Bremerhavener „Comet Feuerwerk“ gehört zu den führenden Pyro-Firmen in Deutschland

Vergängliche „Blumen aus Feuer“

Von Frank Jaursch.  Wer in Japan ein „Hanabishi“ werden möchte, sollte Zeit mitbringen – sehr viel Zeit. Rund zehn Jahre dauert es, bis man seine Profession beherrscht. Das Paradoxe daran: Am Ende der langen Ausbildung steht ein Produkt, das so vergänglich ist wie kaum ein anderes: „Hana-bi“ – Blume aus Feuer – nennen es die Japaner. Bei uns heißt es, deutlich sachlicher, „Feuerwerk“.

Großveranstaltungen und Volksfeste geben im Verlauf des Jahres Gelegenheit, die aufblühenden Farbspiele hoch über den Köpfen zu beobachten und mit dem unvermeidlichen „Aaahh!“ zu begleiten. Doch einmal im Jahr passiert es: Zum Jahresende erwächst in Vielen der Wunsch, selbst einige „Feuerblumen“ in die Dunkelh

Einblick in das Innere einer "Smiley- Rakete".

eit zu malen. Millionen von Raketen und Fontänen erhellen in der Neujahrs-nacht das Land.

Viele davon kommen aus Bremerhaven: Die Comet Feuerwerk Gesellschaft ist die deutsche Nummer zwei in Sachen Silvesterfeuerwerk. Von dem etwa 25.000 Quadratmeter großen Logistikzentrum aus machen sich jedes Jahr rund 35.000 Paletten mit Feuerwerksartikeln auf den Weg – von der Wunderkerze bis zur kleinen Profi-Batterie. Neben dem Eingang zum gigantischen Comet-Lagerbereich stehen Tretroller bereit – wenn’s mal schnell ans andere Ende gehen muss.

Regalreihe reiht sich hier an Regalreihe – jede sechseinhalb Meter hoch und rund zehn Meter tief. Viel Platz also für die Artikel, die aus Fernost importiert werden. „Bis September ‚saugen wir uns voll‘“, berichtet der technische Geschäftsführer Heinz Arnold Swart. Im letzten Quartal jedes Jahres stockt Comet seine Belegschaft um 100 auf 160 Beschäftigte auf und bringt seine Produkte zu den Einzelhändlern. Im Dezember arbeiten die Lageristen unter echtem Hochdruck. In dieser Zeit sind sie besonders gefordert, weiß Geschäftsführer Richard Eickel. „Zwischen Weihnachten und Neujahr brennt’s bei uns jede Minute“ – zum Glück nur sprichwörtlich.

Denn auch wenn das neue, im vergangenen Jahr eingeweihte Lager Maßstäbe in Sachen Brandsicherheit setzt, wäre ein echtes Feuer zwischen „Colossus“ und „Black Mamba“, „Shock Wave“ und „Firefun“ alles andere als willkommen.

„Feuer frei“ heißt es hingegen auf dem Abbrennplatz neben dem Lagerbereich. Dort bieten die Bremerhavener an diesem Tag einen Überblick über die Neuheiten der Feuerwerks-Saison 2009. Eine optische Gegenüberstellung mit den Produkten von 2005 zeigt, wie viel sich im Bereich der Pyrotechnik nach wie vor entwickelt. Und das, obwohl das Feuerwerk eine Tradition hat, die auch hierzulande erstaunlich weit zurückreicht.

Schon seit dem späten 14. Jahrhundert ist das Abbrennen der gleißenden Freudenfeuer in Europa bekannt – mit dem blutigen Siegeszug des Schwarzpulvers zog auch dessen nicht-militärischer Gebrauch über den Kontinent hinweg. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts hieß es in Zedlers Universallexikon: „Feuerwerk bedeutet alle Kunst-Feuer, so aus Pulver, Salpeter, Schwefel und Kohlen gemachet, und zur Lust oder Ernst gebrauchet werden (...), wobey man allerhand Erfindungen anwendet, und dem Feuer unterschiedene Farben giebet.“

„Allerhand Erfindungen“ sind auch heute noch vonnöten, um den Markt mit neuen Licht- und Soundeffekten zu beeindrucken. Seit langem ist bekannt, dass leuchtende Metall-Ionen für die unterschiedlichen Farben sorgen – Blau ist am teuersten und so auch meist seltener zu sehen als andere Farben. Doch neue Techniken und Zusätze sorgen nun für klarere Farben und weniger Rauchentwicklung als noch vor ein paar Jahren. Hinzu kommen ganz neue Effekte.

