Abschlussbericht

Feuerwehr-Skandal in Bremen: Sonderermittlerin erhebt schwere Vorwürfe

Rund ein halbes Jahr hat eine Sonderermittlerin Erkenntnisse über den Bremer Feuerwehr-Skandal zusammengetragen. Jetzt legt sie ihren Abschlussbericht vor.

Bremen – Im Zuge der Aufklärung des Bremer Feuerwehr-Skandals um Sexismus, Mobbing und Rassismus hat die von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) eingesetzte Sonderermittlerin schwere Vorwürfe gegen die Bremer Feuerwehrführung erhoben. Das geht aus dem 41-seitigen Abschlussbericht hervor.

Dennoch lautet die Schlussfolgerung der früheren Richterin Karen Buse: Es brennt nicht bei der Feuerwehr, aber an der einen oder anderen Stelle schlägt der Rauchmelder an. Symptomatisch seien die Vorfälle nicht, aber eine Wiederholungsgefahr könne nicht ausgeschlossen werden. Ein rechtes Netzwerk bei der Feuerwehr gebe es aber nicht. Die Führungskultur bezeichnete Buse als „rückständig, autoritär, und angstbesetzt“.

Feuerwehr-Skandal in Bremen: Innensenator Mäurer hat Reform in Gang gesetzt

Innensenator Mäurer hat inzwischen eine Reform bei der Feuerwehr veranlasst, um die Missstände zu beheben. Einiges ist bereits umgesetzt, seit die Vorfälle im November 2020 bekanntgeworden waren. Zudem wurde der Hauptbeschuldigte aus Stuhr-Brinkum freigestellt, gegen ihn laufen strafrechtliche Ermittlungen. Drei weitere Feuerwehrleute erhielten nach einem Disziplinarverfahren Geldstrafen, sie haben dagegen Widerspruch eingelegt.

Ein Beispiel für Sexismus, der Buse in den knapp 70 Gesprächen berichtet wurde: Abends würden im Aufenthaltsraum Pornofilme geschaut. Monierte das eine Frau, bekam sie als Antwort, sie solle doch den Raum verlassen, berichtet die Ermittlerin. Außerdem: Der Hinweis, dass ein Vorgesetzter Nacktfotos einer Feuerwehrbeamtin auf seinem PC gespeichert habe und diese Neuen stets vorgeführt habe, löste „bei der Feuerwehrleitung keine unmittelbare Reaktion aus“.

Auch Aufnahmeriten soll es gegeben haben. Neue Feuerwehrleute sollten sich „einen extrem unappetitlichen Pornofilm ansehen und dabei Schokoladenpudding essen“, angeordnet worden sei das auch vom Führungspersonal.

Schwere Vorwürfe gibt es gegen die Bremer Feuerwehrführung.

Apropos Führung: Beamte berichteten von einer Führungskultur von „Angst und Schrecken“. Buse: „Da wirkt sich die fehlende Ausbildung in der Personalführung aus.“

„Beschimpft, bespuckt, angegriffen“ – immer wieder Beleidigungen und körperliche Angriffe gegen Bremer Feuerwehr

Begriffe wie „Ölauge“, „Kanake“, „Neger“, „Kameltreiber“ oder „Ali Arschgeige“ würden auf fast jeder Wache verwendet, mal mehr mal weniger, meist nach belastenden Einsätzen. Ein Wachabteilungsleiter schilderte der Ermittlerin, dass Feuerwehrbeamte nicht selten belastende Situationen erlebten, „die durch Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch gesellschaftliche Randgruppen wie Obdachlose“ geprägt seien.

Neben dem rauen Umgangston sieht er das als Erklärung für häufig diskriminierende Bezeichnungen. Man werde von diesen Gruppen „häufig beschimpft, bespuckt oder sonst körperlich angegriffen“. Und damit würden die Beamten alleingelassen. Ein Beamter sagte, so Buse: „Es ist schon sehr stressig, wenn einem bei einer Reanimation gedroht wird: Wenn meine Mutter stirbt, stirbst Du auch.“ Auch, wenn man vor Ort ruhig bleibe, müsse man sich hinterher irgendwo Luft verschaffen.

Hinzu kämen oft nicht erforderliche Einsätze in Asylunterkünften, bis zu zehnmal in der Nacht. Da sieht die Feuerwehr die Heime gefordert, aufzuklären, dass nicht bei jedem Wehwehchen der Rettungsdienst zu rufen sei, berichtet Buse.

Keine Anhaltspunkte für rechtes Netzwerk bei der Bremer Feuerwehr

Rechtsextremismus oder sogar ein rechtes Netzwerk verneinen die Feuerwehrleute vehement. Buse hat keine Anhaltspunkte gefunden, um das zu widerlegen. Dennoch könne es Einzelne geben, die über rechtsextremistisches Gedankengut verfügten.

Bei der Bremer Feuerwehr arbeiten gut 640 Beamte, davon vier Prozent Frauen (Bundesdurchschnitt: 1,7 Prozent). In Bremen haben 36,5 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, bei der Feuerwehr etwa ein Prozent.

Rubriklistenbild: © dpa

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