Fassungslos und enttäuscht

Uni Bremen verliert nach 2019 Status als „Exzellenz-Universität“

+
Der Status als „Exzellenz-Universität“ brachte der Uni Bremen einen Imagegewinn und mehrere Millionen Euro an Fördergeldern. Seit Freitagmorgen ist klar: Ab 2020 verliert sie diesen Titel.

Bremen - Von Viviane Reineking. Enttäuschung und Ungläubigkeit (nicht nur) in der Universität Bremen: Die Hochschule verliert nach 2019 ihren Titel als „Exzellenz-Universität“.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hatte am Freitagmorgen bekanntgegeben, welche Universitäten Anträge für Exzellenzcluster im Rahmen der Exzellenz-Strategie, dem Folgeprogramm der Exzellenz-Initiative, stellen dürfen. Zwar war die Uni mit einem Skizzenantrag aus den Meereswissenschaften erfolgreich. Um den Titel als „Exzellenz-Uni“ behalten zu können, hätte sie jedoch zwei geförderte Cluster gebraucht.

Mit fünf Voranträgen – aus den marinen Geowissenschaften, der Erdfernerkundung, den Material- und Ingenieurwissenschaften, den Sozialwissenschaften und der Informatik – war die Uni in den neuen Wettbewerb von Bund und Ländern gestartet. Diese hatten im Juni 2016 beschlossen, die bisherige Exzellenz-Initiative als sogenannte Exzellenz-Strategie fortzusetzen, um deutsche Universitäten im internationalen Wettbewerb weiter zu stärken. Die Exzellenz-Strategie umfasst zwei Förderlinien: die Exzellenz-Cluster und die Exzellenz-Universitäten.

Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt und Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter - Foto: Reineking

Ein internationales Gutachtergremium bewertete in der Förderlinie „Exzellenz-Cluster“ 195 Voranträge von 63 Universitäten und ließ 88 Projekte zur Antragstellung für die Endrunde zu. Vier Bremer Kurzfassungen sind nach der DFG-Entscheidung damit in der Vorrunde gescheitert. Überzeugen konnte nur das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) der Uni Bremen, das im Rahmen der jetzigen Exzellenz-Initiative das einzige Exzellenz-Cluster der Universität darstellt. Zu wenig, um erneut im Wettbewerb um den Titel „Exzellenz-Universität“ antreten zu dürfen.

„Ein bitterer Tag für die Uni Bremen“, konstatierte ein fassungsloser Uni-Rektor Prof. Bernd Scholz-Reiter, der kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung das Ergebnis zusammen mit Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) kommentierte. Sein erster Gedanke: Es könne sich nur um einen Tippfehler handeln, so Scholz-Reiter, dessen „Bauchgefühl“ drei erfolgreiche Voranträge vorhergesagt hatte.

„Wir hätten es nicht besser machen können“

Zuvor aber gratulierten beide dem Marum, das weiterhin im Rennen um die begehrte Förderung ist. Die Meereswissenschaften seien ein großer und erfolgreicher Schwerpunkt an der Universität. Bis zum 21. Februar 2018 bleibt dem Marum nun Zeit, eine ausführliche Beschreibung seines Forschungsvorhabens einzureichen. Konkret wollen sich die Wissenschaftler mit der Erforschung des Ozeanbodens beschäftigen. Dafür erhoffen sie sich rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Entschieden wird darüber in rund einem Jahr. Welche Unis sich letztlich „exzellent“ nennen dürfen, gibt die DFG im Sommer 2019 bekannt.

Gründe für das Scheitern der anderen Voranträge wolle man genau analysieren, so der Uni-Rektor. Dazu fehle aber noch eine Rückmeldung der DFG. „Wir hätten es nicht besser machen können“, ist sich Scholz-Reiter aber sicher. Einen Grund sehe man aber in der starken Konkurrenz, heißt es: Neben neuen Initiativen bewarben sich auch bestehende Cluster um eine Fortführung ihrer Förderung. „Am Ende werden sich etwa 50 Anträge im Wettbewerb durchsetzen. 43 Cluster gibt es aber jetzt schon, die allesamt ausgezeichnete Forschung leisten und gerne weitermachen wollen. Die Konkurrenz war enorm stark“, sagt Scholz-Reiter. Und Bremen als mittelgroße Uni habe es schwerer als große Unis, sich durchzusetzen. Zwar bleibe die Uni eine forschungsstarke Hochschule, so der Rektor. „Aber wir können eben nicht mehr mit Volldampf voraus fahren.“

Pro Jahr erhält die Uni in der zweiten Förderlinie als Exzellenz-Uni derzeit rund zehn Millionen Euro – Geld, das nach 2019 fehlen wird. Quante-Brandt sagte, man werde absichern, dass die Forschungsstärke der Uni sich auch zukünftig vernünftig weiterentwickeln könne.

Reaktionen

„Bitter“ – so beschrieb am Freitag nicht nur Rektor Prof. Bernd Scholz-Reiter den Tag für die Universität Bremen. Ähnlich kommentierte auch Susanne Grobien, wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, das Aus für Bremen als „Exzellenz-Universität“ in der Exzellenz-Strategie und sprach von einem „bitteren Tag für den Wissenschaftsstandort Bremen“. 

Über die weitere Zukunft der Bremer Universitätslandschaft zeigte sie sich besorgt. „Die Exzellenz-Initiative hat einen gewaltigen Pusch für den Wissenschaftsstandort Bremen erzeugt, viele Spitzenwissenschaftler in unser Bundesland gelockt und unsere Hochschulen international sichtbar gemacht. Dass wir nach 2019 diesen Status verlieren, kann diese Erfolge nachhaltig gefährden.“ 

Grobien fordert daher ein umfassendes Konzept, wie die Spitzenforschung aus eigener Anstrengung abgesichert werden könne. Gleiche Wortwahl auch bei der Grünen-Fraktion. „Bitter“ sei der Verlust des Status' für die beteiligten Wissenschaftler, die Uni und Bremen. Die Exzellenz-Universität habe viele Studenten und Spitzenwissenschaftler angelockt und damit den Wissenschaftsstandort Bremen weiter vorangebracht, so die wissenschaftspolitische Sprecherin Henrike Müller, die eine genaue Analyse im Wissenschaftsausschuss ankündigte. 

Mit Bedauern reagiert der wissenschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Magnus Buhlert: „Jetzt ist ein Plan B gefragt, um die wegbleibenden Fördermittel zu kompensieren.“ Es gelte, die anderen herausragenden Bereiche zu positionieren und die Universität so auszustatten, dass sie bei der Folgerunde der Exzellenz-Initiative wieder oben mitspielen kann, so Buhlert. Er forderte Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) auf, schnell tätig zu werden und bleibenden Schaden von der Universität Bremen abzuwenden. vr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Meistgelesene Artikel

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe in Hastedt entschärft

250 Kilo schwere Weltkriegsbombe in Hastedt entschärft

„Mein Kunst-Stück“ mit Anette Venzlaff: Ein Herz für Verlierer

„Mein Kunst-Stück“ mit Anette Venzlaff: Ein Herz für Verlierer

Länderzentrum für Niederdeutsch in Bremen gegründet

Länderzentrum für Niederdeutsch in Bremen gegründet

Kommentare