Kommentar zur Fahrradzone in Bremen 

Demonstrativ bevorzugt

Thomas Kuzaj

Ein Kommentar von Thomas Kuzaj - In der Bremer Neustadt drehen sie am Rad. Am ganz großen Rad. Ob es ein Glücksrad ist, wird sich zeigen. Zweifel sind angebracht.

Das Fahrrad-Modellquartier ist ein Projekt der Grünen – und so wurde am Montag von grüner Seite groß aufgefahren, um „die erste Fahrradzone der Republik“ in der Alten Neustadt im Herzen der „Fahrradstadt Bremen“ zu feiern. Schließlich hätten an der Weser – so Umwelt-, Bau- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) „viele fahrradpolitische Innovationen wie die Fahrradstraße ihren Ursprung“. Aus der Straße wird nun die Zone, das Quartier. Es ist Symbolpolitik, aber diesmal in ganz großem Stil.

All dem wohnt – einmal mehr – die besserwisserische grüne Geste des Belehrenden inne. Politik für ein durch und durch grünes Publikum, mit der nun alle beglückt werden. Autofahrer können doch auf Car-Sharing umsteigen, heißt es dann mit charmantem Augenaufschlag.

Wer das nicht kann oder will, muss sehen, wo er bleibt – und wird sein Auto womöglich nicht mehr vor der Haustür parken können. Es mag ja noch zumutbar sein, sich damit zu arrangieren. Aber der allgemeine Vorrang fürs Fahrrad dürfte im Modellquartier insgesamt die gleichen Auswirkungen haben wie vielerorts in Fahrradstraßen – für Autofahrer wird´s ungemütlich. Haben Radfahrer erst einmal kreuz und quer berechtigte (und zuweilen auch nur gefühlte) Vorfahrt, ist der Versuch, am Lenkrad eines Autos Übersicht zu behalten, nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.

Viele Menschen fahren gerne mit dem Rad zur Arbeit. Mit dem Lastenrad oder dem Car-Sharing-Wagen zum Einkaufen – auch kein Problem. Andere aber machen all das lieber mit dem eigenen Auto; sie haben die unterschiedlichsten Gründe dafür. Gründe, die sich auch durch eine belehrende Politik nicht ändern lassen.

Warum muss ein Verkehrsmittel demonstrativ bevorzugt werden, statt die Bedingungen für alle Verkehrsmittel zu verbessern – und den Menschen damit die Entscheidungsmöglichkeit, die Wahl zu lassen? Weil es diese Wahl nicht geben soll. Denn die grünen Vordenker wissen ja viel besser, was für alle gut ist. Und so drehen sie nun am ganz großen Rad.

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