So fern und doch so nah

„Golden City“ macht gemeinsame Sache mit Kulturhaus in Griechenland

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Der magische Rahmen auf dem Weg zur temporären Hafenbar „Golden City“ am Kopf des Europahafens in der Überseestadt: Nomena Struß (v.l.), Frauke Wilhelm, Anna Irmgard Jäger und Ulf Albrecht.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Hoher Besuch in der Hafenbar „Golden City“. Die „Pusdorp“ legt im Europahafen an. An Bord ist Prinzessin Europa, gespielt von Anna Irmgard Jäger, die in Bremen und Athen lebt.

Sie singt griechischen Text. Sie und Ramona Ariola haben etwas mitgebracht: einen Epitaphios – ein Rahmen mit vielen Blumen, der um eine Fernsehleinwand gelegt wird. Ramon Locker holt die Frauen und den Epitaphios mit einem Motorboot ab und bringt sie an Land.

Die Auferstehung des krisengebeutelten Europas

Eigentlich ist der Epitaphios bei der Karfreitagsprozession ein religiöser Gegenstand für den Leichnam Christi, so Frauke Wilhelm alias Ramona Ariola aus dem Team der temporären Hafenbar „Golden City“. Im „Golden City“ steht dieser für die Wiederauferstehung des krisengebeutelten Europas und für den Austausch mit dem Kulturclub „O Fonias“ im griechischen Elefsina, mit der das „Golden City“ eine Reihe gemeinsamer Abende via Twitter verbringen will. Fünf Wochen dauert die Reihe mit dem Namen „Mystirio Canali“. Die Premiere gab's am Sonnabend.

Andächtig gehen die Beteiligten die etwa 50 Meter vom Fähranleger zum „Golden City“. Dazu Blasmusik und der Song „Mystirio Canali“. Der Titel klingt mysteriös, doch das Lied gibt eigentlich nur das wieder, was geplant ist: „Mystirio Canali. Elefsina so fern und doch so nahe. Elektronen kreiseln durch die Netze. Auf dem blauem Schirm die zweite Hafenbar.“ Ermöglicht wird dieses Wunder durch den geschmückten Rahmen, was einfach eine Skype-Verbindung ist.

Das Ensemble „Lauter Blech“ heizt bei der Premiere im „Golden City“ auf der Bühne mit Samba-artigen Sounds ein.

Eine mysteriöse Wandlung macht Prinzessin Europa schließlich auf der Bühne durch. Nach ihrem feierlichen Auftritt spricht sie griechisch. Was ist passiert? Sie hat doch planmäßig einen Schluck vom Elysium-Schnaps getrunken, der alle kulturellen Barrieren niederreißen soll. Ramon Locker (Nomena Struß), der ihn eingeschmuggelt hat, ist etwas verlegen. „Wir haben festgestellt, dass das Schnapsrezept noch nicht ganz ausgereift ist“, sagt er. Nächster Anlauf: die Babelfischkette, angelehnt an die übersetzenden Babelfische aus dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“. Die Prinzessin spricht mit starkem Akzent: „Ich bin hier vor Ort gelandet, um Euch alle zu segnen.“ Das geht besser. Als drittes wird ein Kartoffelzepter gereicht. Jetzt ist das Deutsch perfekt. Das ist wichtig, denn Prinzessin Europa fungiert als Übersetzerin.

Und bald ist die Verbindung hergestellt. Das Publikum ist inzwischen auf das Begrüßungsritual vorbereitet. Beide Seiten wissen, was sie sagen wollen. Und sie wissen das „Nee“ auf Griechisch „Ja“ bedeutet, eine gefährliche Quelle für Missverständnisse.

Am 16. Juni werden die Metamorphosen der Städte dargestellt

Auf dem Bildschirm erscheinen drei junge Griechinnen, die den Abend moderieren werden. Hinter ihnen stehen die Bremer Stadtmusikanten. Ein Kameraschwenk zeigt Leute in Kunststoffsesseln am Strand und im Hintergrund das Meer. „Hallo, könnt Ihr uns hören?“ fragt Ramona. Die Antwort ist „Nee“. Soweit funktioniert alles. Das Bremer Publikum schickt eine richtige Gruß-Salve „Kalimera, kalispera, kalinichta“. Das heißt: „Guten Morgen, guten Abend, gute Nacht.“ Das Publikum in Elefsina erwidert: „Moin, moin, moin.“ Auch Trinkfloskeln funktionieren. Bremen sagt: „Nicht lang schnacken …“, das Publikum am anderen Ende Europas ergänzt: „Kopp in Nacken“.

Der kulturelle Austausch geht weiter. Musiker präsentieren die „Hymne von Elefsina“. Die Stadt ist der Göttinnen Persephone und der Muttergöttin Demeter gewidmet. Die Feier ist gemütlich. Beide Seiten singen, zeigen ihre Kultur und Zeugnisse ihrer Geschichte.

Am Freitag, 16. Juni, 16 Uhr, geht es weiter mit dem Abend „Metamorphose Bremen/Elefsina“ über den Wandel beider Industriestädte.

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