Fallanalytiker und „Tatort“-Berater Axel Petermann liest aus seinem neuen Buch „Der Profiler“

Ungeklärten Morden auf der Spur

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Axel Petermann signiert sein neues Buch.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Alle Plätze der Buchhandlung Kamloth im Gebäude des Amtsgerichts waren am Mittwochabend besetzt. Axel Petermann, Ex-Kommissar, Profiler, Bestseller-Autor und „Tatort“-Berater, las aus seinem neuen Buch. Seine Mordfälle sind keine Fiktion, sondern real.

Erschütternd brutale Verbrechen fasst der Fallanalytiker in seinem jüngsten Buch zusammen. Dem Auditorium erklärte er, was man aus den Spuren am Tatort lesen kann und wie ein Täterprofil entsteht. Ungelöste und nur scheinbar gelöste Fälle konnte Petermann aufklären. „Dieser Weg der Erkenntnis führt auch durch Leichenhallen, Sektionssäle und Schlachthäuser“, heißt es in seinem Buch. Wenn Experten herangezogen werden, könnten das auch mal ein Bankräuber oder eine Domina sein. Denn ein Profiler stelle sich Fragen wie: Was ist der Tatort für eine Örtlichkeit? Welche Atmosphäre herrschte dort zur Zeit des Verbrechens? Wie hat der Täter sich am Tatort verhalten? Welche Verletzungen hat das Opfer? Wurde es „übertötet“, dadurch, dass der Täter nach tödlichen Verletzung nicht abließ? Wer genau ist das Opfer? Eine genaue Rekonstruktion der Tat und die ruhige Betrachtung des Tatorts brächten oft wichtige Erkenntnisse. Etwa im Fall der 17-jährigen Bremerin, die am 1. Mai 1971 an einem Bahndamm in Bremen-Nord gefunden wurde: vergewaltigt, erdrosselt und erstochen. Etliche Fahrgäste eines vorbeifahrenden Zuges hatten Täter und Opfer ringen sehen. Doch Anfang der 70er Jahre gab es keine Handys und keine DNA-Analysen. So wurde nach einem Indizienprozess der Falsche zu einer zwölfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens sprach man den Verdächtigen 1976 zwar frei, aber der Fall blieb ungeklärt. Durch Hartnäckigkeit, verbesserte kriminaltechnische Möglichkeiten und die bis ins kleinste Detail durchgeführte Rekonstruktion der Abläufe kamen Polizei und Staatsanwaltschaft 40 Jahre nach dem Mord endlich zu einem Ergebnis.

Ende der 90er sei das Profiling, eine Ermittlungsmethode des FBI, nach Europa gekommen. Als Profiler versuche man, die Stimmung und äußeren Einflüsse zum Zeitpunkt des Verbrechens nachzuempfinden, erzählte Petermann. Die Herangehensweise sei anders als bei den regulären Ermittlungen. Trotzdem lieferten die Fakten aus Protokollen und Berichten von Kriminalpolizei, Spurensicherung und Gerichtsmedizin die Basis. Wichtig sei aber auch eine Distanz zu den ermittelnden Kollegen und Zeugen, da ihre Aussagen oft schon eine eigene Interpretation beinhalteten.

Inzwischen sind 35 bis 40 Fallanalytiker bei den Landeskriminalämtern beschäftigt. Als Pensionär geht Petermann nun im Auftrag von Angehörigen Fällen nach, deren Aufklärung zweifelhaft ist oder die bislang ungeklärt blieben. Darunter ein Fall in Lüttgenrode. Dort hatte ein Vater 1995 seine Tochter stranguliert auf dem Dachboden gefunden. Sie war offensichtlich in ihrem eigenen Zimmer bewusstlos geschlagen worden. Auf dem Dachboden hatte der Täter sie dann erschlagen, erstochen, erwürgt und erhängt, las Petermann. Der Bremer besuchte den Tatort, sammelte Details, sprach die Eltern, stellte das Verbrechen nach. Mehr verriet er während der Lesung nicht. Petermanns einfühlsame Sprache in Kombination mit exakten Fakten und äußerst brutalen Fällen aus der Wirklichkeit fesselten das Publikum. Von diesen und weiteren Fällen erzählt er in „Der Profiler“ (Heyne Verlag).

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