Zehntausende von Menschen lassen sich vom Festival „ La Strada“ verzaubern

Feurige Füße, fliegende Finnen

Das tut schon beim Hinsehen weh. Pieter Post bestach nicht nur mit subtilem Humor, er verlangte dem Publikum auch einiges ab. Zur Info: Es ist alles gut gegangen. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Ein buntes Wochenende liegt hinter Bremen und wird wohl lange in Erinnerung bleiben. Bei der 22. Auflage des Straßenzirkusfestivals „La Strada“ schlenderten mehrere zehntausend Besucher durch Innenstadt und Wallanlagen. An vielen Ecke warteten skurrile, wahnwitzige, absurde und sogar abscheuliche Attraktionen auf die Zuschauer.

Pieter Post schaut grimmig drein, viel Grund zum Lachen hat der Niederländer nicht. Der Fuß in Gips, der Arm sowieso, und vom Hals wollen wir hier gar nicht sprechen. Gezeichnet von den ungeschickten Aktionen, die ihm diesen Schlammassel eingebrockt haben, braucht er erstmal ein Glas Rotwein. Dann beginnt die Show der Schaulust und Absurdität. Mit seiner krausen Mähne, dem schelmischen Grinsen und dem feingebügeltem Streifenanzug wirkt er bieder, so gar nicht wie ein typischer Straßenkünstler. Doch da ist er bei „La Strada“ exakt am rechten Fleck.

Bereits zum 22. Mal lockt das Festival schräge Vögel, Extrovertierte, Sonderlinge und merkwürdige Zeitgenossen an die Weser. Eine Stadt wird zur Freilichtbühne, sehen und gesehen werden. Auf dem Marktplatz blicken Menschen ungläubig drein, als sich Pieter Post auf einem Hocker stehend, einen Ziegelstein auf den nackten Fuß legt, den Stein anzündet und kurz darauf mit einer Axt den Klotz zertrümmert. Es ist der Höhepunkt einer Show, die in Deutschland Premiere feiert und die absurder nicht hätte sein können. Als Extra obendrauf: Schadenfreude unterlegt mit Jazz der 50er Jahre.

Besticht Pieter Post durch schrägen Humor, begeben sich andere in Schräglage und zeigen Körperbeherrschung in Höchstform. Das „Duo Kate & Pasi“ könnte unterschiedlicher nicht sein – zumindest auf den ersten Blick. Sie, 50 Kilo leicht, er, zwei Zentner schwer und die Statur eines Türstehers. Doch was die beiden auf die Markplatzbühne zaubern, lässt einen nur ungläubig staunen. Aus dem Publikum schallt es „Wahnsinn!“, „Oh, mein Gott!“ ist zu hören, als die zarte Kate einarmigen Handstand auf Pasis Kopf vollführt. Sie wirbelt durch die Luft, er fängt sie auf, als hätten die beiden ihr Leben lang nichts anderes getan. Ganz großes Kino!

Lassen sich die Zuschauer umringt von Dom und Rathaus bei sengender Sonne zum Staunen bringen, geht es in den Wallanlagen zwar schattiger, dennoch nicht weniger unterhaltsamer vonstatten. Installationen mitten im Grün laden zum Entdecken ein, auf der Hauptbühne wird mit Leitern jongliert und auf meterhohen Seilen balanciert.

Bei Burrito, Waffeln und einem kühlen Bier lassen viele auch einfach nur die Seele baumeln, während ein paar hundert Meter weiter „Lejo“ beweisen, dass Humor auch ohne Wort fabelhaft funktioniert. Mit ihrem Figurentheater haben sie das kleine und große Publikum im Nu auf ihrer Seite.

Straßenkunstfestival La Strada - der Sonnabend

Clowns rennen durch die Straßen, Luftballons und andere Flugobjekte steigen Richtung Himmel, Autoscooter flitzen über den Domshof und Tänzer schwitzen zu Salsa und Swing. Wie in den Jahren zuvor, zeigt sich „La Strada“ auch 2016 international. Bierdurstige Polen bauen mit Hilfe des Publikums eine improvisierte Brauerei, Schweizer Moderatoren führen durch das Programm, während Slowenen zum Entspannen einladen und ein DJ aus Marokko bis spät in die Nacht an den Plattentellern werkelt.

Straßenkunstfestival La Strada beginnt

„La Strada“ ist vieles, nur nicht langweilig, wie Björn aus Oldenburg meint. „Ich könnte mich jetzt drei Jahre im Keller einschließen, so viel hab ich gesehen, gelacht und gestaunt. Das hält vor.“ So lange muss wohl niemand warten. Nur Pieter Post, der wird grübeln, heißt es bei ihm doch erstmal Wunden lecken.

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