Älterwerden

Farben, Narben, Gebrechlichkeit

+
Zwei Frauen, ein Thema: Akkela Dienstbier (l.) und Christine Henke in der Ausstellung „Ruhe vor dem Sturm“. Im Fokus: das Älterwerden.

Falten, Narben, Gebrechlichkeit – all das gehört zum Älterwerden dazu. Doch Alter beinhaltet noch wesentlich mehr, davon sind die Fotografin Christine Henke und die Bildende Künstlerin Akkela Dienstbier überzeugt.

VON STEFFEN KOLLER

Bremen – Christine Henke und Akkela Dienstbier haben sich dem Thema Älterwerden auf ganz unterschiedliche Art und Weise genähert – und zeigen ab Sonntag, 30. Juni, in der Ausstellung „Ruhe vor dem Sturm“, was Menschen jenseits der 40 über das Alter denken und fühlen.

Fragt man Menschen, was sie mit dem Alter verbinden, lauteten die Antworten in vielen Fällen wohl ähnlich. Es würden Begriffen fallen wie Rollator, Essen auf Rädern, Einsamkeit und Anti-Aging-Mittel. Dabei ist Altern viel mehr, das haben auch Henke und Dienstbier während ihrer Arbeit am Kunstprojekt „Ruhe vor dem Sturm“ festgestellt. Über ein Jahr arbeiteten die beiden an ihren Bildern und Fotografien – jetzt hängen insgesamt 38 Werke in der Galerie im Park des Klinikum Ost (Züricher Straße 40). Über Freunde, Bekannte und „Mundpropaganda“, so Akkela Dienstbier, kam das Duo in den vergangenen Monaten zu seinen Models, die sich in ganz intimen Lebenssituationen porträtieren ließen. Im Fokus: das Älterwerden und was die Protagonisten damit verbinden.

Dienstbier startete ihr Projekt mit einem Fragenkatalog und trat so an die Menschen heran. So fragte sie unter anderem: „Was braucht die Welt von Dir?“ oder „Was ist für Dich ein gutes Leben – eine gute Zeit?“ Aus den daraus resultierenden Antworten kreierte die Künstlerin ihre Werke. Dabei druckte sie zum Beispiel Fotografien auf spezielle Folien, arbeitete dazu mit Naturmaterialien und fügte die Teile zu einem Bild zusammen. Das Ergebnis zeige oft „ein gelebtes Leben“, weit weg vom Klischee, dass der Mensch perfekt sein müsse. „Es ist so, wie es ist. Wir sind nicht perfekt. Keiner ist perfekt.“

Auch Christine Henke will in ihren Fotografien „die Schönheit des Alterns“ zeigen, „nicht das Geglättete“, das einem Modeindustrie und Hochglanzplakate oft suggerierten. 19 Schwarz-Weiß-Fotografien sind so entstanden. Alle Personen zeigen sich dabei nackt – für Henke eine „Reduktion auf das Wesentliche“.

In ihrem Studio fotografierte sie die Menschen, nur ein Podest diente dabei als „Ankerpunkt“. Während ihrer Arbeit habe sie vor allem einen „riesigen Vertrauensvorschuss“ gespürt, was sie sehr ehre. Schließlich lasse nicht jeder vor einem Fremden die Hüllen fallen. Beide hätten gespürt, wie intensiv Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzten – das fordern sie deshalb auch von der Gesellschaft. „Wir brauchen mehr Respekt und Mut für das Thema. Das ist wichtig“, so Henke. „Es geht um Würdigung und Wertschätzung.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Ruhe vor dem Sturm“ wird am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr in der Galerie im Park des Klinikums Ost (Züricher Straße 40) offiziell eröffnet. Bis zum 6. Oktober ist sie dann zu sehen. Die Galerie bietet zudem Lesungen zum Thema und zahlreiche Führungen mit den Künstlerinnen an. Mehr Informationen und Termine unter www.kulturambulanz.de.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Gut gewappnet durch die Erkältungssaison

Gut gewappnet durch die Erkältungssaison

Warum das Fischessen so gesund ist

Warum das Fischessen so gesund ist

Schwedische Küche ist allererste Sahne

Schwedische Küche ist allererste Sahne

Meistgelesene Artikel

Nach Leichenfund in Gröpelingen: Körperteile abgetrennt

Nach Leichenfund in Gröpelingen: Körperteile abgetrennt

Hilfe, wo sie nötig ist: SOS-Kinderdorf kommt direkt in die Bremer City

Hilfe, wo sie nötig ist: SOS-Kinderdorf kommt direkt in die Bremer City

Polizei fasst Brandstifter - dieser gibt gleich mehrere Taten zu

Polizei fasst Brandstifter - dieser gibt gleich mehrere Taten zu

Studie: Pflegeheimbewohner kommen zu oft ins Krankenhaus

Studie: Pflegeheimbewohner kommen zu oft ins Krankenhaus

Kommentare