Faszination Widerspruch

„Mein Kunst-Stück“ mit Maggie Rapuano und ihrem Mini-Setzkasten „The big sleep“

Winzig sind Maggie Rapuanos Werke. Der kleine blaue Fleck auf dem Blatt ist ihr Kunst-Stück „The big sleep“. - Foto: Langkowski
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Winzig sind Maggie Rapuanos Werke. Der kleine blaue Fleck auf dem Blatt ist ihr Kunst-Stück „The big sleep“.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „The big sleep“ heißt Maggie Rapuanos Werk, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf einem weißen Blatt Papier klebt eine kleine Schachtel wie ein winziger Setzkasten. Darin liegt eine tote Biene.

„Ich mag es, mit Insekten zu arbeiten“, erzählt die gebürtige US-Amerikanerin. Für „The big sleep“ verwendete sie eine tote Biene. „Ich sammle aber auch Maden, Fliegen und Motten“, sagt die Künstlerin. Nur Spinnen nimmt sie für ihre filigranen Kunstwerke nicht. Die sind ihr zu „grufti“.

Schon als Kind fand die Künstlerin Insekten faszinierend. Erst im Alter jenseits der 20 bemerkte sie, dass das nicht so normal war. Der Widerspruch, den Insekten auslösen, fasziniert sie. „Sie machen Angst, aber sind auch sehr schön“, sagt Rapuano. Sie selbst findet aber auch hässliche Sachen hübsch. Gern macht sie Sachen sichtbar, die man sonst nicht sieht oder sehen will. In ihren Arbeiten weist sie auf die Schönheit der winzigen Tiere hin. Ihre aufgezogenen Schmuckketten „Fliegen in Perlen“ und „Bienen in Koralle“ wirken zart, aber seltsam.

Das Große reizt die Wahl-Bremerin nicht. Sie mag Details. In ihnen kann sie sich verlieren und Miniwelten konstruieren. „Plötzlich ist man ein Riese und kann in der Phantasie in diese Miniaturwelten eintauchen. Es ist wie mit dem Fabergé-Ei.“

Und so sieht „The big sleep“ in der Vergrößerung aus: ein winziger Setzkasten mit toter Biene.

Der Widerspruch zwischen Schönheit und Ekel, Leben und Tod ist für die Künstlerin auch ein Thema. „Einen Vogelflügel oder glänzendes Haar finden wir schön. Wenn ein einzelner Flügel oder abgeschnittene Haare vor einem liegen, ist es erschreckend“, sagt sie. Wie zerbrechlich das Leben ist, wurde ihr nach gleich mehreren Unfällen innerhalb weniger Jahre bewusst. Aus Langeweile begann Rapuano, während der Genesungsphasen nach langer Schaffensblockade wieder zu malen. Gleichzeitig hatte sich ihr Blick auf das Leben verändert. Für die heute 44-Jährige war Kunst immer präsent. 

Als sie noch ganz klein war, bewunderte sie, wie ihre Schwester zeichnete und machte es nach. Im Kunstunterricht war sie immer gut. Dass sie irgendetwas mit Kunst machen musste, stand für sie außer Frage. Trotzdem ist ihr künstlerischer Alltag frei von Routine. Sie versucht, neben ihrem Job zum Broterwerb so oft wie möglich ins Atelier zu kommen. Klischees vom ungezügelten Künstlerleben erfüllt sie nicht. „Null Alkohol, null Drogen“, sagt sie lachend. „Bei so kleinen Dingen wie diejenigen, mit denen ich arbeite, muss ich klar sein.“ Für die Wahl-Bremerin besteht die Herausforderung des Künstlerlebens darin, einerseits seinen Lebensunterhalt zu sichern, und andererseits genug Zeit für die künstlerische Arbeit zu haben. Gleichzeitig gibt ihr das zweite Einkommen die Freiheit, zu malen, was sie will.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, um nicht immer das Gleiche um sich zu haben. Kunstobjekte eröffnen neue Blickwinkel. Auf jeden Fall ist Kunst nicht nur für Künstler oder für Eliten da.“ Zu den Künstlern, die für Rapuano besonders bedeutend sind, zählen die französische Zeitgenossin Sophie Calle und die französisch-amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois (1911 bis 2010). „Calle macht Sachen, die ziemlich dreist sind. Sie spielt mit Voyeurismus und Intimität“, sagt die Bremerin. Bourgeois animiert wie Calle zu einem ganz neuen Blick auf Dinge, die sonst gewöhnlich erscheinen. „Ich liebe ihre großen Spinnen. Und ihre Arbeiten sind genau das Gegenteil von dem, was ich mache.“

Wenn Rapuano jemandem ein Werk als Botschaft schicken sollte, dann gingen 1 000 gefaltete Papierflugzeuge mit 1 000 von verschiedenen Menschen gesammelten Wünschen an Donald Trump. „Und dann wünschte ich mir, magische Kräfte zu besitzen, um den US-Präsidenten dazu zu bringen, sich mit den Wünschen auseinanderzusetzen.“

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