Die wichtigsten Fragen & Antworten

Der „Fall Beluga“ vor Gericht: Untergang einer Reederei

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Der angeklagte Niels Stolberg (M) mit seinen Anwälten Oliver Sahan (l) und Bernd Groß am 20.01.2016 im Gerichtsaal des Landgerichts.

Bremen - Von Helmut Reuter und Irena Güttel. Der Aufstieg der Reederei Beluga war so rasant wie ihr Absturz. Ihr Schicksal ist - im Guten wie im Schlechten - untrennbar mit ihrem Gründer Stolberg verbunden. Die wahre Geschichte um Beluga muss nun ein Gericht herausfinden.

Jahrelange Ermittlungen, tausende Seiten Akten, rund 50 Verhandlungstage - einer der größten Wirtschaftsprozesse der Schifffahrtsbranche beschäftigt seit Mittwoch das Bremer Landgericht. Angeklagt sind der Gründer der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, sowie drei weitere Ex-Manager. Die Schwergut-Reederei war 2010 tief in die Krise und 2011 schließlich in die Insolvenz gerutscht. Danach häuften sich die Vorwürfe gegen Stolberg. Die wichtigsten Fragen rund um den Fall:

Was steht hinter Beluga?

Die 1994 von Stolberg und einem Partner gegründete Reederei verschiffte alles, was schwer war: Generatoren, Pipelines, Kräne. Die Firma wuchs zunächst rasant. 72 Schiffe waren zuletzt auf den Weltmeeren mit Beluga-Flagge unterwegs. 2010 machte Beluga noch rund 500 Millionen Euro Umsatz. Vor allem die Schifffahrtskrise ließ die Aufträge dann einbrechen und die Reederei stranden. Nach der Insolvenz wurde sie abgewickelt.

Was wirft die Staatsanwaltschaft Stolberg vor?

Mehrfacher Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Untreue und Betrug - die Vorwürfe in den drei Anklageschriften wiegen schwer. Der Reederei-Gründer und ein anderer Manager sollen unter anderem Banken belogen haben, um höhere Kredite zur Finanzierung von Schiffsneubauten zu bekommen. Außerdem sollen Stolberg und zwei führende Mitarbeiter die wirtschaftliche Lage des Konzerns beim Einstieg des US-Investors Oaktree geschönt haben. Einem früheren Geschäftspartner sollen der Ex-Beluga-Chef und ein anderer Angeklagter die wahren Kosten für vier neue Frachter verheimlicht haben. Der Schaden soll insgesamt in zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Wieso hat es so lange bis zum Prozess gedauert?

Fast drei Jahre lang haben zwei Staatsanwälte und eine Ermittlungsgruppe der Polizei die Vorwürfe gegen Stolberg und andere Beluga-Verantwortliche geprüft. Dabei werteten sie Daten mit einem Umfang von zehn Terabyte aus. Dem Prozess selbst liegen 42 Ordner mit mehr als 10 000 Seiten Ermittlungsakten und Hunderte Ordner mit Beweismaterial zugrunde. Das Landgericht stellte drei Richter eineinhalb Jahre frei, damit diese über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden konnten.

Die Wirtschaftsstrafkammer hat mehr als 50 Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Wie lange es am Ende dauert, wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit sich die vier Angeklagten zu den Vorwürfen äußern. Stolbergs Anwalt, Bernd Groß, kündigte für kommenden Mittwoch (27.1) eine Aussage seines Mandaten an. „Dabei wird sich vieles relativieren, einiges wird sich als falsch herausstellen und zu den Sachen, wo Herr Stolberg die Verantwortung zu übernehmen hat, und es sozusagen auch Vorwürfe gibt, die berechtigt sind, wird Herr Stolberg sich auch dazu bekennen“, so Groß. Zwei Anwälte kündigten an, ihre Mandaten würden sich in einigen Punkten „geständig einlassen“.

Was müssen die Richter in der Verhandlung bewerten?

Im Kern müssen sie beurteilen, ob Stolberg und seine Mitangeklagten Geldgeber bewusst täuschten, um von ihnen Kredite für Investitionen zu bekommen. „Es muss auch geklärt werden, ob und wieweit Niels Stolberg eine persönliche Schuld trifft“, sagte Prange. Hätte er rechtzeitig erkennen können, dass Beluga Darlehen nicht mehr bedienen kann? Und was war möglicherweise das Motiv: Wollte sich Stolberg selbst bereichern, oder wollte er sein Unternehmen am Leben erhalten?

Was sagen Stolbergs Anwälte dazu?

Stolberg wird vom Wirtschaftsstrafrechts-Experten Bernd Groß von der Kanzlei Feigen Graf vertreten. Die Kanzlei zeigte sich zuversichtlich, dass sich viele Vorwürfe vor Gericht als haltlos erweisen werden. „Die Einstellungen einiger Verfahren in der jüngsten Vergangenheit haben ja auch gezeigt, dass sich ganz erhebliche Vorwürfe gegen unseren Mandanten, die auch zu einer massiven öffentlichen Vorverurteilung geführt haben, letztlich als gegenstandslos erwiesen haben“, meinte Groß.

dpa

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