Ausländerfeindlicher Hintergrund?

Auftakt im Prozess um versuchte Brandstiftung: Feuer am Eingang

Bremen - Von Steffen Koller. „Einer fackelt gleich die Ausländerbude ab.“ Mit diesen Worten soll ein heute 30-jähriger Mann versucht haben, im Juli 2012 ein von Asylbewerbern bewohntes Haus in Bremen anzuzünden. Seit Dienstag muss sich der Mann unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Volksverhetzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte billigend in Kauf nahm, die zum Tatzeitpunkt schlafenden Bewohner zu verletzen.

Konkret wirft die Anklagevertretung dem Mann vor, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 2012 einen mit Grillanzünder getränkten Lappen vor die Eingangstür des Wohnhauses in Woltmershausen gelegt und angezündet zu haben. Als kurz danach ein Bewohner des Hauses das mittlerweile knapp einen Meter hohe Feuer bemerkte und löschte, habe der Angeklagte den Mann mit den Worten „Ausländer raus“ und „Einer fackelt gleich die Ausländerbude ab“ beschimpft. Damit nicht genug, schlug der 30-Jährige laut Anklage im Anschluss mehrfach mit einer Holzlatte auf die Wohnungstür der Familie ein und beschädigte diese. Dann sei der damals 25-Jährige in seine Wohnung geflohen, wo er am nächsten Morgen festgenommen wurde.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beging der Angeklagte die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit. Als die Polizei damals gegen 7 Uhr, etwa vier Stunden nach der mutmaßlichen Tat, einen Alkoholtest bei ihm durchführte, blieb das Messgerät bei 1,87 Promille stehen. Da der Mann mit seiner Tat „billigend in Kauf“ genommen habe, dass die im Haus schlafenden Personen verletzt werden könnten, lautet die Anklage ebenfalls auf versuchte gefährliche Körperverletzung. Auch wegen Sachbeschädigung muss sich der heute 30-Jährige verantworten.

Nach Auffassung der Nebenklage sei ein ausländerfeindlicher Hintergrund „evident“, sagte der Anwalt einer damaligen Bewohnerin, die nicht zum Prozessauftakt erschien. Seine Mandantin sei bis heute „massiv geängstigt“ und leide seelisch in „erheblichem Umfang“. Laut Akten habe die Frau damals geschlafen, leide zudem an einer paranoiden Schizophrenie. Ob die Krankheit durch das Feuer verstärkt oder womöglich erst ausgelöst wurde, wurde am Dienstag beim Prozessauftakt nicht klar. Kammer und Staatsanwaltschaft forderten weitere Unterlagen an. Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 9. März gesprochen werden. Dass die Verhandlung erst jetzt, fünfeinhalb Jahre nach der Tat, stattfindet, wurde mit „Überlastung des Gerichts“ erklärt.

Rubriklistenbild: © Symbolbi ld: dpa-avis

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