Wissenschaftler bitten um Mithilfe

Corona: Bremer Uni arbeitet an Strategien gegen Fake News

Zuweilen landen Informationen im Briefkasten, die gar keine Informationen sind, sondern Falschnachrichten. Bremer Wissenschaftler wollen nun Strategien zur Eindämmung von Fehlinformationen entwickeln. Sie bitten die Bürger dabei um Mithilfe.
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Zuweilen landen Informationen im Briefkasten, die gar keine Informationen sind, sondern Falschnachrichten. Bremer Wissenschaftler wollen nun Strategien zur Eindämmung von Fehlinformationen entwickeln. Sie bitten die Bürger dabei um Mithilfe.

Keine Pandemie ohne Provokationen und Panikmache. Bewusst verbreitete Falschnachrichten sorgen in Corona-Zeiten immer wieder für Verunsicherung. Bremer Uni-Wissenschaftler gehen der Sache jetzt auf den Grund – und bitten um Hilfe.

Bremen – Sie sollen Verwirrung stiften, Unmut schüren, aufwiegeln. Sie sollen verunsichern, verstören, für Unruhe sorgen: Fake News zu Corona und zu Corona-Impfungen. Die Falschnachrichten verbreiten sich nicht allein digital über Internet und soziale Netzwerke, sondern auch auf Papier – als Plakat und als Handzettel, Flugblatt oder Broschüre im Briefkasten. Jetzt gehen Wissenschaftler der Bremer Uni dem Phänomen auf den Grund. Bürger sind aufgerufen, ihnen dabei zu helfen.

Immer wieder kommt es „zu Falsch- und Desinformationen in Gesundheitsfragen“, beklagt beispielsweise das Bremer Gesundheitsressort auf seiner Website. Und fügt an: „Bitte geben Sie Informationen aus zweifelhaften Quellen nicht ungeprüft weiter oder teilen und verlinken diese über soziale Netzwerke. Damit wirken wir gemeinsam Fehlinformationen und Panikmache entgegen.“ Auch bei der Bremer Verbraucherzentrale heißt es, man rate „immer zu einem gesunden Misstrauen“.

In ihrem Projekt untersuchen die Uni-Forscher jetzt, welche Verbreitungswege Fehlinformationen nehmen. Im Internet lassen sich Fake News zur Pandemie einfach und schnell verbreiten. Und auf dem klassischen Weg? „Wir wollen untersuchen, ob sich die Informationen im Netz von denen unterscheiden, die in den realen Briefkasten geworfen werden“, sagt Professor Benjamin Schüz vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Bremer Universität.

Gedruckte Fake News bleiben länger unwidersprochen

Gemeinsam mit dem Informatiker Professor Johannes Schöning von der Arbeitsgruppe „Mensch-Computer-Interaktion“ untersucht er Verbreitungsformen und -wege der Falschnachrichten. Die Volkswagenstiftung fördert das Projekt, teilt eine Uni-Sprecherin mit.

Die Zielgruppen unterscheiden sich erheblich, so Schüz. „Durch Flyer und Postwurfsendungen können auch Gruppen in der Bevölkerung erreicht werden, die das Internet oder auch soziale Medien nur selten nutzen.“ Betreiber sozialer Netzwerke haben zudem die Möglichkeit, Fake News schnell als solche zu kennzeichnen – bei Fehlinformationen, die auf Papier verbreitet werden, geht so etwas nicht so schnell. Sie bleiben dadurch vermutlich länger unwidersprochen.

Zumal viele Menschen gedruckten Texten eher Glauben schenken als Online-Inhalten. Bisweilen sind es Wortwahl und Tonfall der Falschnachrichten, die stutzig machen. Viele der Fake-News-Flyer und -Broschüren aber kommen in einem seriösen Look daher, wirken professionell gestaltet, arbeiten mit Grafiken und Zitaten vermeintlicher oder tatsächlicher Wissenschaftler. Manche geben sogar Verantwortliche im Sinne des Presserechts an. Was ist Dichtung, was ist Wahrheit – das ist zuweilen nicht so einfach zu unterscheiden.

Bremer Forscher bitten Bürger um Hilfe im Kampf gegen Fake News

Die Bremer Wissenschaftler wollen nun möglichst viele Flyer analysieren, um auf dieser Grundlage Strategien zu entwickeln, die „der Verbreitung von Fehlinformationen vorbeugen können“, wie es heißt. So könnten „beispielsweise Hinweise ausgegeben werden, dass sich gerade Fehlinformationen zu einem bestimmten Thema häufen – und in diesen Hinweisen könnte gleich eine Richtigstellung“ erfolgen.

Das Team von Professor Schüz bittet Bürger um Mithilfe: Wer schon Flyer oder Broschüren mit Fehlinformationen zu Corona oder der Corona-Schutzimpfung im Briefkasten hatte und sie vielleicht sogar aufbewahrt hat, wird gebeten, ein Foto oder eine Beschreibung der Flyer auf dieser Website hochzuladen.

Das Institut für Public Health und Pflegeforschung ist seit 2005 eine gesundheitswissenschaftliche Einrichtung am Fachbereich 11 der Bremer Uni. Es beschäftigt sich unter anderem mit Versorgungsforschung, Prävention und Sozialepidemiologie.

Bremer Inzidenzwerte steigen wieder

Das Bremer Gesundheitsamt hat unterdessen am Donnerstag 249 Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Land Bremen gemeldet, davon 185 in der Stadt Bremen. Hier ist der Inzidenzwert wieder über die 100er-Marke auf 109,9 gestiegen. In Bremerhaven stieg der Wert ebenfalls wieder – auf 161,9. Aus Bremerhaven wurde ein weiteres Corona-Todesopfer gemeldet. Damit ist deren Gesamtzahl im Land Bremen auf 416 gestiegen. Als akut infiziert gelten 1578 Personen, davon 913 in Bremen. 158 Covid-19-Patienten werden in den Kliniken des Landes behandelt. 45 liegen auf Intensivstationen, 33 davon werden beatmet. 47 der 158 Patienten kommen nicht aus Bremen oder Bremerhaven. Im Land Bremen wurden bislang 110 178 Personen in Impfzentren oder durch mobile Teams geimpft. 40 045 davon haben eine zweite Impfung erhalten. (je)

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