Geschäft hilft beim Klimaschutz

Tauschen statt kaufen: „Fairtauschen“ setzt auf Konsum ohne Gewissenbisse

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Was für ein Fund: Frederike Meyer hat im Tauschladen „Fairtauschen“ eine Getreidemühle aus Gusseisen gefunden. 

Bremen - Frederike Meyer (24) aus Bremen strahlt. Sie hat eine wunderschöne Getreidemühle aus Gusseisen in der Hand. Ein schönes Tauschobjekt. Ein Überraschungsfund. Sie hat aus ihrer WG eine schöne Tee-Box dabei und weitere Küchenutensilien. Es ist voll im Tauschladen „Fairtauschen“ in Findorff. Tauschen macht Spaß. Doch bei „Fairtauschen“ geht es grundsätzlich um ein ernstes Thema: Klimaschutz.

Projektleiterin Sabine Starke-Wulff (54) aus Bremen, die den Laden Anfang 2018 eröffnet hat, sagt: „Den Leuten ist nicht bewusst, dass 90 Prozent ihrer Waren aus Übersee kommen. Für den Transport wird unglaublich viel CO2 freigesetzt.“ Tauschen statt kaufen, entrümpeln statt Ware übers Meer schicken: Auch so kann man die Umwelt schützen, Platz daheim schaffen und sich was gönnen.

„Die Leute kommen rein und wollen tauschen. Dabei erreichen wir sie mit dem Thema ,Ökologie‘“, sagt Thomas Miksche (48) aus dem Team. Bisher seien etwa 18.000 Dinge getauscht und etwa 115 Tonnen CO2 eingespart worden.

Konsum - aber nicht auf Kosten des Klimas

Meyer, Biologie-Studentin mit einem Schwerpunkt auf Ökologie, ist davon begeistert. Sie sagt: „Es macht Spaß, seinem Konsumdrang nachzugehen, wenn man weiß, dass die Sachen nicht auf Kosten des Klimas weit hertransportiert werden müssen.“ Sie komme im Schnitt alle zwei Wochen in den vom Bund geförderten Laden.

Jeder Tauscher bekommt ein Konto, mit dem er handeln kann. Die Währung bei „Fairtauschen“ ist der „Fairsharie“. Zu Beginn gibt es erst mal drei davon, wenn das Neumitglied zum ersten Mal etwas mitbringt, nochmal einen Bonus von zwölf „Fairsharies“. Es können keine Euros in die Tauschwährung gewechselt werden. 900 Menschen machen zur Zeit bei „Fairtauschen“ mit, davon auch einige aus dem Umland. Frederike Meyer investiert 20 „Fairsharies“ in die massive Getreidemühle. Die passt gut in die Familie: „Mein Vater ist Landwirt“, sagt die aus Verden stammende Studentin.

Thomas Miksche und Sabine Starke-Wulff mit bunten Kleidern vor dem Tauschladen.

Im Laden ist richtig was los. „Wir kommen im Schnitt auf 18 Tauschvorgänge pro Stunde“, sagt Starke-Wulff. Das Angebot ist üppig. Ein Hula-Hoop-Reifen kostet drei „Fairsharies“, eine originalverpackte Fahrrad- und Mofa-Abdeckung einen. Ein Monitor kostet sechs „Fairsharies“, so auch eine Küchenwaage. Ein großer, farbenprächtiger Fisch, geschnitzt aus Holz, schlägt mit fünf „Fairsharies“ zu Buche, ein Mini-Raclette für zwei Personen mit acht. Zwei CDs von den „Crash Test Dummies“ aus den 90ern sind für je zwei „Fairsharies“ zu haben. Ein großes Puzzle mit 1000 Teilen kostet fünf. Bücher werden nur zu den Themen Nachhaltigkeit, Ökologie und persönliche Entwicklung angenommen. Aus Platzgründen gibt es in der Modeabteilung in einem kleinen Extraraum nur Kleidung für Frauen und keine Schuhe. Dort hängt beispielsweise ein „kleines Schwarzes“ mit Glaselementen verziert für zehn „Fairsharies“.

Hilfe auf der Plattform „Sharetopia“

Christian Klodwig (76) aus Horn hat einen Soda-Automaten dabei und auch einen Schmuckkoffer sowie eine Lampe. Er muss erst noch ein Konto im Laden eröffnen. Er würde gerne eine Dienstleistung bekommen, eine Gartenhilfe. Die gibt es auf der dazu gehörigen Internetplattform „Sharetopia“. Auch auf dieser kann er seine „Fair-sharies“ eintauschen. Starke-Wulff, studierte Sozialökonomin, hat die Verwaltungssoftware für „Fairtauschen“ und auch die Plattform „Sharetopia“ programmiert.

Alle eingehenden Sachen werden begutachtet. Sie müssen intakt und dürfen kein Ramsch sein. Dann bekommen sie ein Etikett, mit dem Benutzernamen der Person, die sie abgegeben hat, und dem Zeitpunkt. Darauf steht natürlich auch der Preis. Dieser wird beim Tausch vom neuen Besitzer auf das Konto des alten Besitzers umgebucht. Weitere Tauschläden in Hamburg und Hannover sind geplant, 2020 soll ein Geschäft in Bremerhaven öffnen.

Öffnungszeiten und Förderung

„Fairtauschen“ (Münchener Straße 55) öffnet dienstags von 10 bis 13 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr und sonnabends von 12 bis 16 Uhr. Der Tauschladen wird durch das Bundesumweltministerium gefördert. Träger ist der Verein „Leuchtturmfabrik“ in Findorff, der unter anderem ein Repair-Café betreibt und sich der ökologischen Bildungsarbeit widmet. Ab Oktober wird der Tauschladen dann ganz von der „Leuchtturmfabrik“ betrieben. Auf der Plattform „Sharetopia“ haben sich mehr als 900 Menschen angemeldet, die Dienstleistungen zum Tausch anbieten.

Mehr Infos unter www.tausch-konzepte.de

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