Bremen an der Spitze

Der Norden liebt das Fahrrad: Ersatzteile aber bundesweit Mangelware

Eine Umfrage zeigt, dass das Fahrrad im Norden des Landes mehr Fans hat als im Süden. Die insgesamt zunehmende Beliebtheit dieses Fortbewegungsmittels führt allerdings aktuell zu Lieferschwierigkeiten.

Bremen - Vor Kurzem war es wieder soweit: Es gibt eine Baustelle, der Feierabend-Verkehr setzt ein, und alles steht. Alles? Nein. Nicht nur in diesen besonderen Verkehrssituationen düsen zweirädrige Fortbewegungsmittel an den in endlos erscheinenden Schlangen und statisch verweilenden Autos vorbei. Auf zwei Rädern ist man im kleinsten Bundesland oftmals einfach schneller unterwegs, als mit dem Auto. Eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Yougov-Umfrage zeigt nun, dass das Fahrrad in Bremen, im Vergleich der Bundesländer, am beliebtesten ist.

Bundesland:Bremen
Einwohnerzahl:681.202 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)
Regierende Parteien:SPD, Grüne und Die Linke

Unabhängig von der Rangliste ist der Fahrradverkauf im vergangenen Jahr insgesamt angestiegen. Der Absatz von Fahrrädern steigt in Deutschland zwar seit Jahren, im ersten Coronajahr 2020 war die Nachfrage jedoch besonders hoch. Insgesamt wurden nach Zahlen des Zweirad-Industrieverbands mehr als fünf Millionen Fahrräder verkauft, das war im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von fast 17 Prozent. Mit eingerechnet knapp zwei Millionen E-Bikes. Mit den steigenden Temperaturen holen auch viele Menschen ihre Räder wieder aus Garage oder Keller. Unfälle lassen sich mit einigen Tipps trotz zusätzlicher Verkehrsteilnehmer vermeiden.

Weltweiter Fahrradboom führt bundesweit zu fehlenden Ersatzteilen

Der Absatz-Anstieg durch die Corona-Pandemie und der Fahrradboom allgemein verschärfen in Kombination zum Beginn der schönen Jahreszeit den Ersatzteilmangel für Zweiräder. Manche Teile werden über Monate nicht erhältlich sein, fürchtet der Verband des deutschen Zweiradhandels. „Die Situation wird dazu führen, dass Kunden teilweise bis in den Sommer hinein ihre Räder nicht werden nutzen können, weil sie keine Ersatzteile dafür bekommen“, sagte Tobias Hempelmann, Vorstandsmitglied des in Bielefeld sitzenden Verbands. Lieferprobleme gibt es demnach insbesondere bei Verschleißteilen wie Bremsbelägen, Ketten, Kettenrädern und Ritzeln für die Gangschaltung.

Die Situation wird dazu führen, dass Kunden teilweise bis in den Sommer hinein ihre Räder nicht werden nutzen können, weil sie keine Ersatzteile dafür bekommen

 Tobias Hempelmann, Vorstandsmitglied Verband des deutschen Zweiradhandels

Lieferschwierigkeiten bei Fahrradteilen gab es schon im vergangenen Jahr, doch hat sich das Problem offensichtlich mittlerweile verschärft. Insgesamt gibt es nach Schätzung der Industrie in Deutschland inklusive Elektrorädern mittlerweile 79 Millionen Fahrräder, fast so viele wie Einwohner. Die weltweit angestiegene Fahrradproduktion sieht Hempelmann als einen der Gründe für den Ersatzteilmangel. Die Hersteller benötigen mehr Teile.

Der Verkaufs-Anstieg durch die Corona-Pandemie und der Fahrradboom allgemein verschärfen in Kombination zum Beginn der schönen Jahreszeit den Ersatzteilmangel für Zweiräder.

