Evangelisch-methodistische Kirche distanziert sich

Umstrittener Bremer Pastor Latzel: Streit um Gutachter

Olaf Latzel, Pastor an St. Martini in Bremen.
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Olaf Latzel, Pastor an St. Martini in Bremen.

Bremen – Der theologische Gutachter für das Berufungsverfahren um den wegen Volksverhetzung verurteilten Bremer Pastor Olaf Latzel (St. Martini) hat „ausgelebte Homosexualität“ als Sünde bezeichnet.

Der Theologieprofessor Christoph Raedel von der Freien Theologischen Hochschule Gießen sagte, er stimme der Haltung seiner methodistischen Freikirche voll zu: „Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche kann die praktizierte Homosexualität nicht gutheißen und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre.“

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland hat sich umgehend von den Aussagen Raedels distanziert. Der zu der Freikirche gehörende Theologieprofessor Christoph Raedel habe seine ablehnende Haltung zur Homosexualität „als Privatperson“ deutlich gemacht, sagte ein Sprecher der Kirche am Wochenende. „Diese Aussagen sind nicht als offizielle Stellungnahme namens und im Auftrag der Evangelisch-methodistischen Kirche anzusehen.“

In dem Berufungsprozess am Landgericht (Termin: voraussichtlich Anfang 2022) soll Raedel Latzels Aussagen über Homosexualität und Geschlechtergerechtigkeit theologisch-wissenschaftlich bewerten. Der umstrittene Pastor Latzel war im November des vergangenen Jahres vom Bremer Amtsgericht wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil er Berufung eingelegt hat. Nach Auffassung des Gerichts hatte der Theologe, der inzwischen wieder in seiner Gemeinde predigt, in einem sogenannten Eheseminar zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt. Im Verlauf des Seminars – dessen Tonmitschnitt zeitweilig im Internet verfügbar war – sagte Latzel unter anderem, Homosexualität sei eine „Degenerationsform von Gesellschaft“.

Raedel, Professor der Freien Theologischen Hochschule Gießen, war vom Landgericht zum theologischen Gutachter in dem Berufungsverfahren bestellt worden. Seiner Ansicht nach sei „Homosexualität ein Symptom für den gefallenen Zustand der Welt, der die Entfremdung des Menschen von Gott beschreibt“. Darum müsse ausgelebte Homosexualität als Sünde bezeichnet werden, erklärte Raedel dieser Tage.

Raedel sei als Gutachter von der Verteidigung Latzels vorgeschlagen worden, erklärte ein Sprecher des Landgerichts. Er solle anhand eines zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht abgestimmten Fragenkatalogs bewerten, ob Latzels Äußerungen möglicherweise noch von der Bibel gedeckt seien. Kirchenrechtler und Verfassungsexperten haben das Vorgehen des Gerichts inzwischen kritisiert. Ihrer Auffassung nach sollte ein theologisches Gutachten nicht Gegenstand eines weltlichen Gerichtsverfahrens sein. (epd)

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