Fest der Schnoor-Kaufleute sorgt für freundliche Begegnungen in engen Gassen

„Originelles entdecken“

Galeristin Karola Bösch aus dem Schnoor hat neugierige Fenstergäste.
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Galeristin Karola Bösch aus dem Schnoor hat neugierige Fenstergäste.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Eben hatte ich noch die Bälle in der Hand, dann waren sie weg“, erzählt Christina Eßmann aus dem münsterländischen Haltern. Zauberkünstler „Victor“ sorgte beim Schnoorfest für Verblüffung, als er die Gesetze der Materie auflöste.

Die Frauen des Doppelkopf-Clubs haben genau hingeschaut und alle nichts gesehen, als Victor Renner seine „Zigeuner-Hypnose“ vorführte. Das sorgte immer wieder für Applaus und Lachen im dichtgedrängten Schnoor. Historischen Gäste wie etwa Kaufmannsfrau Anne aus dem 17. Jahrhundert zogen mit ihren auffälligen Kostümen die Blicke auf sich. Über das älteste Viertel der Bremer Innenstadt erhob sich am Wochenende immer wieder eine Aussichtsgondel bis in 40Meter Höhe. Sie bildete die von weitem sichtbare Verbindung zu den anderen Festivitäten der Bremer City. Für ein paar Euro konnten Neugierige einen Blick aus der Vogelperspektive über die Altstadt genießen, am Sonnabend sogar in festlicher Beleuchtung.

Kaufleute, Künstler und Gastronomen freuten sich besonders über das milde und wider Erwarten zumeist trockene Wetter. Live-Musik und Café-Tische vor den Schnoor-Lokalitäten schafften eine Stimmung zum Verweilen – ob im „Katzencafé“, „Schröter’s“, „Café Tölke“, „Zum Kaiser Friedrich“ oder beim Irish Pub „Little Mary’s“. Vor allem die Bremer sollen mit dem jährlichen Familienfest an ihr außergewöhnliches Stadtviertel erinnert werden. Der Nachwuchs wurde deswegen gestern noch einmal besonders angesprochen. Mitmachaktionen, Spiele zum Ausprobieren und Leckereien galten vor allem Familien und Kindern.

Der Schnoor bietet weit mehr als ausgefallene Souvenirgeschäfte. „Vor allem kann man hier wirklich Originelles entdecken“, sagt Bettina Molesworths von „Troll Antiquitäten“.

In dem kleinen Laden finden sich neben Schmuckstücken liebenswerte kleine Porzellan- und Keramikkreationen zwischen Kunst und Kitsch: lustige Kühe, die Porzellanwürfel mit der Datumsanzeige halten oder ausgefallene Likör- und Weingläser. „Sind die selbst gesammelt?“, fragten die Kunden. Molesworths bestätigte das, während neue Kundschaft hereindrängte. Ein paar Häuser weiter, vor der Tür des Künstlerhaus „Art15“, versicherte eine junge Frau ihrer Freundin: „Hier kann man ruhig reingehen“ und trat ein.

Karola Bösch freut das. Sie ist eine der zwölf Künstler, die die Galerie in Eigenverwaltung betreiben. Im ältesten Giebelhaus Bremens von 1402, wollen die Künstler, darunter Digitalkünstler Ronald Philipps und Sonia Schadwinkel, ihren Teil dazu beitragen, dass die Kunst im Schnoor weiterhin eine Adresse hat, sagt Bösch. Mit ihrer „Kunstlounge“ laden sie regelmäßig zur Hausbesichtigung mit Fassaden-Illumination und Musik ein, wie beispielsweise am

20. September unter dem Motto „Sex sells?!“.

Der Schnoor mit seiner Vielfalt an Geschäften auf kleinstem Raum bietet ein besonderes Ambiente. Und das zeigte er ein Wochenende lang in aller Ausführlichkeit. Mehr als 70 Geschäfts- und Galerietüren waren bis zu 18 Stunden lang geöffnet und sorgten für freundliche Begegnungen von Touristen, Stadtbummlern und Fußballfans.

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