. So etwas gibt es gar nicht.“

Es ist die Message des Films, aber auch die Umsetzung, die ihn sehenswert macht. Das meint zumindest Beate (47) aus Bremen, die das Projekt „unglaublich spannend“ und „phantastisch arrangiert“ findet. Ein anderer Zuschauer sagt, es sei vor allem die Authentizität des Films, die ihn überzeugt habe.

Wie auch immer, der Applaus war Besuden und den Schauspielern gewiss. Jetzt geht „Weserlust Hotel“ auf große Deutschlandtour. In den kommenden Wochen und Monaten werden 30  Städte bereist.

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