Feinarbeit mit Kettensäge

„Mein Kunst-Stück“ mit Edeltraud Hennemann: „Der Pianist“

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Von Edeltraud Hennemann mit der Motorsäge geschaffen: „Der Pianist“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Der Pianist“ heißt Edeltraud Hennemanns Skulptur, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das Werk schuf sie mit der Kettensäge aus einem Holzklotz. Die Motorsäge ist ihr Lieblingswerkzeug.

„Ich nutze nur die Motorsäge, keinen Beitel, keinen Klöppel, nichts“, versichert Edeltraud Hennemann. Die Bildhauerin sägt in ihrem Burglesumer Atelier erstaunlich feine Strukturen in und aus Holz. Lediglich grobe Späne entfern sie mit der Raspel. „Das erfordert vollste Konzentration. Weil, was an Material weg ist, unwiderruflich weg ist, und weil ich einen Riesenrespekt vor dem Gerät habe.“ „Versägt“ habe sie sich noch nie, sagt die Künstlerin, denn das Bild vom fertigen Werk habe sie die ganze Zeit genau im Kopf.

Hommage an den Bruder

„Der Pianist“ entstand 2011 und ist eine Hommage an Hennemanns Bruder. „Als Kind saß er meist schon am Klavier, wann immer ich darauf spielen wollte.“ Die Bildhauerin ist ein Fan klassischer Musik und „Der Pianist“ eins ihrer ersten Kettensägen-Kunstwerke.

Am schwierigsten sei bei einem Kunstwerk der Anfang, beschreibt Hennemann. Dann aber solle die Arbeit schnell vorangehen. Deswegen wählte sie bereits an der Kunsthochschule das motorbetriebene Arbeitswerkzeug. „Für meinen Schein, den ich zum Ende des Studiums in Bildhauerei machen musste, stellte ich mir vor, wie ich morgens anfange, mit Beitel und Klöppel zu arbeiten und mittags dann erst ein winziges Stück weggeklöppelt habe. Dafür war ich zu ungeduldig.“ Hennemann überredete ihren Professor, mit einer Kettensäge arbeiten zu dürfen. Dass so etwas geht, hatte die Kunststudentin auf der Expo 2000 in Hannover gesehen. Dort sägte Roman Strobl unter anderem das Porträt des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) aus einem Holzblock.

„Man muss sich immer wieder präsentieren“

Die Kunst steckt Hennemann seit jeher im Blut. Der Weg dorthin war jedoch ein Zickzackkurs. Die „brotlose Kunst“ weckte bei den Eltern keine Begeisterung. Hennemann machte eine Ausbildung zur Erzieherin, arbeitete in ihrem Beruf und wurde Mutter. Irgendwann viel später besuchte sie einen Keramikkurs an der Bremer Hochschule für Künste. „Das war damals ein Aha-Effekt“, erzählt sie. Später schrieb sie sich an der Kunsthochschule ein und machte ihren Abschluss. In Burgdamm hat sie heute ein großes Atelier im Kulturhaus „Lichthof Kunstfabrik“. Hennemann ist voller Ideen, gegen die sie kaum anarbeiten kann. Während sie für ihre Bilder auch mal abends arbeitet, schmeißt sie die Säge am liebsten früh am Tag an, bei gutem Licht und hoher Konzentration.

Die Herausforderung in der Kunst sei es, ganz schön ackern zu müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. „Man muss sich immer wieder präsentieren. Man braucht beides, die Öffentlichkeitsarbeit und die künstlerische Arbeit.“ Ob wir Kunst brauchen? – „Ja. Kunst bietet uns eine Auseinandersetzung und einen Dialog mit der Gesellschaft. Es wäre traurig, wenn es keine Kunst gäbe, um viele Dinge mal von einer anderen Seite zu betrachten.“

Botschaft frei nach Sokrates

Zu den Künstlern, die für Hennemann besonders bedeutend sind, zählen die Zeitgenossen Roman Strobl und Stefan Balkenhol. Die Begegnung mit der Kunst des Österreichers Strobl weckte Hennemanns Liebe zur Kettensäge. Der deutsche Bildhauer Balkenhol fasziniert Hennemann durch seine mannsgroßen oder überdimensionierten menschlichen Figuren.

Wenn Hennemann jemandem ein Werk als Botschaft schicken sollte, dann wäre die Holzskulptur „Betrachtungsebene“ an alle Menschen adressiert. Es ist eine Figur am Reck, deren Position man drehen und festhalten kann. Sie trägt die Botschaft frei nach Sokrates: Willst du in der Welt etwas bewegen, so bewege dich selbst. Wechselst du die Betrachtungsebene, sieht alles gleich ganz anders aus.

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