Eine Rakete zum Beispiel zaubert in diesem Jahr einen farbigen „Smiley“ in luftige Höhe. Andere Artikel lassen beim Aufstieg einen eigentümlichen, tiefen Brummton erklingen („Hummer-Effekt“) oder zerplatzen mit einem Knall und brechen in vier Richtungen auseinander („Crossette“).

Heinz Arnold Swart beobachtet das Musterschießen mit einem Schmunzeln um die Mundwinkel – für ihn sind die präsentierten Artikel längst keine Neuigkeiten mehr. Er weiß schon heute, was die nächste Saison an neuen, noch spektakuläreren Bildern zu bieten hat. Damit neue Trends zu Silvester an Deutschlands Himmel erstrahlen, verbringt Swart einen großen Teil des Jahres nicht an seinem Arbeitsplatz in Bremerhaven, sondern in Fernost.

Rund 18 Wochen hat er allein in diesem Jahr in China verbracht. Dort entwickeln die Lieferanten immer neue Effekt- und Farbkombinationen. „Vieles schauen wir uns von den Großfeuerwerken ab“, sagt Swart. Und natürlich geben auch die Verkaufszahlen der eigenen Artikel Rückschlüsse darüber, was deutsche Verbraucher mögen.

Im vergangenen Jahr wurde das neue, hochmoderne Logistikzentrum eingeweiht-

Für jede Idee, die den Weg in die deutschen Verkaufsregale finden soll, muss Comet zuvor Entwicklungskosten von rund 10.000 Euro investieren. Am Ende der Entwicklung aber stehen dann oft neue Effekte, die selbst Geschäftsmann Eickel zum Staunen bringen. „Ich kann mich jedesmal neu dran ergötzen“, schwärmt der Geschäftsführer mit Blick auf das Feuerwerk. Die Neuheiten dieses Jahres allerdings bekommen die Verbraucher erst im kommenden Jahr zu Silvester zu Gesicht. So lange dauert es, bis die in Handarbeit (!) hergestellten Feuerwerkskörper ihren Weg nach Deutschland finden, im Comet-eigenen Pyro-Labor auf Herz und Nieren geprüft werden und schließlich von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) das Okay für den Verkauf erhalten.

Mehr als 100 Millionen Euro lassen sich die Deutschen das Feuerwerk rund um den Jahreswechsel kosten – in jedem Jahr. Eine Geldmenge, die sich auch in „sinnvolle“ Dinge investieren ließe, monieren Kritiker. „Jeder muss selbst entscheiden, wofür er sein Geld ausgibt“, bemerkt Swart dazu. Die Comet Feuerwerk Gesellschaft bediene mit ihren Produkten nur den Markt. Darüber hinaus mag es auch etwas eindimensional erscheinen, das Farbenspiel am Nachthimmel als pure Geldverbrennung zu verfluchen.

Im fernen Osten ist das „Hana-bi“ tatsächlich als eigenständige Kunstform anerkannt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Pyrotechnik auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat – aller neuen Technik um Blu-Ray und HDTV zum Trotz. Die prächtige Vergänglichkeit zieht die Beobachter in ihren Bann – heute wie vor hunderten von Jahren. Der Philosoph Theodor Adorno brachte es auf den Punkt: „Das Feuerwerk ist die perfekteste Form der Kunst, da sich das Bild im Moment seiner höchsten Vollendung dem Betrachter wieder entzieht.“ In der Silvesternacht drücken Millionen Deutsche das Gleiche noch etwas kürzer aus: „Aaaah".

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