Sozialpädagogin sagt in Uni-Prozess als Zeugin aus

Angeklagter: „Fahr´ zur Hölle“

Seit Februar (hier der Prozessauftakt in der Messehalle) wird gegen den 64-Jährigen (2.v.l.) am Landgericht Bremen wegen versuchten Mordes verhandelt. Aufgrund einer psychischen Krankheit seine Schuldfähigkeit eingeschränkt sein.
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Seit Februar (hier der Prozessauftakt in der Messehalle) wird gegen den 64-Jährigen (2.v.l.) am Landgericht Bremen wegen versuchten Mordes verhandelt. Aufgrund einer psychischen Krankheit seine Schuldfähigkeit eingeschränkt sein.

Fortsetzung im Prozess um versuchten Mord an der Bremer Uni: Jetzt sagte vor Gericht eine Sozialarbeiterin über die kurze Betreuung des Angeklagten aus.

Bremen – Gemobbt, denunziert, ausgegrenzt – so schilderte der 64-jährige Angeklagte im Prozess um versuchten Mord an seinem Vorgesetzten immer wieder aufs Neue seinen Arbeitsalltag an der Bremer Universität. Und weil ihm der Jobverlust drohte, wollte er laut Anklage nicht nur sich umbringen, sondern seinen 51 Jahre alten Chef gleich mit.

Dabei hätte dem Mann geholfen werden können, berichtete am Montag eine Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes (IFD) vor dem Landgericht. Nur: Der 64-Jährige wollte keine Unterstützung.

Angeklagter in „sehr kritischem Zustand“

Lange dauerte die Betreuung des Angeklagten nicht. Lediglich zwischen Oktober 2016 und März 2017 nahm sich die 54-jährige IFD-Mitarbeiterin der Sorgen des Mannes an. Doch die wenigen Monate reichten der Frau, um sich ein umfassendes Bild des Angeklagten machen zu können – und zu begreifen: „Es ging ihm offensichtlich nicht gut, das war unschwer zu erkennen.“ In einem „sehr kritischen, sehr instabilen“ Zustand habe der Mann die Sozialarbeiterin im Ende 2016 aufgesucht, dort Vorwürfe geäußert, er werde von Kollegen gemobbt und denunziert. Der IFD, nach Einschätzung der Zeugin, ein Amt mit Mittlerrolle, habe seine Arbeit auch sofort aufgenommen – nur, dass der Angeklagte eine falsche Einschätzung dieser gehabt hätte, erinnert sich die Zeugin.

Sozialpädagogin empfiehlt Mediation

Um einen, so der Fachausdruck, „leidensangepassten Arbeitsplatz“ für den Mann zu finden, führte sie Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten, berief gemeinsame Treffen ein und empfahl eine Mediation zwischen dem Angeklagten, der 15 Jahre als Haustechniker an der Uni beschäftigt war, und weiteren Angestellten. Und bereits damals, mehr als drei Jahre vor der Tat im August 2020, als der Mann seinen ehemaligen Vorgesetzten laut Anklage durch einen selbst verursachten Defekt in einen Technikraum lockte, mit einer Eisenstange attackierte, mit einer Axt bewaffnet verfolgte und zu töten versuchte, informierte die Frau weitere Stellen. Unter anderem das zuständige Referat der Uni Bremen, weil „eine Eigen- und Fremdgefährdung“ durch den Mann „nicht auszuschließen war“.

Frau beschimpft und beleidigt

In gemeinsamen Treffen habe das Verhalten des heute 64-Jährigen zwischen „aufbrausend“ und „niedergeschlagen“ geschwankt, wirklich durchgedrungen sei die Frau zum Angeklagten nie. Was sich letztlich auch in zwei E-Mails des Mannes an die Sozialpädagogin Anfang März 2017 äußerte. Dort bezeichnete er ihr Agieren als „Totalversagen“. Weiter schrieb der Angeklagte: „Sie haben nichts bewirkt, außer, dass sich alle verarscht fühlen.“ In einer zweiten Mail vom selben Tag betitelt er die Frau als „strunzdummen, arroganten Haufen Scheiße“. Als Betreff wählte der Mann: „Fahr´ zur Hölle“. Die Zusammenarbeit war an dieser Stelle beendet, schon allein deshalb, weil durch „so eine entwertende Mail“ das Vertrauensverhältnis beschädigt sei, sagte die Zeugin.

Die IFD-Mitarbeiterin gab den Fall ab und empfahl der Uni, den Sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten, weil „es sehr eskalativ werden könnte“. Alle Angebote ihrerseits habe der Mann stets abgeblockt, weil er diese als „Problementledigung“ empfunden habe. Zudem forderte der Mann, dass sich die entsprechenden Kollegen bei ihm entschuldigten. Doch für eine nachhaltige Klärung brauche es immer die nötige Bereitschaft aller Seiten, sagt die Frau. Diese sei beim 64-Jährigen nicht vorhanden gewesen. „Er wollte es so, wie er es mal hatte.“

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