„Außerdem wird mehr Fahrrad gefahren, so, dass mehr repariert werden muss. Und der Rohstoffmangel trägt auch noch dazu bei, und treibt die Preise.“ Andere Fachleute haben in den vergangenen Monaten zudem darauf verwiesen, dass die Fahrradbranche wie andere Wirtschaftszweige auch unter den durch die Pandemie verursachten Störungen des Wirtschaftslebens leidet. Ein großer Prozentsatz der Fahrradteile und auch viele Rahmen werden in Ostasien gefertigt. Ein Ende des Teilemangels ist nach Einschätzung des Fahrradhandelsverbands vorerst nicht in Sicht. „Der Mangel tut dem Handel weh, aber noch viel mehr dem Endverbraucher“, sagte Hempelmamn. Mit einer Entspannung er im Herbst.

Gründe unklar: Fortbewegung auf zwei Rädern im Norden beliebter als im Süden

Die Umfrage im Auftrag der HUK Coburg liefert auch einen möglichen Grund für den Ersatzteilmangel: Bundesweit sagen 29 Prozent, dass das Fahrrad für sie das ideale Verkehrsmittel ist. In Bremen sind es 45 Prozent, gefolgt von Niedersachsen mit 38 Prozent und Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern folgen mit jeweils 37 Prozent. Anlass der Umfrage, bei der im Zeitraum vom 10. bis 25. Februar insgesamt 4029 Erwachsene befragt wurden, ist der Tag des Fahrrads am 3. Juni.

Fahrräder sind im flachen Norden Deutschlands offensichtlich ein beliebteres Verkehrsmittel als im hügeligen Süden.

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung zeigt auch, dass die Fortbewegung auf zwei Rädern insgesamt im Norden beliebter als im Süden ist. Das erste süddeutsche Bundesland mischt erst auf Platz neun der Rangliste mit. In Bayern sehen 29 Prozent der Menschen das Fahrrad als ideales Verkehrsmittel. Damit liegt das Land im Bundesdurchschnitt.

Nach den Gründen für die regional unterschiedlichen Präferenzen fragten die Demoskopen nicht. Es bleibt demnach unklar, welche Rolle flaches oder hügeliges Gelände oder unterschiedlich gute Fahrrad-Infrastruktur spielt. Was jedoch gefragt wurde, ist, ob sich die Teilnehmer Bau und Ausbau neuer Fahrradwege wünschen. In dieser Hinsicht scheinen die Berliner mit 23 Prozent eher desinteressiert und landen an bundesweit letzter Stelle. Spitzenreiter war Mecklenburg-Vorpommern mit 38 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 34 Prozent und Sachsen mit 33 Prozent.

ADFC Bremen und BUND fordern schnellere Mobilitätswende

Für eine bessere Fahrrad-Infratruktur und weitere Kriterien für eine Mobilitätswende in Bremen setzen sich in Bremen mit dem Aufruf zur Demonstration auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bremen (ADFC) und der Naturschutzbund Deutschland (BUND) ein. Auch soll die Bremer Innenstadt bis zum Jahr 2030 autofrei werden, in der Bremer Neustadt haben Fahrräder bereits teilweise Vorrang vor Autos.

Die Ideen, manchmal auch die Planungen sind da – aber die Umsetzung dauert leider viel zu lange. 

Sven Eckert, Geschäftsführer des ADFC in Bremen

In der Ankündigung zur Veranstaltung am kommenden Samstag fordert Sven Eckert, Geschäftsführer des ADFC in Bremen, eine schnelle Umsetzung und eine konsequentere Förderung des Radfahrens in der Hansestadt. „Die Ideen, manchmal auch die Planungen sind da – aber die Umsetzung dauert leider viel zu lange. Wir brauchen in Bremen mehr Platz, mehr Geld und mehr Personal für den Radverkehr, damit auch Kinder und ältere Menschen sicher und bequem Fahrrad fahren können“, wird er zitiert. Mit Material der dpa.kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt / dpa

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