34 Millionen Euro Jahresüberschuss

Sparkasse Bremen reagiert auf Digitalisierung: Filialen ohne Bargeld

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Noch sitzt die Sparkasse im Stammhaus am Brill – doch die Aufgabe dieses Standorts und der Umzug in den Technologiepark sind längst beschlossen. Anfang März entscheidet eine Jury im Architektenwettbewerb für den Neubau.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir haben mit einem Jahresüberschuss von 34 Millionen Euro ein aus unserer Sicht beachtliches Ergebnis erwirtschaftet“, sagt Sparkassen-Vorstandschef Dr. Tim Nesemann.

Das Geschäftsjahr 2017 sei „sehr erfolgreich“ gewesen. Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung kündigte Nesemann den Aufbau einer neuen Filialstruktur an – mit Filialen ohne Bargeld. Der Überschuss von 34 Millionen Euro nach Steuern bedeutet ein Plus von 1,6 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Bilanzsumme ist leicht auf knapp 11,2 Milliarden Euro gesunken.

Der erwirtschaftete Jahresüberschuss freut Nesemann besonders vor dem Hintergrund eines „sehr aggressiven“ Wettbewerbsumfelds, das „von der anhaltenden Niedrigzinsphase und den permanent steigenden Regulierungsanforderungen geprägt“ sei. Die Niedrigzinsen seien unverändert ein wesentlicher Belastungsfaktor. Der Zinsüberschuss sank gegenüber dem Vorjahr deutlich auf 184,5 Millionen Euro.

Wachstum durch Immobilienfinanzierung und Aktien

Für Wachstum im Kundengeschäft sorgten vor allem private Immobilienfinanzierungen, das Wertpapiergeschäft und „das mittelständische Firmenkundenkreditgeschäft“, sagte Nesemann.

- Die Nachfrage nach privaten Wohnimmobilien sei unverändert sehr hoch. In Bremen fehlten aber Flächen für den Wohnungsneubau. „Wir merken, dass mehr Bremer gerne ihre eigenen vier Wände errichten würden“, so Nesemann. Und so werde der Markt trotz weiterhin günstiger Finanzierungsmöglichkeiten „limitiert“.

Dennoch – auch im laufenden Jahr ist das Interesse groß. So sei die „Hansebau“ im Januar für die Sparkasse „die erfolgreichste Immobilienmesse aller Zeiten“ gewesen – mit 170 Finanzierungsgesprächen und Kreditverträgen mit einem Volumen von mehreren Millionen Euro.

- Beim Thema Wertpapiere steht für 2017 ein Neugeschäft von 225 Millionen Euro in der Bilanz. Der verwaltete Bestand lag zum Jahresende bei knapp 1,6 Milliarden Euro.

- Bei den Firmenkunden lag das Kreditvolumen bei knapp 5,8 Milliarden Euro.

- Stark wachse unterdessen auch das Online- und Mobile-Banking, so Nesemann. Die Sparkasse will unter anderem mit einer neuen Filialstruktur auf die Digitalisierung reagieren.

Neue „Stadtteilfilialen“

Tim Nesemann.

Das Zauberwort heißt „Stadtteilfiliale“. Die erste davon ist im Dezember in der Pappelstraße eröffnet worden. „Eine offene Struktur, die sich durch Gastfreundschaft und Nähe auszeichnet“ – so beschreibt Nesemann den neuen Filialtyp. „Ohne die großen Hemmschwellen der Vergangenheit.“ Drei Millionen Euro hat die Sparkasse in der Neustadt in ihre Lounge investiert, die auch als Stadtteiltreffpunkt gedacht ist. Nur eins gibt es hier nicht: Bargeld.

Eine Filiale ohne Geld? Genau das ist die Zukunft, so Nesemann. Räumliche Nähe und Beratung für die Erfordernisse der digitalen, weitgehend bargeldlosen Welt – das werde in einer Stadtteilfiliale geboten. Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker, Kassengeschäft – all diese Dinge aus dem analogen Zeitalter finden die Kunden in den Zweigstellen der Sparkasse, die Nesemann als „Übergangslösung“ sieht. Über kurz oder lang werden sie entweder geschlossen oder zu SB-Standorten ohne Personal umgebaut.

Mitarbeiterzahl sinkt

Sparkassen-Kunden, die in der Neustadt nach einer Beratung noch eben Geld abheben wollen, müssen ein paar hundert Meter weit gehen – von der Stadtteilfiliale zur Zweigstelle. Andernorts sollen beide „Tür an Tür“ liegen. Im Herbst öffnen zwei weitere Stadtteilfilialen in Habenhausen und Vegesack. 2019 folgen Horn (Mühlenviertel), Schwachhausen, Hastedt, Lesum, Blumenthal und Walle.

Die veränderte Bankwelt wirkt sich auf die Mitarbeiterzahl der Sparkasse aus. Sie ging 2017 um 70 auf gut 1 300 zurück. Ein Vorruhestandsprogramm läuft. „Ich denke schon, dass wir 2025 noch über 1000 Mitarbeiter haben werden“, sagt Nesemann.

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