Polizei und Staatsanwaltschaft über ihre Ermittlungen

Fan-Gewalt im Fußball: „Wir dulden das nicht“

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Kripo-Chefin Andrea Wittrock und Staatsanwalt Frank Passade.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Gewaltexzesse, Ausschreitungen, Verletzte. Nach dem Werder-Bundesligaspiel gegen den HSV am 19. April hatten die Auseinandersetzungen zwischen Bremer Ultras und Hooligans ein neues Ausmaß erreicht. „Für uns ist es völlig inakzeptabel, dass solche Taten folgenlos bleiben“, sagt Lars van Beek vom Präsidialstab der Polizei. Wie berichtet, sitzt inzwischen ein Verdächtiger in Untersuchungshaft.

„Wir dulden solche Gewalthandlungen nicht in dieser Stadt – egal, von wem sie kommen.“ Das sagt Andrea Wittrock, Leiterin der Kriminalpolizei. Und fasst damit die zentrale Botschaft der Polizei zusammen. Ob sich (in Bremen: linke) Ultras mit (mehrheitlich rechten) Hooligans prügeln oder umgekehrt, ist den Ermittlern egal. Sie schauen zunächst einmal nur auf die Frage, ob es einen Straftatbestand gibt. Oberstaatsanwalt Frank Passade: „Straftaten werden verfolgt. Ob ein Linker einen Rechten angreift oder ein Rechter einen Linken, das spielt für uns keine Rolle.“

Sehr wohl eine Rolle spielt das Ausmaß der Gewalt. Nach dem 19. April machte sich eine Ermittlungsgruppe daran, Hintergründe der Gewaltexzesse unter Bremer „Fußballfans“ aufzuklären – es war einfach zu schlimm geworden. Auch gegen Polizeibeamte kam es zu „massiven Ausschreitungen“, sagt Hartmut Quast, Leiter der Ermittlungsgruppe. Acht Straftaten gegen Polizisten wurden später aktenkundig, sieben Tatverdächtige ermittelt.

Im Zuge einer sogenannten „Sprinträumung“ über eine Strecke von 20 Metern waren Ultras vom Osterdeich in Richtung Verdener Straße gedrängt worden. Dort – vor dem Lokal „Verdener Eck“ – standen Hooligans. Wieder gab es Ausschreitungen. Im Zusammenhang damit seien 29 Tatverdächtige ermittelt worden, hieß es gestern.

Hartmut Quast, Leiter der Ermittlungsgruppe.

Und dann ist da noch der Fall des jungen Mannes, gegen den die Ermittler einen Haftbefehl erwirkt haben. Dem inzwischen 21-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus Bremen, der zur Tatzeit noch Heranwachsender war, wirft die Staatsanwaltschaft nun gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung vor. Der Mann, der gerade sein Abitur gemacht hat, wird dem Lager der Ultras zugerechnet. Es gibt ein Video vom 19. April, das den 21-Jährigen und weitere neun Tatbeteiligte zeigt – bis auf einen wurden alle ermittelt. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Hooligan – laut Quast kein Rechter – massiv geschlagen und getreten und mit einem Blumenkübel beworfen wird.

Die Ermittler legen dem 21-Jährigen nicht allein die Bremer Tat zur Last, sondern noch vier weitere jeweils gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzungen – begangen im Zeitraum eines Jahres. So habe er, sagt Oberstaatsanwalt Passade, bei Ausschreitungen im Zusammenhang mit Protesten gegen eine NPD-Demo in Rostock einen Stein geworfen und dadurch einen Pressefotografen verletzt.

Passade bezeichnet den Abiturienten als einen „politisch motivierten Gewalttäter, der der Bremer Ultra-Szene zugerechnet werden muss und ansatzlos dazu neigt, wo er auf Rechtsgesinnte trifft, diese anzugreifen“. Die Zuordnung zur rechten Szene erfolge beispielsweise über äußere Erkennungsmerkmale, etwa über Kleidungsstücke bestimmter Marken.

Von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kam gestern Lob für „das konsequente Vorgehen der Ermittlungsbehörden“. GdP-Landeschef Jochen Kopelke: „Wer Fußballveranstaltungen nutzt, um sich zu prügeln, hat bei diesen Veranstaltungen nichts zu suchen.“ Wegen der „Verschwiegenheit des potenziellen Täterkreises“ sei die Ermittlungsarbeit durchaus schwierig gewesen. „Nicht alle haben hier Interesse an Strafverfolgung“, hat auch Kripo-Chefin Wittrock festgestellt.

Lesen Sie zu dem Thema auch: Straßenkämpfe im Schatten des Weserstadions

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