Geschichtswerkstatt verfolgt die Spuren der „Gröpeln“ in Nicaragua

Fährschiff zu Kochtöpfen

Reger Ausflugsverkehr: Das Bild von der „Gröpeln“ stammt aus dem Jahr 1958. ·
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Reger Ausflugsverkehr: Das Bild von der „Gröpeln“ stammt aus dem Jahr 1958. ·

Bremen - Von Jörg EsserIn den 50er und 60er Jahren schipperte die „Gröpeln“ die Ausflügler aus dem Bremer Westen über die Weser zum Sandstrand in Lankenau. Später transportierte die Fähre Werftarbeiter. 1981 schenkte der Senat die „Gröpeln“ den Freiheitskämpfern in Nicaragua. Dort wurde sie den Recherchen der Gröpelinger Geschichtswerkstatt zufolge 2010 verschrottet. Das Altmetall wird zur Herstellung von Kochtöpfen verwertet.

An heißen Sommertagen war die „Gröpeln“ nahezu überbucht, die Leute aus Walle und Gröpelingen drängelten sich an Bord, um zum Badevergnügen auf die andere Weserseite zu schippern. Der Spaß endete 1964, weil die Stadt auf dem Lankenauer Flussufer den Neustädter Containerhafen bauen ließ. Die Fähre transportierte dann Arbeiter zur Werft AG „Weser“, später wurde sie in Blumenthal eingesetzt. Im Jahr 1981 verschenkte Bremen die Fähre „als Zeichen der internationalen Solidarität“ nach Nicaragua. Die „Gröpeln“ sollte als Versorgungsschiff für die einheimische Bevölkerung dienen und so ihren Beitrag beim Aufbau des mittelamerikanischen Landes leisten, in dem die Sandinisten just Diktator Anastasio Somoza gestürzt hatten.

„Seitdem haben sich die Spuren verwischt“, sagt Günter Reichert vom Verein „Geschichtswerkstatt Gröpelingen“. Doch es gebe immer wieder Fragen nach dem Verbleib des Schiffes. Und so haben die Geschichtsforscher die Spur wieder aufgenommen. Und sie sind dabei „auf spektakuläre Fotografien und Nachrichten“ gestoßen.

Die „Gröpeln“ war als Versorgungsschiff für die Inselgruppe Solentiname im südlichen Nicaragua-See vorgesehen, der Heimat des sandinistischen Befreiungskämpfers und Dichters Ernesto Cardenal. 1982 wurde die Fähre von einem Bremer Frachtschiff an der karibischen Küste vor der Flussmündung des San Juan auf Reede gesetzt. Die Reise endete auf halber Strecke: Unterhalb der alten Festung El Castillo nahm eine Rebellengruppe des Ex-Sandinistenführers Edén Pastora die „Gröpeln“ unter Beschuss. Sie lief gegenüber der Ortschaft El Castillo auf eine Sandbank und lag dort mehrere Jahre lang fest. 1986 war der Nürnberger Fotograf Markus Bibelriether an den Ufern des Flusses, wo die alte Fähre noch auf der Sandbank lag. Er stellte den Gröpelingern seine Fotos zur Verfügung.

Die forschten weiter. Demnach soll das Schiff im Auftrag der nationalen Hafenbehörde zwischen 1990 und 1995 vom Militär zur Werft „Astillero El Diamante“ bei Granada verbracht worden sein, um es dort reparieren zu lassen. Wie auch immer. Im März 2011 jedenfalls meldete die nicaraguanische Zeitung „La Prensa“, dass die „Gröpeln“ wegen angeblicher Unbrauchbarkeit im Jahr 2010 zusammen mit zwei anderen historischen Fährschiffen an einen Werftbesitzer verkauft und von diesem abgewrackt wurde. Werftchef Milton Arcia sagte der Zeitung, er habe das Altmetall zur Herstellung von Kochtöpfen weitergegeben.

Die Gröpelinger Geschichtsschreiber wollen jetzt Kontakt zu einer Reihe von Personen aufnehmen, die an der Überführung der „Gröpeln“ im Jahr 1982 beteiligt waren. Entstehen soll ein kleines Geschichtsvideo, das der Verein im Frühsommer der Öffentlichkeit vorstellen will.

http://www.geschichtswerkstatt-groepelingen-bremen.de

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