Serie „Mutmacherinnen“

Aurelie Bressollette: Die Faszination für das All

Aurelie Bressollette (40) am Bremer Sitz von OHB an der Universitätsallee. Trotz Rückschlägen hat sie immer für ihren Traum gekämpft und arbeitet aktuell am Kommunikationssatelliten „Heinrich Hertz“, der für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestimmt ist. - Foto: Koller
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Aurelie Bressollette (40) am Bremer Sitz von OHB an der Universitätsallee. Trotz Rückschlägen hat sie immer für ihren Traum gekämpft und arbeitet aktuell am Kommunikationssatelliten „Heinrich Hertz“, der für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestimmt ist.

Bremen - Von Steffen Koller. Früh war für Aurelie Bressollette klar: „Ich gehe in die Raumfahrt.“ Das war vor rund 25 Jahren. Heute hat sich die 40-Jährige ihren Traum erfüllt und arbeitet am Bremer Sitz des Raumfahrtkonzerns OHB. Als Frau gehörte sie bereits seit ihrem ersten Studium zur Minderheit – gestört habe sie das nie.

Welche Message sie an junge Mädchen hat und wie die Anschläge vom 11. September  2001 ihre Karriere beeinflussten, erzählt sie in unserer Serie „Mutmacherinnen“.

Der Blick Richtung Himmel, die Augen schweifen ins schier Unendliche. Dann dieser eine Gedanke und der Entschluss stand fest. So ähnlich könnte sich die Szene vor rund 25 Jahren abgespielt haben, als Aurelie Bressollette den Plan schmiedete: Studium in den USA, amerikanische Staatsbürgerschaft, Arbeit bei der Nasa. 

Aurelie Bressollette ist heute zwar keine Amerikanerin, sondern Deutsch-Französin, und arbeitet auch nicht bei der US-Raumfahrtagentur Nasa, das Studium hat sie dennoch in den USA und in Paris absolviert. Am renommierten „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) in Boston, das schon berühmte Raumfahrer wie Buzz Aldrin hervorbrachte, festigte sich ihre Faszination für das All – und sie lernte: In der Raumfahrtbranche sind Frauen in der Minderheit.

Nur wenige Frauen

Abgeschreckt habe sie das nie, sagt die Luft- und Raumfahrtingenieurin heute. „Ich habe mich dran gewöhnt.“ Ob beim Studium, bei Airbus in München, wo sie vor ihrer Bremer Zeit 14 Jahre lang arbeitete, oder jetzt bei OHB: Etwa nur jede zehnte Angestellte war und ist eine Frau. 

Ein Problem? „Im Gegenteil“, so die 40-Jährige. Mittlerweile habe sie gelernt, dass es nicht darauf ankomme, welches Geschlecht man habe. Ihr Motto lautet auch deshalb seit langem: „Wir haben eine gemeinsame Leidenschaft. Lasst uns zusammenarbeiten.“ Diesen Leitsatz setzt sie auch bei OHB in die Praxis um. Aktuell arbeitet sie mit ihrem achtköpfigen Team am Kommunikationssatelliten „Heinrich Hertz“, der für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestimmt ist.

Dass es einmal so kommen würde, war lange Zeit unklar. Nachdem am 11. September 2001 die Anschläge auf das World Trade Center in New York das ganze Land in einen kollektiven Schockzustand versetzten, war auch ihr Traum von der Karriere in den USA ausgeträumt. Die amerikanische Regierung beschloss nach dem Attentat, zumindest zeitweilig keine Ausländer bei der Nasa zu beschäftigen beziehungsweise einzustellen – Bressollettes langgehegter Wunsch zerplatzte wie eine Seifenblase.

Ansage: „Traut Euch!“

Und doch kämpfte sie immer weiter – und hat auch als Frau Erfolg in ihrem Beruf. Genau deshalb möchte sie auch jungen Mädchen, die ihrer Erfahrung nach oft unsicher sind, ob die Raumfahrt zu ihnen passen würde, Mut machen. „Traut Euch!“, sagt sie. „Nirgendwo steht ein Schild: Frauen verboten.“ Wer sich Mühe gebe, wer engagiert sei und Leidenschaft mitbringe, könne es in jedem Bereich schaffen. „Jeder ist wichtig“, so Bressollette.

In ihrem Berufsalltag merke sie mittlerweile kaum noch, dass sie eine von wenigen Frauen ist. Das liege auch daran, dass sie von ihren Kollegen einfordert: „Agiert mit mir, als wäre ich ein Mann.“ Von einer Frauenquote hält Bressollette nicht viel. Ihrer Meinung nach erreiche man genau das Gegenteil, weil ein „künstlicher Fokus“ geschaffen werde. Sie sagt: „Wenn man eine Leidenschaft hat, ist es doch egal, ob man Mann oder Frau ist.“

Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

1 - Rubina Ordemann ist Geschäftsführerin des Fortbildungsinstituts der Zahnärztekammer Bremen

2 - Lisa Röpke arbeitet im Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

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