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Bremerhaven: Fachkräftemangel gefährdet Offshore-Ziele

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Von: Jörg Esser

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Windräder auf hoher See.
Windarmes Frühjahr: In den Offshore-Windparks in der Nordsee und der Ostsee wurden 2021 insgesamt knapp drei Terawattstunden weniger Strom produziert als ein Jahr zuvor, geht aus Statistiken hervor. © Wind MW Service GmbH

Die Stromernte auf hoher See ist rückläufig. Der Ausbau ist „politisch verordnet“ ins Stocken geraten, sagt der Branchenverband WAB. Jetzt gibt es neue Ziele. Und neue Probleme.

Bremerhaven – Der fehlende Ausbau der vergangenen Jahre hat in der Offshore-Windindustrie deutliche Spuren hinterlassen. So habe die Wertschöpfung durch den „politisch verordneten Ausbaustopp“ deutliche Einbußen hinnehmen müssen, sagt der Branchenverband WAB mit Sitz in Bremerhaven und beruft sich auf eine aktuelle Studie des Trend- und Marktforschungsinstituts „wind:research“.

Demnach ging der Umsatz der Branche innerhalb Deutschlands seit Ende 2018 von 9,8 auf 7,4 Milliarden Euro zurück, zeitgleich nahm die Zahl der Vollzeitstellen um rund 3 000 auf 21 400 ab. „Um die aktuellen Ausbauziele zu erreichen, bedarf es daher einer politisch flankierten Gesamtanstrengung der Branche mit einer Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, so der WAB.

Die Ausbauziele sind von der neuen Bundesregierung wieder erhöht worden – auf 30 Gigawatt bis 2030 und auf 70 Gigawatt bis 2045. Doch die Situation ist derzeit angespannt. Der akute Fachkräftemangel sowie Probleme in den Lieferketten gefährdeten den erneuten Hochlauf der Industrie, heißt es. „Für die langfristigen Ausbauziele der Bundesregierung benötigen wir umgehend Investitionen und die richtigen politischen Weichenstellungen, um die für den Ausbau notwendige Infrastruktur zu schaffen, unter anderem im Bereich der Häfen und Werften“, sagt WAB-Geschäftsführerin Heike Winkler. „Die Wertschöpfungskette muss wieder aufgebaut werden.“ Klappt das, rechnet die Offshore-Industrie mit Zehntausenden von neuen Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren.

Neue Arbeitsplätze in Sicht

Der Schiffbauverband VSM wirbt dafür, die in den nächsten Jahren anstehende Energiewende für eine „Wertschöpfungswende“ zu nutzen. „Es ist nicht mehr egal, wo Sachen herkommen“, sagte VSM-Geschäftsführer Reinhard Lüken. Es sei wichtige, „die bessere Lösung zu implementieren und nicht die billigere“. Weil für den geplanten Ausbau der Windenergie auf See in großem Stil neue Spezialschiffe benötigt werden, spielten die deutschen Schiffbauer eine Schlüsselrolle. Doch Aufträge wanderten seit Jahren gen Asien ab, wo der Schiffbau mit staatlichen Milliardenhilfen gestützt werde.

Zurück auf hohe See: Seit Mitte 2020 sind keine neuen Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee in Betrieb gegangen. 2021 wurden laut Studie weder neue Windräder noch Fundamente installiert. Lediglich für 132 Anlagen gab es ein Leistungs-Upgrade, wodurch die Gesamtleistung auf hoher See um ganze 24 Megawatt gesteigert wurde. Derzeit sind 1 501 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 7,8 Gigawatt in deutschen Hochseegewässern in Betrieb. Davon entfallen auf die Nordsee 6,7 Gigawatt, die Niedersachsen (4,9) und Schleswig-Holstein (1,8) zugeordnet werden, sowie 1,1 Gigawatt auf die Ostsee, die allesamt zu Mecklenburg-Vorpommern gehören.

Heike Winkler
Heike Winkler ist Geschäftsführerin des Branchenverbands WAB mit Sitz in Bremerhaven. © WAB/Buchholz

Windräder mit 7,8 Gigawatt Leistung in Ostsee und Nordsee

Die mächtigen Offshore-Windräder erzeugten im vergangenen Jahr nach Angaben des Umweltbundesamts insgesamt 24,4 Terawattstunden (24,4 Milliarden Kilowattstunden) Strom. 2020 waren es noch 27,3 Terawattstunden, ein Jahr zuvor 24,7.

Der Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung ist 2021 weiteren Angaben des Bundesamts zufolge um 13,3 Prozent auf rund 114 Terawattstunden gesunken (89,5 Terawattstunden wurden von 28 230 Onshore-Windrädern produziert).

Damit ist die Windkraft mit einem Anteil von 21,5 Prozent an der Erzeugung wieder deutlich hinter die Kohle (30,2 Prozent) zurückgefallen. 2020 lag die Windkraft-Quote noch bei 25,2 Prozent und erstmals vor der Kohle (24,8 Prozent). Das Umweltbundesamt macht dafür vor allem das „im Vergleich zum Vorjahr windarme Frühjahr“ verantwortlich.

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